Nur falsche Spuren

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Angriffe auf Saddam trafen bisher oft Unschuldige

Paul Bremer, Washingtons Vizekönig in Irak, äußerte sich am Mittwoch sehr zuversichtlich. "Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir auch den Vater kriegen", teilte er in Bagdad mit. Aber vielleicht ist das gar nicht so wichtig. Der frühere UN-Botschafter Saddam Husseins, Mohammed al-Duri, fand nämlich: "Ich glaube nicht, dass er noch irgendeine Rolle spielt." Also auch das Tonband nicht, das der Flüchtling am Sonntag besprochen haben soll, leider wieder mal ohne Ortsangabe.

Vermutungen über Saddams Aufenthalt haben das US-Oberkommando Centcom schon einmal veranlasst, den Krieg früher als geplant anzufangen. Ein Bagdader Informant hatte durchgesagt, er befinde sich mit seinen Söhnen in einer bestimmten Bagdader Villa. Die wurde aus der Ferne mit Marschflugkörpern zerbombt, aber statt Saddam, Udai und Kusai starben Zivilisten. Das war am 20. März.

Im April hatte Centcom wieder einen sicheren Tipp. Der Gesuchte hocke in einem Bagdader Restaurant. Das wurde zerbombt, aber wieder war Saddam nicht unter den 16 Toten, die mit dem Diktator gewiss nichts zu tun hatten.

In einem Bagdader Vorort hatte er sich noch abfilmen lassen, entspannt und die Huldigungen seiner Untertanen genießend. Dann soll er mit einer Mercedes-Karawane davongefahren sein, irgendwie in allgemeiner Richtung Norden, vielleicht auch nach Nordwesten gen Syrien. Dort hat man ihn aber nie gesehen und auch keinen seiner vielen Doppelgänger.

In Bagdad vermutete man ihn, nächtlich durch ein unentwirrtes Tunnelsystem von privatem Versteck zu privatem Versteck schleichend, gewiss aber nicht im schiitischen Armutsviertel Saddam City, obwohl es so hieß, bis es in Sadr City umgetauft wurde und unter Kontrolle einer radikalen, Saddam nicht liebenden schiitischen Fraktion kam.

Im sunnitischen Dreieck musste er also sein, vielleicht in oder ganz nahe bei Tikrit, in seiner engeren Heimat. Wieder ein bisschen daneben. Saß er etwa in einem Autokonvoi auf dem Weg nun doch nach Syrien? Die Task Force 20 aus CIA- und Sondersoldaten schoss erst einmal gründlich und genau, doch die Toten, so stellte sich heraus, waren harmlose Schmuggler.

Saddam verzichtet auf Mobiltelefone - die sind leicht zu orten - und das Telefon-Festnetz, so weit es funktioniert. Er ist auf der Flucht, der unsichtbare Dritte seines Clans, von dem anzunehmen ist, dass er noch lebt. Aber ein Hitchcock-Krimi ist das nicht. Hier gibt es nur falsche Spuren.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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