Antisemitismusbeauftragter

Felix Klein soll es werden

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Felix Klein soll wohl erster Beauftragter für Antisemitismus werden. Damit steht dem gebürtigen Darmstädter ein doppelter Rollenwechsel bevor.

Mitte Februar gab Felix Klein der „Jüdischen Allgemeinen“ ein Interview. Seine Ausführungen klangen so, als habe er das Amt bereits inne. Klein sprach darüber, was unter Antisemitismus zu verstehen und was dagegen zu unternehmen sei. Die „Welt am Sonntag“ meldet nun unter Berufung auf Regierungskreise, dass der Diplomat der erste Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung werden und den im Innenministerium angesiedelten Posten bald übernehmen solle. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür noch nicht.

Klein wurde 1968 in Darmstadt geboren und ist derzeit als Sonderbeauftragter des Auswärtigen Amts für die Beziehungen zu jüdischen Organisationen tätig. Leute, die ihn kennen, sagen, der Mann sei eher still. Insofern stehe ihm ein doppelter Rollenwechsel bevor. Klein müsse auch mal laut werden. Und im Zweifel der Bundesregierung auf die Füße treten.

Der Grüne Volker Beck, Träger des Leo-Baeck-Preises des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte der FR: „Ich wünsche ihm die volle Unterstützung der Bundesregierung, auch wenn er sich notwendigerweise mal die Freiheit nehmen muss, Probleme in der Bundesregierung anzusprechen – wie aktuell im Fall Kuwait Airways, in dem Beamte des Auswärtigen Amts die Diskriminierung von Israelis kleinreden.“ Die Fluglinie hatte sich geweigert, einen israelischen Staatsbürger zu befördern. 

Sicher ist, dass Klein vom Zentralrat der Juden und anderen jüdischen Organisationen für das Amt vorgeschlagen wurde. Im Interview mit der „Jüdischen Allgemeinen“ sagt er: „Es macht mir große Freude, zu verschiedenen privaten, offiziellen und religiösen jüdischen Feiern zu gehen und Kulturveranstaltungen zu besuchen“ und: „Ich versuche aktiv, mich auf musikalischem Gebiet der jüdischen Kultur zu nähern“. So spielt Klein Geige in einem Streichquartett, das Werke vergessener oder im Holocaust ermordeter jüdischer Komponisten aufführt. Überdies wird der Beamte in der Sache deutlich. „Nach meiner Wahrnehmung ist die drängendste Sorge die fortschreitende Verbreitung antisemitischer Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft und im politischen Diskurs.“ Die Angst von Juden in überwiegend muslimisch bewohnten Stadtteilen sei „leider berechtigt“ und es bestünden unter ihnen nachvollziehbare Zweifel, wenn 90 Prozent der antisemitischen Straftaten der rechtsextremistischen Szene zugeordnet würden.

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