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„Wir kämpfen um jeden Wähler“, sagt CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer.

CDU

Um Fassung bemüht

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Die Christdemokraten gibt sich nach den Verlusten demütig und bereit, aus Fehlern zu lernen.

Der Tag nach den Landtagswahlen beginnt für die CDU-Chefin früh und das hat Vor-, aber auch Nachteile. Früh gibt Annegret Kramp-Karrenbauer dem ARD-Morgenmagazin ein Interview. Da lassen sich gut erste Botschaften setzen – oder auch früh Irritationen auslösen.

Kramp-Karrenbauers ist sichtbar müde, aber sie will die Linie vorgeben, will Chefin sein, nicht den Interpretationen anderer hinterherlaufen. Die CDU ist in Sachsen zwar stärkste Kraft geworden, hat aber deutliche Verluste hinnehmen müssen. In Brandenburg blieb ihr Platz drei. In beiden Bundesländern erreichte die AfD ein Viertel der Wählerstimmen. Der Tag nach den Wahlen ist traditionell ein Tag, auf dem die Bundespartei im Fokus steht und damit die Parteichefin.

Kramp-Karrenbauer spricht von einem schwierigen Ergebnis, vom Wahlsieg in Sachsen, dass man mit einem freundlichen Gesicht gegen die AfD punkten könne. Sie räumt ein, dass die CDU manche Hürden „nicht so elegant genommen“ hat.

Die Moderatorin stellt eine Doppelfrage: „Können Sie bei der Abgrenzung zur AfD bleiben?“, will sie wissen. Und ob Kramp-Karrenbauer damit ein Viertel der Wähler „einfach außen vor lassen“ könne. „Ja, wir können“, sagt Kramp-Karrenbauer. „Wir haben das festgelegt.“ In der Präsidiumssitzung fragt jemand nach, ob sie in dem Interview tatsächlich ein Viertel der Wähler aufgegeben habe. Kramp-Karrenbauer stellt klar, man habe sie nicht so verstehen müssen. Zur Sicherheit sagt sie im Anschluss auf der Pressekonferenz: „Wir kämpfen um jeden Wähler.“

Kramp-Karrenbauer räumt ein, dass die Aufholjagd der CDU im sächsischen Wahlkampf vor allem auf das Konto von Ministerpräsident Michael Kretschmer geht: „Das ist der Wahlsieg von Michael Kretschmer und von den Freundinnen und Freunden vor Ort. Punkt.“ Präsidiumsmitglied Jens Spahn ist der gleichen Meinung: „Die sächsische CDU hat einen hochmodernen und professionellen Wahlkampf geführt.“ Die CDU insgesamt könne von Kretschmer und seinem sächsischen Landesverband „viel lernen“.

Parteichefin Kramp-Karrenbauer spricht lieber davon, dass die CDU jetzt ihre Erneuerung vorantreiben werde. Klimaschutz, Digitalcharta und soziale Marktwirtschaft; das sind die Themen, mit denen sich die Partei in der nächsten Zeit beschäftigen wolle. „Wir ziehen durch, was wir vereinbart haben“, sagt Kramp-Karrenbauer. Und dass die CDU folgende Methode anwende: „Zuhören, verstehen, diskutieren, entscheiden.“ Aber was entscheiden? Ratlos zeigt sich da mancher CDU-Politiker, wenn die Kameras ausgeschaltet sind. „Wir sind ein gespaltenes Land“, seufzt ein Präsidiumsmitglied. Der Klimaschutz etwa, auf den sich die Partei so konzentriert hat in den vergangenen Wochen, sei wichtig, aber im Osten ein Reizwort.

Der Brandenburger Spitzenkandidat Ingo Senftleben verteidigt die Parteilinie: „Wir dürfen die Menschen nicht verunsichern, aber als Partei auch nicht hinter den wichtigen Themen der Gesellschaft zurückbleiben“, sagt er. Senftleben ist es auch, der sich zum Einsatz von Hans-Georg Maaßen äußert.

In den Wahlkreisen, in denen der Ex-Verfassungsschutzchef aufgetreten sei, seien die CDU-Ergebnisse nicht besser gewesen, sagt er. In Sachsen haben drei der vier CDU-Kandidaten, die Maaßen eingeladen hatten, ihren Direktwahlkreis an die AfD verloren. Kretschmer findet, er habe zu dem Thema alles gesagt. Und Kramp-Karrenbauer, die mit Äußerungen zu einem Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen Ärger bekommen hat, schweigt lieber. Sie empfiehlt stattdessen: „Die CDU muss mit ihren eigenen Positionen in die Offensive gehen.“ Die Positionierungen in Grundsatzfragen habe die CDU in den vergangenen Jahren vernachlässigt. „Das holen wir nach.“

Und dann, nachdem die Pressekonferenz schon eine Weile läuft, fällt Kretschmer noch etwas ein: „Ich bin der Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer sehr dankbar“, sagt er. Die habe sehr geholfen, im Wahlkampf und ihm persönlich sowieso. „Ich werde das immer wieder sagen.“ Aus kleinen müden Augen hat Kramp-Karrenbauer bis dahin vor sich hin geblickt. Dann glättet sich ihr Gesicht zu einem erlösten Lächeln.

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