Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Feministische Außenpolitik“

„Feministische Außenpolitik“ ist Schwedens Exportschlager

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
    schließen

Rechte, Ressourcen, Repräsentanz: An der „feministischen Außenpolitik“, in Schweden begründet, orientieren sich weltweit immer mehr Staaten.

Natürlich führen Schwedinnen die Weltrangliste für Frauen in der Diplomatie an. Sieben Jahre nach der Stockholmer Weltpremiere für die „feministische Außenpolitik“ bringen 50 Botschafterinnen an 104 Vertretungen eine Quote von 48,1 Prozent, wie aus dem „Women in Diplomacy Index 2021“ der Anwar Gargash Diplomatic Academy hervorgeht. Deutschland belegt mit 17,2 Prozent (28 Frauen und 135 Männer) den 24. Platz knapp vor Nigeria, aber weit vor den Schlusslichtern Saudi-Arabien (mit einem Frauenanteil von 2,1 Prozent) und Russland mit einer einzigen Botschafterin und 149 Botschaftern.

Beim Start der feministischen Außenpolitik 2014 definierte die sozialdemokratische Erfinderin Margot Wallström drei umfassende Ziele, die alle mit einem R beginnen: gleiche Rechte für Frauen, gleiche Repräsentation und gleicher Anspruch auf Ressourcen. Neben dem Abbau der weltweit nach wie vor „chronischen Unterbesetzung mit Frauen in einflussreichen Positionen“ verlangte Wallström als Grundlage für die Außenpolitik, dass bei der Verteilung von Entwicklungshilfe und anderen Ressourcen „immer die Genderperspektive angewendet“ wird. Und: „Menschenrechte sind auch Frauenrechte. Dass so eine simple Feststellung immer noch viele Kontroversen auslöst, zeigt glasklar die Notwendigkeit einer feministischen Außenpolitik.“

„Feministische Außenpolitik“ will Frauen an den Verhandlungstisch bringen

Eingebettet war das Konzept in die gleichzeitige Ausrufung der weltweit ersten „feministischen Regierung“ durch den Sozialdemokraten Stefan Löfven. Für den Ex-Gewerkschaftschef war wie für alle männlichen Mainstream-Politiker Schwedens schon lange klar, dass man sich ohne Wenn und Aber als Feminist einstuft. Gender-Wissenschaft hat an den Universitäten im größten Land Skandinaviens starke Bastionen erobert, und nirgendwo in der westlichen Welt hat die #MeToo-Bewegung in den vergangenen Jahren so massiv in allen Berufsbereichen durchgeschlagen wie in Schweden.

In diesem Umfeld konnte Wallström, frisch zurückgekehrt aus dem Amt der Sonderbeauftragten gegen sexuelle Gewalt in Kriegen und Konflikten der Vereinten Nationen, eigene Erfahrungen hinter ihrem Konzept vermitteln, ohne verhöhnt oder ausgelacht zu werden. Sie hatte miterlebt, wie Frauen zusammen mit ihren Kindern am schlimmsten von Kriegen und akuten Krisen aller Art betroffen sind, die so gut wie immer von männlichen Machthabern ausgelöst werden. Wallström brachte noch eine andere Erfahrung mit nach Stockholm: Sie hatte Frauen als viel erfolgreicher bei der Lösung von Konflikten erlebt. Nur dass sie viel zu selten zum Einsatz kamen.

Also ließ sie ein Mediationsnetzwerk mit neun Schwedinnen als Konfliktlöserinnen bilden. In einer dieses Jahr veröffentlichten Bilanz des Außenministeriums nach sieben Jahren wird als Erfolg des Netzwerk angeführt: „Die Mitglieder wurden häufig zu Treffen über Dialog, Vermittlung, Frauenfragen, Frieden und Sicherheitsfragen eingeladen, unter anderem in Afghanistan, Mali und Sudan.“ Das war wohl vor dem Sieg der Taliban in Afghanistan formuliert worden.

„Feministische Außenpolitik“ in der Praxis: Kritik aus dem eigenen Land

Wallströms 2019 angetretene Nachfolgerin Ann Linde geht zurückhaltender mit dem Begriff feministische Außenpolitik um. Bedeckt hält sie sich bei Kritik an schwedischen Rüstungsexporten für Staaten, die unter Führung Saudi-Arabiens im Jemen Krieg führen, mit fürchterlichen Folgen vor allem für Millionen Frauen und Kinder. Auch ändert die feministische Außenpolitik nichts am immer schärferen Kurs der sozialdemokratischen Regierung in der Flüchtlingspolitik – jetzt unter weiblicher Führung und mit mehr Ministerinnen als Ministern.

Schwedens immer engere militärische Kooperation mit der Nato, derzeit beschleunigt durch die Konfliktlage mit dem Ostsee-Nachbarn Russland, finden kritische Stimmen wie die „Feministische Initiative“ auch nicht unbedingt vereinbar mit den drei R-Prinzipien. Hierzu heißt es im Handlungsplan des Stockholmer Außenministeriums für die feministische Außenpolitik 2019-2022: „Als Partnerland soll Schweden auch zur Verwirklichung des Nato-Plans für Frauen, Frieden und Sicherheit beitragen.“ Ganz oben in der Erfolgsbilanz verbucht das Ministerium, dass vor der Berliner Ampel-Koalition schon die Regierungen in Kanada, Luxemburg, Frankreich, Mexiko, Spanien und sogar Libyen die schwedische Erfindung übernommen haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare