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Feminismus und Kirche

Glauben, kämpfen, bleiben: Daniela Ordowski will die katholische Kirche reformieren

Kann man Feministin sein und sich in der katholischen Kirche engagieren? Daniela Ordowski setzt sich für beides ein und will ihren Glauben zukunftsfähig machen.

  • Kritik an der katholischen Kirche spitzt sich in den letzten Jahren zu, Austritte häufen sich
  • Protestbewegung Maria 2.0*: Frauen wollen in der Kirche mitbestimmen und ihre Strukturen reformieren
  • Missbrauchsfälle aufklären und Gleichberechtigung fordern Angehörige des Synodalen Wegs

Nicht nur durch Missbrauchsskandale, sondern auch die systematische Unterdrückung der Frau steht die katholische Kirche seit Jahren in der Kritik. Dabei wollen Frauen längst Verantwortung übernehmen und mitbestimmen. Aber geht das überhaupt? Feministin sein und sich in der katholischen Kirche engagieren? Unbedingt, findet Daniela Ordowski, die Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung. Sie will die Strukturen der katholischen Kirche umkrempeln.

Katholische Kirche reformieren statt austreten

Ich bin katholisch. Ich bin Feministin. Ich bin kritisch. Nicht selten muss ich mich dafür rechtfertigen. Und nicht selten führe ich diesbezüglich auch ein Streitgespräch mit mir selbst. Frage mich: Wäre es nicht leichter, einfach zu gehen – und die Kirche Kirche sein zu lassen?

In Köln verlassen Tausende die Institution Kirche. So viele, dass die Termine beim Amtsgericht nicht ausreichen, um all den Menschen gerecht zu werden, die ein klares Votum setzen wollen. Sie haben genug von dieser Kirche – und der letzte Ausweg ist der Austritt. Ich glaube, viele Menschen verlassen die Kirche, um ihren Glauben zu retten. Und ich kann sie verstehen. Die fehlende Transparenz und die Unfähigkeit, ernsthaft Aufarbeitung zu betreiben, entfernt die Menschen immer weiter von der Institution. Sie sind nicht mehr gewillt, stillschweigend hinzunehmen, wie Machtmissbrauch und Diskriminierung fortgeführt werden – und für viele ist die letzte Konsequenz: diese Kirche zu verlassen.

Papst Franziskus: Einsatz zur Verbesserung geht aus dem Christen hervor

Ich habe mich entschieden zu bleiben und mich für Veränderungen stark zu machen. Dies sollte aber keinesfalls als meine Bestätigung des Systems verstanden werden. Solange ich kämpfe, kann ich bleiben.

Daniela Ordowski, 27, ist Politologin und Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB e.V.).

Papst Franziskus spricht davon, dass politisches Engagement, also der Einsatz zur Verbesserung der Welt, aus dem Christlichen selbst hervorgeht. Auch in den katholischen Jugendverbänden sind wir politisch aktiv aus unserem Glauben heraus. Dies werden wir weiterhin in der Gesellschaft und in der Kirche tun. Wir zählen darauf, dies gemeinsam mit den Bischöfen und dem Papst zu tun, um weltweit eine starke und glaubwürdige Stimme für Freiheit und Menschenrechte sein zu können. Denn die Menschenrechte dürfen nicht an den Kirchenmauern abprallen.

Missbrauch von Minderjährigen in der Katholischen Kirche verhindern

Ich bin Mitglied des Synodalen Weges, einem Reformprozess der katholischen Kirche, der aufgrund der Ergebnisse der MHG-Studie entstanden ist. Diese Studie hat sich mit dem sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Kleriker beschäftigt und wurde 2018 anlässlich der Vollversammlung der Bischöfe in Fulda veröffentlicht. Der Synodale Weg hat also klar den Auftrag: Strukturen zu reformieren, die Missbrauch begünstigen.

Die Synodalversammlung besteht aus 230 Menschen, Bischöfen und Lai:innen. Und gemeinsam wollen wir einen Weg auf Augenhöhe gehen. Am Ende liegt es allerdings an den Bischöfen, ob sie die Ergebnisse des Synodalen Weges anerkennen und sich in Rom für eine Umsetzung stark machen. Wir brauchen deshalb eine breite Öffentlichkeit, die laut und entschieden die Umsetzung der Ergebnisse einfordert.

Kirche muss zukunftsfähig werden, sich gegen Diskriminierung positionieren

Für mich ist bisher ganz deutlich geworden, dass die Mehrheit dieser Versammlung den Mut hat, diese Kirche zukunftsfähig zu gestalten. Ich habe bisher aber auch viel Angst gesehen. Angst davor, dass sich Dinge ändern könnten. Angst davor, dass wir dadurch Menschen auf dem Weg verlieren, die so sehr an den Strukturen der Kirche hängen. Die katholische Kirche muss jetzt beweisen, dass sie ein Verantwortungsbewusstsein besitzt, und zwar gegenüber den Betroffenen von Missbrauch und Diskriminierung – und nicht gegenüber jenen, welche die Kirche als exklusiven Männerbund erhalten wollen, der jegliche Reformen ablehnt.

Ich bin Bundesvorsitzende der katholischen Landjugendbewegung (KLJB), einem Jugendverband der sich mit rund 70 000 jungen Menschen aus dem ländlichen Raum für eine gerechtere Welt einsetzt. Bei unseren Kernthemen Ökologie, Pastoral auf dem Land, internationale Entwicklung und ländliche Entwicklung ist es uns als Jugendverband ein großes Anliegen, hierbei aus unserem Glauben heraus zu handeln. Für mich ist es selbstverständlich, dass Kirche sein vor allem auch politisches Handeln bedeutet.

Frauen haben in der Kirche ebenso einen Platz wie andere Geschlechter

Wir wählen als Jugendverbände unsere Vorstände demokratisch und auf Zeit. Unsere Verantwortlichen sind rechenschaftspflichtig, da wir fest davon überzeugt sind, dass Macht nur in Verbindung mit Verantwortungsbewusstsein eine positive Form der Leitung ist. Und natürlich sind unsere Ämter für alle Geschlechter geöffnet. In meiner Jugendverbandsarbeit hatte ich immer auch weibliche Vorbilder, die mir deutlich gezeigt haben, dass ein „ich will Verantwortung übernehmen“ nicht an das Geschlecht geknüpft ist. Dass ich als Frau ganz selbstverständlich Teil an der Sendung der Kirche habe.

Zart wie eine Blüte: Das weibliche Geschlecht hat in der katholischen Kirche bisweilen nicht viel zu sagen. Seit einigen Jahren erheben Frauen jedoch ihre Stimme, wollen mitbestimmen und Kirche gestalten.

In der Jugendverbandsarbeit kann ich erleben, was es bedeutet, den Glauben zu leben und noch weiter darüber hinaus, was es bedeutet, Christin zu sein. Und vor allem habe ich hier auch erfahren, wie schwierig es in der Kirche sein kann, wie unterschiedlich wir manchmal sind und wie unmöglich es oftmals erscheint, zusammenzuarbeiten. Doch insgesamt wurde mir auch durch all diese Konflikte gezeigt, wofür ich mich stark machen möchte und wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Frauen werden in der katholischen Kirche diskriminiert

Manchmal bereitet mir unsere Kirche großes Kopfzerbrechen, die Diskriminierung, die viele Menschen, auch wir als Frauen in der Institution Kirche erfahren müssen, ist oftmals kaum auszuhalten. Dieses Kritikpotenzial als schädliches Element in der Kirche zu betrachten, bedeutet, die Kirche von der Welt zu trennen. Kritik zuzulassen und Raum für Zweifel zu geben, ist theologisch erforderlich. Es ist keine Schwäche, sondern ein Schutz der Schwachen; kein Mangel an Glauben, sondern eine Einladung zum Wachstum. Wir müssen als Kirche zulassen, an dieser Kritik zu wachsen.

Katholisch und feministisch sollte in der Kirche kein Widerspruch sein

Katholisch und Feministin. Mittlerweile trage ich das weibliche Gendersymbol als Tattoo auf meinem Mittelfinger. Es soll mich immer wieder daran erinnern, wofür ich in dieser Kirche kämpfe. Es soll mich aber auch daran erinnern, dass mir niemand sagen kann, ich sei nicht katholisch aufgrund meiner Kritik, die ich an der Kirche übe.

Ich lasse mir meinen Glauben nicht absprechen. Und schon gar nicht werde ich aufhören, gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen. (Von Daniela Ordowski)

Die Frage, warum man heute noch Mitglied in der katholischen Kirche sein soll, stellt sich auch Autor und Theatermacher Michael Herl. In seiner Kolumne zu den Missbrauchsvorwürfen in der Kirche widmet er sich dem Thema Austritt. Dass in der Kirche viel passieren muss, findet auch die FR-Redakteurin Bascha Mika. In ihrem Kommentar zum Missbrauch und den Frauenrechten in der Kirche schreibt sie: Wenn die Kirche sich nicht ändert, wird sie bedeutungslos. *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA.

Rubriklistenbild: © Xuanyu Han/Getty

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