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Karl-Georg Wellmann (r.) steht plötzlich im Rampenlicht.
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Karl-Georg Wellmann (r.) steht plötzlich im Rampenlicht.

Russland

Falsche Zeit, falscher Ort

  • Holger Schmale
    VonHolger Schmale
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Mit CDU-Politiker Wellmann hat ausgerechnet ein Vermittler Einreiseverbot nach Russland bekommen. Viele fragen sich: Weshalb hat es gerade ihn getroffen?

Es gibt Bundestagsabgeordnete, die zehn und mehr Jahre im Parlament sitzen und von denen außerhalb ihres Wahlkreises noch nie jemand gehört hat. Karl-Georg Wellmann, seit 2005 CDU-Abgeordneter für den Wahlkreis Berlin-Zehlendorf, gehörte lange zu ihnen. Der Rechtsanwalt ist 1952 in Berlin geboren, hat dort studiert und nie woanders gelebt und gearbeitet. Erst seit kurzem taucht sein Name auch in überregionalen Nachrichten auf. Im März zum Beispiel, als er als Vorsitzender einer „Agentur für die Modernisierung der Ukraine“ an die Öffentlichkeit trat. Sie will mit der Erfahrung prominenter westlicher Politiker und dem Geld ukrainischer Oligarchen Reformen in dem Land vorantreiben.

Die schwarze Liste

Dieses Engagement hat Karl-Georg Wellmann womöglich auf eine Schwarze Liste unerwünschter Personen in Moskau gebracht, denn auf dem Flughafen der russischen Hauptstadt hat man ihm am Sonntag die Einreise verwehrt – und zwar gleich für vier Jahre, aber ohne nähere Begründung. Dieses Verbot hat den Abgeordneten nun wieder in die Schlagzeilen gebracht. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat protestiert, dessen Vize Johannes Singhammer (CSU) eine geplante Reise nach Moskau abgesagt.

Die Grünen-Europaparlamentarierin Rebecca Harms forderte eine grundsätzliche Entscheidung der Parlamente, wie man mit russischen Einreiseverboten umgehen wolle. „Auf die russische À-la-carte-Politik sollten wir uns jedenfalls nicht einlassen“, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Kreml muss offen sagen, ob es eine Liste mit westlichen Politikern gibt, die nicht mehr einreisen dürfen.“

Wellmann kann sich die Abweisung kaum erklären, schließlich setze er sich zwar für eine klare Haltung gegen Putins Ukraine-Politik ein, zugleich aber auch für einen politischen Dialog, sagte er. Das stimmt. Er vereint immerhin gleich drei verschiedene Interessen in seiner Person: Er ist Vorsitzender der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe und gehört zugleich der deutsch-russischen und der deutsch-weißrussischen Abgeordnetengruppe an.

Er warnt vor einer Politik mit dem Ziel, Russland in die Knie zu zwingen. Kalte Krieger klingen anders. Wahrscheinlich ist ihm also Unrecht widerfahren, als die Russen sich nun ausgerechnet bei ihm für die Einreiseverbote verschiedener Bürger ihrer Republik in den Westen revanchiert haben. Dass er jetzt so ins Rampenlicht geraten ist, widerspricht der bisherigen Strategie eines Politikers, der lieber aus dem Hintergrund handelt.

So hat er es auch stets in der Berliner CDU gehalten. Seit 2001 ist er Vorsitzender des einflussreichen Ortsvereins Dahlem, doch an den Ränkespielen um die Parteiführung hat sich der eher zum liberalen Flügel Zählende nie beteiligt, lieber verdeckt an Strippen gezogen. Aus der Führung der Ukraine-Agentur ist er schon wieder ausgeschieden, von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkt. Immerhin.

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