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Nicola Beer soll versucht haben, FDP-Abgeordnete auf einen ungarnfreundlichen Kurs zu bringen.

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Nicola Beer grenzt sich von Viktor Orbán ab

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Die FDP-Generalsekretärin soll Spitzenkandidatin für den Europawahlkampf werden, obwohl sie in der Partei umstritten ist.

Schließen Sie doch einen Moment mit mir zusammen die Augen“, sagt die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer – und tut eben das, was sie vom Publikum verlangt. „Und stellen Sie sich das Europa vor, das Sie sich wünschen“, fügt sie hinzu.

Das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP Anfang Januar in Stuttgart sollte ein großer Auftritt für Beer sein. Parteichef Christian Lindner hatte die designierte Spitzenkandidatin für die Europawahl eigens aufgefordert, sich auf der Bühne ordentlich Zeit für ihre Rede zu nehmen. Beer verlor sich aber immer wieder in sperrigen Formeln wie jener, es gehe um „ein Europa, das Einigung und Einheit sucht – aber nicht als Vereinheitlichung, sondern in Vielfalt“. Das gab zwar den eingeplanten Applaus der Parteifreunde. Aber so richtig zündete erst die Rede von Lindner selbst.

Beer ist nicht zum ersten Mal Lindners Wahl, wenn es um eine wichtige Aufgabe für die FDP geht. Die 49-Jährige, die an diesem Sonntag auf dem Parteitag in Berlin auf Listenplatz eins gewählt werden soll, war für ihn eine wichtige Wegbegleiterin nach dem Scheitern der FDP an der Fünfprozenthürde bei der Bundestagswahl 2013. Lindner wurde damals Parteichef, Beer seine Generalsekretärin.

Eine ihrer Forderungen im Europawahlkampf ist, dass alle Schüler mindestens für ein halbes Jahr in einem anderen EU-Land zur Schule gehen können. Dabei soll es nicht nur um die Schüler am Gymnasium gehen, die ohnehin schon oft ins Ausland gehen, sondern auch und gerade um Haupt-, Real- und Berufsschüler.

Das klingt nach der idealen Europäerin. Doch fehlt es Beer womöglich an Abstand zum ungarischen Regierungschef Viktor Orbán, der sich wenig um die Meinungsfreiheit im eigenen Land schert? Beer, so hat es der „Spiegel“ berichtet, habe beispielsweise versucht, FDP-Europaabgeordnete auf einen ungarnfreundlichen Kurs zu bringen. Sie dementiert das ausdrücklich.

Beers Ehemann trägt einen ungarischen Verdienstorden, persönlich überreicht durch Orbán. Ihn sehen viele in der Partei kritisch – man könne Beer ja aber auch nicht in Sippenhaft nehmen. Beer kündigte am Freitag an, sie werde auf dem Parteitag eindeutige Worte zu Orbáns „illiberaler Demokratie“ finden, betonte aber, eine solche Redepassage sei ohnehin schon eingeplant gewesen.

Dass Beer die klare Äußerung beherrscht, hat sie etwa in der Diskussion über die Förderung von Frauen in der FDP bewiesen. „In den Jahren, in denen ich angefangen habe, da wurden die Listenplätze noch an der Theke ausgesoffen“, warf Beer bei einer Veranstaltung im Hans-Dietrich-Genscher-Haus ins Publikum. Für eine Frauenquote in der Partei will sie sich aber dennoch nicht starkmachen. Die passe nicht zur DNA der FDP.

Auch in puncto Klimawandel positioniert sich Beer eindeutig. Warnungen vor den Folgen der Erderwärmung hält sie teils für überzogen. „Natürlich haben wir eine Häufung von Extremwetterereignissen“, sagte Beer am Freitag in Berlin. Allerdings werde „auch damit Panikmache betrieben“. Auf Nachfrage erklärte sie: „Das sind politische Kräfte oder auch die ein oder andere NGO, die das macht.“ mit dpa

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