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FDP-Generalsekretärin Nicola Beer.

FDP und die Frauen

FDP-Frauen sehen Quote skeptisch

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Die FDP sucht nach Wegen zu mehr Vielfalt und will für Frauen und Jüngere attraktiver werden.

„In den Jahren, in denen ich angefangen habe, da wurden die Listenplätze noch an der Theke ausgesoffen“, sagt die FDP-Generalsekretärin und Europa-Spitzenkandidatin Nicola Beer – um sogleich hinzuzufügen, sie selbst habe an diesem seltsamen Ritual von Männern in der Partei nie teilgenommen. Sie erzählt die Geschichte bei einer Diskussionsveranstaltung im Hans-Dietrich-Genscher-Haus in Berlin, um zu illustrieren: Seht her, es hat sich schon manches in der Partei geändert! Ihre Botschaft ist aber auch: Es muss sich noch einiges tun in der FDP.

Die FDP hat ein Problem mit Frauen – oder vielleicht ist es treffender zu formulieren: Viele Frauen haben ein Problem mit der FDP. Nicht einmal 23 Prozent der Mitglieder sind Frauen – weniger als in der CDU, der SPD, bei Linken und Grünen. Vor allem: In der FDP ist anders als bei den Mitbewerbern der Frauenanteil über die Jahre gesunken. In der FDP-Bundestagsfraktion gibt es 19 Frauen und 61 Männer. Das bildet den niedrigen Anteil von Frauen in der Mitgliedschaft ab. Bei den Kreisvorsitzenden fällt der Frauenanteil noch weit geringer aus.

Deshalb hat das Präsidium der FDP eine Arbeitsgruppe mit dem Namen „Chancen durch Vielfalt“ eingesetzt. Sie soll prüfen, wie die Partei attraktiver für Frauen werden könnte. Dabei geht es auch um Ideen, die die Parteiarbeit für die jüngere Generation interessanter machen könnten: Es soll für Mütter und Väter mehr Möglichkeiten geben, sich familienfreundlich jenseits von Abend- und Wochenendterminen zu engagieren – nicht zuletzt, indem die Partei die Chancen der Digitalisierung nutzt.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe – zum großen Teil, aber nicht nur Frauen – diskutieren auch darüber, wie mehr Frauen in der Partei in Führungspositionen kommen können. Eine der favorisierten Ideen sind Mentoring-Programme, um Frauen zu unterstützen. Das schärfste mögliche Mittel ist die Quote, die einen Frauenanteil verbindlich machen könnte.

Die Grünen arbeiten mit dem Reißverschlusssystem, bei dem der erste Listenplatz jeweils an eine Frau geht. Dann geht es abwechselnd zwischen den Geschlechtern weiter. Das Ergebnis: mindestens 50 Prozent Frauenanteil. Doch die Skepsis in der FDP gegenüber einer Quote ist groß, auch bei vielen Frauen. So wirbt die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Nicole Bauer, bei der Diskussion im Hans-Dietrich-Genscher-Haus für das Modell einer Zielvereinbarung: Dabei würden sich Parteigliederungen in Absprache mit dem Bundesvorstand Ziele setzen, wie sich der Frauenanteil in Führungspositionen und auf Listen verändern soll. Statt einer einheitlichen Lösung könnten sich so Verbände, bei denen es mit dem Frauenanteil schon besser aussieht, ehrgeizigere Ziele setzen, argumentiert Bauer.

Auch Nicola Beer unterstützt einen solchen Vorschlag. „Die Quote ist nicht das, was die Partei attraktiv macht“, sagt Beer. Am besten sei eine Lösung, die zur DNA der FDP passe. Aber fehlt einer Zielvereinbarung nicht am Ende die Verbindlichkeit? Bauer gibt zu: „Wir wissen noch nicht ganz genau, wie Verstöße geahndet werden können.“ Aus dem Publikum wird vorgeschlagen, finanzielle Mittel für die Untergliederungen an eine erfolgreiche Frauenförderung zu knüpfen. „Das Geld tut den Männern am meisten weh“, sagt eine Frau im Hans-Dietrich-Genscher-Haus.

Nicola Beer fordert aber auch Frauen in der Partei zu mehr Selbstbewusstsein auf: „Wenn eine Tür zu einem Amt offen steht, marschiert der Mann durch – und eine Frau klopft oft noch mal zaghaft an.“ Das müsse wirklich nicht sein.

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