Vorschlag von Auschwitz-Überlebender

Parteien ungewöhnlich einig - neuer Feiertag in Deutschland? 

Deutschland könnte einen neuen bundesweiten Feiertag bekommen - so man ihn denn so nennen will. Ein Vorstoß der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano stößt jedenfalls auf viel Zustimmung.

  • Am 27. Januar hat Deutschland den Holocaust-Gedenktag begangen.
  • Eine Auschwitz-Überlebende spricht sich nun für einen neuen bundesweiten Feiertag aus.
  • Im Bundestag stößt der Vorstoß auf breite Zustimmung.

Berlin - Der Vorschlag der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, den 8. Mai zu einem bundesweit gesetzlichen Feiertag zu erklären, stößt im Bundestag auf breite Unterstützung. "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung, der das demokratische Deutschland erst möglich machte", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Dienstag. Ähnlich äußerte sich die Linken-Spitze sowie Vertreter von SPD und FDP.

Neuer bundesweiter Feiertag? „8. Mai mahnt uns, Verbrechen nicht zu relativieren“

"Der 8. Mai als Feiertag mahnt uns, die deutschen Verbrechen nicht zu relativieren - und wäre ein bleibender 'Pflock' in der deutschen Erinnerungskultur", sagte Göring-Eckardt. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte den RND-Zeitungen: "Die Befreiung vom Hitler-Faschismus und das Ende des Zweiten Weltkrieges - die bedingungslose Kapitulation - bilden die Grundlage des demokratischen Deutschlands."

Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano hat einen neuen Feiertag vorgeschlagen.

Die Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping plädierte ebenfalls für einen dauerhaft arbeitsfreien 8. Mai in Deutschland: "Ob der Tag zum ausgelassenen Feiern, zum stillen Gedenken oder zum Besuch einer Gedenkstätte genutzt wird, hängt dann von jedes einzelnen Familiengeschichte und der jeweiligen persönlichen Verbindungen zu diesem Tag ab", sagte sie den RND-Zeitungen.

Holocaust-Gedenken: Auch FDP und SPD für neuen bundesweiten Feiertag

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte, der 8. Mai sei ein "zentraler Tag in der europäischen Geschichte" und solle daher "am besten europaweit" als Feiertag begangen werden. In einigen Ländern, wie Frankreich und Tschechien, ist dies bereits der Fall.

Für die SPD machte sich die Berliner Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe für den 8. Mai als Feiertag stark: "Es ist unsere Verpflichtung gegenüber allen Ermordeten und Überlebenden, dafür zu sorgen, dass Antisemitismus in unserem Land niemals mehr geduldet und akzeptiert wird", sagte sie den RND-Zeitungen.

Offener Brief an Merkel und Steinmeier: Jahrestag der Befreiung als neuer Feiertag gefordert

In einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich Bejarano dafür ausgesprochen, den 8. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären. Im Land Berlin ist der 8. Mai in diesem Jahr anlässlich des 75. Jahrestages der Kapitulation der Wehrmacht einmalig gesetzlicher Feiertag.

Am Montag war auch in Deutschland der Auschwitz-Gedenktag begangen worden - allerdings nicht ganz ohne Misstöne. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble forderte die Deutschen unterdessen auf, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stärker entgegenzutreten.

Einzelne Bundesländer hatten zuletzt immer wieder besondere Gedenktage mit Feiertagen gewürdigt - so etwa Berlin 2019 den Internationalen Frauentag und Thüringen den Weltkindertag.

AFP/fn

Rubriklistenbild: © dpa / Michael Kappeler

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