+
Brett Kavanaugh bei seiner Aussage vor der Justizkommission. Nun hat das FBI eine Woche Zeit, seinen Fall zu untersuchen.

Brett Kavanaugh

FBI-Untersuchung im Turbotempo

  • schließen

US-Präsident Donald Trump gibt den FBI-Ermittlern im Fall Kavanaugh eine Woche Zeit für ihre Arbeit.

Die Zeit ist extrem knapp und die Zahl der geplanten Vernehmungen stark beschränkt. Mit einer FBI-Untersuchung im Turbotempo wollen die Republikaner im US-Senat die hauchdünne Mehrheit für den wegen Nötigungsvorwürfen umstrittenen Richterkandidaten Brett Kavanaugh sichern. Präsident Donald Trump hat den Ermittlern eine Frist bis Freitag gesetzt, um die mehr als 30 Jahre zurückliegenden mutmaßlichen Vorfälle aufzuklären. 

Die jüngste Wende in dem Drama um die von einem Kulturkampf begleitete Berufung Kavanaughs war am Freitag ausgelöst worden. 

Donald Trump spricht von  „Glück im Unglück“

Nach einer achtstündigen Anhörung von Kavanaugh und der ersten Anklägerin Christine Blasey Ford, in deren Verlauf der Jurist wütende Tiraden gegen die oppositionellen Demokraten ausstieß, sollte der Justizausschuss des Senats den Weg frei machen für die endgültige Bestätigung des erzkonservativen Richters am Obersten US-Gericht. Die Mehrheit der Republikaner schien gesichert, als plötzlich Senator Jeff Flake entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung erklärte, er werde zwar zustimmen, verlange aber eine FBI-Untersuchung. Nach tumultartigen Szenen willigten seine Parteifreunde ein. 

Präsident Trump, der die schweren Vorhaltungen am Donnerstag noch als „Beschiss“ bezeichnet hatte, enthielt sich zunächst weiterer Angriffe gegen die Frauen und sprach im Gegenteil von „Glück im Unglück“. Auf diese Weise könnten letzte Zweifel ausgeräumt werden, sagte er. Später griff Trump bei einer Wahlkundgebung die Demokraten scharf an, weil sie Kavanaugh ablehnen: „Sie versuchen zu blockieren und zu zerstören.“ 

Auch hat das Weiße Haus die Befugnisse der Ermittler extrem eingegrenzt. Man werde gezielt die bekannten Anschuldigungen von zwei Frauen untersuchen, mehr nicht, sagte ein Regierungsvertreter dem „Wall Street Journal“: „Die gehen nicht auf einen Angelausflug.“ Laut der „New York Times“ sollen nur vier Zeugen gehört werden. 

Im Zentrum der Untersuchungen stehen die Vorwürfe von Ford und Deborah Ramirez. Ford hat ausgesagt, dass Kavanaugh sie 1982 als 17-Jähriger auf einer Schülerparty im angetrunkenen Zustand zu vergewaltigen versucht hat. Ramirez beschuldigt ihn, sich ein Jahr später bei einer Party an der Eliteuniversität Yale vor ihr entblößt und seinen Penis in ihr Gesicht gedrückt zu haben. Kavanaugh streitet beide Vorfälle entschieden ab. Allerdings musste der stockkonservative Katholik, der sich bislang als integrer Biedermann inszenierte, bei der Anhörung zugeben, dass er in dieser Zeit bisweilen „zu viel Bier getrunken“ habe. 

Insofern dürfte sein Schulfreund Mark Judge der interessanteste Zeuge sein. Er war laut Ford bei der versuchten Vergewaltigung anwesend, wurde später zum Alkoholiker und schrieb aus therapeutischen Gründen 1997 ein Buch, in dem von den exzessiven Saufgewohnheiten seiner Clique und eines angeblich fiktiven Bart O’Kavanaugh die Rede ist. 

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe von Ford war Judge zunächst untergetaucht, wurde jedoch von Reportern der „Washington Post“ aufgespürt. Inzwischen ist er zur Zusammenarbeit mit dem FBI bereit, erklärt jedoch bislang, er habe keine Erinnerung an den Vorfall.

Eine dritte Frau namens Julie Swetnick, die Kavanaugh mehrfach als Teilnehmer von wilden Orgien mit Massenvergewaltigungen gesehen haben will, soll nach Vorgabe des Weißen Hauses nicht vom FBI angehört werden. Ihr Anwalt Michael Avenatti, der auch den Pornostar Stormy Daniels vertritt, warnte vor einer selektiven Untersuchung. Doch gibt es auch in US-Medien Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion