US-Präsident Trumo wendet sich von der Weltgesundheitsorganisation ab.
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US-Präsident Trumo wendet sich von der Weltgesundheitsorganisation ab.

WHO

„Falsches Signal“

Berlin zeigt sich enttäuscht über den Rückzug der USA aus der WHO.

Mit scharfer Kritik hat die Bundesregierung auf die Entscheidung der USA reagiert, die Beziehungen zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Corona-Pandemie zu beenden. Das sei „das falsche Signal zur falschen Zeit“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Samstag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (online). „Die Corona-Pandemie ist die erste wirklich weltumspannende Krise unseres Jahrhunderts. Um diese Herausforderung zu bewältigen, brauchen wir weltweite Kooperation statt nationaler Alleingänge“, sagte Maas. Der SPD-Politiker kündigte intensive Gespräche in Washington an, um die US-Regierung von diesem Ansatz zu überzeugen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter, der Rückzug der USA sei ein „enttäuschender Rückschlag für die internationale Gesundheitspolitik“. Zugleich wies er auf Reformbedarf bei der WHO hin. „Damit die WHO eine Zukunft hat, braucht sie Reformen“, erklärte Spahn. Dies wolle er zu einer der Prioritäten während Deutschlands EU-Ratspräsidentschaft machen, die am 1. Juli beginnt.

Die EU forderte die Regierung in Washington am Samstag auf, die Entscheidung zu „überdenken“. Weltweite Kooperation und Solidarität seien gerade angesichts der Corona-Pandemie wichtig, erklärten in Brüssel EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. „Die WHO muss weiter in der Lage sein, die internationale Antwort auf Pandemien zu dirigieren – sowohl aktuell als auch in der Zukunft.“

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag (Ortszeit) erklärt, die WHO habe die von ihm angemahnten Reformen nicht eingeleitet. Er warf der WHO vor, zusammen mit China die Welt über den Corona-Ausbruch getäuscht zu haben. China habe die WHO unter Druck gesetzt. Die USA wollten nun die Gelder anderen Institutionen zur Verfügung stellen, betonte Trump. Die USA waren bislang der größte Beitragszahler unter den 194 WHO-Mitgliedsländern.

Die USA sind das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land. Kritiker werfen Trump vor, mit dem Konfrontationskurs gegen die WHO und China von eigenen Fehlern während des Corona-Ausbruchs ablenken zu wollen.

Von der WHO gab es zunächst keine Stellungnahme zu der US-Ankündigung. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, er habe die Welt rechtzeitig und eindringlich vor dem Corona-Erreger gewarnt.

Die USA bestreiten laut WHO 553 Millionen Dollar für den Haushalt 2020/2021 in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar. Rund 80 Prozent der Beiträge an die WHO sind freiwillig und in der Regel an Projekte gebunden.

Als Reaktion auf die angespannte Finanzlage will die WHO mit einer Mitte der Woche gegründeten Stiftung zusätzliche Geldquellen erschließen. Der frühere Direktor des Schweizer Bundesamts für Gesundheit, Thomas Zeltner, gründete die „Weltgesundheitsorganisation Stiftung“ und übernahm den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Die juristisch von der WHO unabhängige Stiftung soll Gelder bei Privatpersonen, Unternehmen, Institutionen und anderen „nicht traditionellen“ Gebern einsammeln, wie es hieß. (epd/afp)

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