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Der Staat will, dass chinesische Eltern wieder mehr als ein Kind bekommen.
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Der Staat will, dass chinesische Eltern wieder mehr als ein Kind bekommen.

China

Familienpolitik: Peking will weniger Abtreibungen

  • VonFabian Kretschmer
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In China fürchten die Menschen, dass der Staat sich nach der Aufhebung der Ein-Kind-Politik wieder vermehrt ins Private einmischt.

Es ist lediglich ein nüchtern formulierter Halbsatz in einem 50 000 Zeichen langen Dokument, der jedoch unter feministischen Kreisen für Aufregung gesorgt hat. In einer neuen Richtlinie des chinesischen Staatsrates heißt es, dass „medizinisch unnötige“ Abtreibungen innerhalb der nächsten Dekade reduziert werden sollten.

Was durchaus besorgniserregend klingt, hinterlässt vor allem viele Fragezeichen: Weder definiert der Staatsrat, was eine medizinisch notwendige Abtreibung ausmacht, noch wie stark diese reduziert werden sollen. Dennoch werten einige Chinesinnen die Ankündigung als Eingriff in ihre Entscheidungsgewalt über ihren Körper.

„Seit mehr als einem Jahrzehnt versucht Chinas Propagandaapparat, ‚hochwertige‘ Han-Chinesinnen in die traditionelle Rolle von Ehefrauen und zu Hause bleibenden Müttern zu drängen, um ‚hochwertige‘ Babys zum Wohle der Nation zu produzieren“, schreibt die Autorin Leta Hong Fincher, die mehrere Bücher über Chinas feministische Bewegungen geschrieben hat, auf Twitter.

Tatsächlich fasst die Kommunistische Partei ihre Bevölkerungsplanung deutlich ganzheitlicher auf, als es in vielen anderen Staaten der Fall ist. Ohne Problembewusstsein schreiben die Bürokratinnen und Bürokraten der KP in ihren Fünfjahresplänen davon, dass man die „Bevölkerungsqualität“ verbessern möchte. Dies bedeutet unter anderem auch, dass der Anteil an Han-Chinesinnen und -Chinesen in der muslimisch geprägten Region Xinjiang erhöht werden solle.

Chinas Staatsführung mischt sich seit Jahrzehnten in die zutiefst private Angelegenheit der Familienplanung seiner Bevölkerung ein. Ab 1980 verordnete Peking eine rigide Ein-Kind-Politik, bei der staatliche Institutionen – offiziell illegale – Zwangsabtreibungen durchführten und massives Leid in Millionen Familien brachten.

Die Maßnahmen wurden damit begründet, das rasante Bevölkerungswachstum zu drosseln. Nun steht die Volksrepublik vor dem gegensätzlichen Problem: Die Bevölkerung wird bald schrumpfen, rapide altern und damit auch den wirtschaftlichen Aufstieg bedrohen. Also hat die Staatsführung dieses Jahr eine Drei-Kind-Politik eingeführt.

Diese neue Freiheit wird jedoch nicht in Anspruch genommen, da die junge Generation in China aufgrund massiver Kosten für Wohnen und Bildung gar nicht mehr als ein Kind haben möchte. Zudem haben sich auch die Lebensentwürfe vieler Frauen diversifiziert.

Frauen als heimische Mütter

Doch Pekings Staatsführung steuert mit ihrem Propagandaapparat gegen den Zeitgeist. Während feministische und LGBTQ-freundliche Online-Gruppen zensiert werden, propagieren die Staatsmedien erneut das Bild der traditionellen Frau als heimische Mutter. Die jetzige Abtreibungsregelung taugen allerdings nicht zum Skandal, zumindest solange die konkrete Umsetzung noch nicht bekannt ist. Denn tatsächlich wird in den Richtlinien des Staatsrats auch explizit betont, dass jungen Frauen der Zugang zu Verhütungsmitteln vereinfacht, Sexualerziehung verbessert und geschlechtsspezifische Diskriminierung am Arbeitsplatz bekämpft werden soll.

Dennoch sollte Achtsamkeit geboten sein, wenn sich die Staatsführung nun wieder verstärkt in das Privatleben der Chinesinnen und Chinesen einmischt. In der Vergangenheit hat dies schließlich vor allem zu menschlichen Tragödien geführt.

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