Rechtsextremismus

Festnahmen wegen Drohmails

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Ein Ex-Polizist aus Bayern und seine Frau stehen wegen rechtsextremer Drohmails unter Verdacht. Möglicherweise gehören sie aber nicht zur ursprünglichen „NSU 2.0“-Serie.

Die Sicherheitsbehörden melden einen Erfolg im Kampf gegen rechtsextreme Drohmails. Die bayerische Polizei nahm bereits am Freitag in Landshut einen ehemaligen Polizisten und seine Frau vorläufig fest, wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Die beiden Beschuldigten seien auf freien Fuß gesetzt worden, weil die Voraussetzungen für einen Haftbefehl nicht erfüllt seien.

Bei den Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft um einen 63-jährigen ehemaligen bayerischen Polizeibeamten, der bereits in der Vergangenheit wegen rechtsmotivierter Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten ist, und um seine 55 Jahre alte Ehefrau. „Die beiden sind verdächtig, mehrere E-Mails mit beleidigenden, volksverhetzenden und drohenden Inhalten an Bundestagsabgeordnete und verschiedene andere Adressaten ver-schickt zu haben“, teilten die Ermittler mit. Es seien Datenträger sichergestellt worden, die noch ausgewertet werden müssten.

Die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, sagte auf Anfrage, es gehe um sechs Schreiben, die den Festgenommenen zugeordnet würden. Die ursprüngliche Serie mit Todesdrohungen durch „NSU 2.0“ ist weit größer. Sie umfasste bereits vor einer Woche nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) 69 Schreiben an 28 Personen sowie zahlreiche Institutionen.

Linke Recherchegruppen vermuten, dass es sich bei dem ehemaligen Polizeibeamten um Hermann S. handelt. Alter und Wohnort passen zur Beschreibung des vorläufig festgenommenen Mannes. In rechten Internetforen wie PI („Politically incorrect“) schreibt seit Jahren ein Autor unter dem Pseudonym „Eugen Prinz“, das an Prinz Eugen erinnert, der die kaiserlichen Truppen in Wien gegen die Türken anführte. Nach Recherchen der „Landshuter Zeitung“ handelt es sich bei „Eugen Prinz‘ um den Landshuter Ex-Polizisten Hermann S..

„Eugen Prinz“ lautete auch die Absenderkennung eines der jüngsten rechtsextremen Drohschreiben, das an die Grünen-Politiker Anton Hofreiter, Renate Künast und andere gerichtet war. Der Absender drohte damit, die Empfänger „abzuschlachten“. Das Schreiben trug zwar das Kürzel „NSU 2.0“, stimmte aber in markanten Kennzeichen nicht mit der Serie von „NSU 2.0“-Drohbriefen überein, die mit persönlichen Angaben über die bedrohten Personen versehen waren. Bei letzteren besteht der Verdacht, dass Daten aus Polizeicomputern benutzt worden sein könnten. (mit ote)

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