Corona-Virus in Australien

Feiernde Backpacker

  • schließen

In Sydney wird eine Backpacker-Party für viele Infektionen mit dem Corona-Virus verantwortlich gemacht.

Am jenem Abend, an dem der australische Premierminister Scott Morrison seine Bürger bat, „Social Distancing“ zu starten, feierten Backpacker in Sydneys bei Rucksackreisenden beliebtem Stadtteil Bondi eine Party. Das war Mitte März, als Australien noch in den Anfängen der Corona-Krise steckte – Schulen waren noch geöffnet, die meisten gingen noch zur Arbeit. Fotos auf sozialen Medien zeigen, wie die jungen Urlauber in der Bar „Bucket List“ feierten – tanzten, sich umarmten und küssten.

Jene Party sollte sich später als einer der „Hotspots“ für die Übertragung des Virus herausstellen. Laut Medien infizierten sich mehr als 30 Menschen dort und bei einer weiteren Party. Eine 27-jährige Französin bestätigte dem „Sun-Herald“, dass sie nach dem Event an Covid-19 erkrankt sei. Sie habe zwar Bedenken gehabt, zur Party zu gehen, doch in Australien habe sie sich eigentlich „sicher“ gefühlt.

Wenige Tage danach gingen Bilder des Bondi Beach um die Welt, die zeigten, wie eng Sonnenanbeter dort am Strand zusammenlagen und den empfohlenen Abstand ignorierten. Der Strand musste daraufhin von den Behörden geschlossen werden. Premierminister Morrison nannte den Vorfall einen „Weckruf“ für Australien und kritisierte die „Ignoranz“ der Besucher.

Doch viele Backpacker scheinen sich nicht an die Schließung zu halten. Ein Stadtrat postete daher eine wütende Schimpftirade auf Facebook. „Warnung: Urlauber sind nicht willkommen“, schrieb Simon Illingworth. „Fahrt heim oder bleibt, wo ihr seid – jeder Ort, jede Stadt, jeder Strand, jeder Toilettenblock, den ihr besucht: Ihr verbreitet den Tod.“ Australien zählte am Montag laut der Johns-Hopkins-Universität mehr als 4200 Infektionen und 17 Todesopfer.

Auch im benachbarten Neuseeland wächst der Ärger. Dort wurden, obwohl das Land erst einige Hunderte Erkrankte aufweist, frühzeitige Maßnahmen ergriffen und eine vierwöchige Ausgangssperre verhängt. Während sich viele Neuseeländer daran zu halten scheinen, berichtete die Tageszeitung „NZ Herald“ von einer Backpacker-Party in Queenstown, bei welcher 60 junge Leute am Wochenende in einem Park gefeiert haben sollen.

Auf einem Backpacker-Forum auf Facebook beschrieb ein deutscher Rucksackreisender das Dilemma, in dem viele stecken: „Viele von uns müssen sich den aktuellen Umständen wegen Corona anpassen, manchen gelingt das und manchen gelingt das weniger gut“, schrieb er. Er frage sich, wie viele die Zeit im Ausland abbrechen und zurück nach Deutschland fahren würden. Er selbst sei auf drei Listen für einen Rückflug, habe aber bisher keine Details erhalten. Momentan halte er sich in einem Hostel in Sydney auf und komme gut zurecht, Ende April würde das Geld dann aber spätestens knapp werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion