1. Startseite
  2. Politik

Landtagswahl in NRW: Wüst und Kutschaty diskutieren im TV-Duell

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Benninghoff

Kommentare

Mona Neubaur kämpft wie keine zweite.
Mona Neubaur kämpft wie keine zweite. © dpa

Beim einzigen TV-Duell der Spitzenkandidaten Wüst und Kutschaty, zeigt sich der SPD-Mann überraschend zurückhaltend und Wüst glaubt an Amtsbonus.

Düsseldorf – Zwei Männer in Anzug und Krawatte, zwei gut gelaunte Moderatorinnen, viel Harmonie, aber wenig politisches Profil. Im Grunde könnte damit dieser Text über das Fernsehduell zwischen dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) und seinem Herausforderer Thomas Kutschaty (SPD) schon enden. Die Sendung am Donnerstagabend (12. Mai) im WDR wirkte wie das Warmlaufen für eine große Koalition in Düsseldorf.

Die ist bei den Verantwortlichen nicht gewollt. Stattdessen rückt Grünen-Spitzenkandidatin Mona Neubaur in die komfortable Lage, sich womöglich den Regierungspartner aussuchen zu können. Die Umfragewerte – zuletzt die des ZDF-Politbarometers – zeigen in Richtung einer Zweierkoalition. Schwarz-Grün hätte eine Mehrheit, Rot-Grün knapp. Der Ordnung halber sei gesagt, dass Dreierbündnisse einer Jamaika- oder Ampelkoalition auch möglich sind. Da wäre Neubaur aber ebenso mit von der Partie.

Grüne Mona Neubaur fehlt in TV-Duell: Keine Kandidatur für Ministerpräsidentenamt in NRW

Deshalb war die Grüne im Duell abwesend anwesend. Die 44 Jahre alte Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin hatte darauf verzichtet, sich zur Kandidatin für das Ministerpräsidentenamt auszurufen. Das war zwar bescheiden und nach den Erfahrungen der Grünen mit dem verkorksten Wahlkampf Annalena Baerbocks verständlich, andererseits ein strategischer Fehler: Denn jetzt fehlen ihr abseits der Marktplätze, Einkaufsstraßen und Mehrzweckhallen die Bühnen – auf jeden Fall die bei dieser TV-Debatte zur Prime Time im WDR. Dabei hätte sie das Duell, das eher einem großkoalitionären Duett glich, aufmischen können.

Man hätte gerne erfahren, was die Grünen zur inneren Sicherheit oder zur Flächenversiegelung im bevölkerungsreichsten Bundesland zu sagen haben. Zu „Clankriminalität und Rockerbanden“, wie Ministerpräsident Wüst sagte, der gleich darauf die Debatte erstickte, indem er sich in den Zahlen neu eingestellter Polizist:innen verlor.

Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen: SPD-Kandidat Kutschaty ungewohnt zurückhaltend

SPD-Kandidat Kutschaty, der im parteiinternen Wettstreit durchaus die Zähne zeigen kann, blieb zurückhaltend und wollte im Schlussspurt der Kampagne niemanden gegen seine Partei aufbringen: „Auch mit der SPD darf man im Einfamilienhaus wohnen“, sagte er. Die Grünen wären hier wohl weniger vorsichtig als Kutschaty gewesen und Wüst hätte eine Steilvorlage zum Konter gehabt.

Aber der Ministerpräsident, der erst seit Oktober 2021 in der Nachfolge Armin Laschets Chef in der Düsseldorfer Staatskanzlei ist, geistert in der Aura seines angeblichen Amtsbonus durch den Wahlkampf, ohne wirklichen Amtsbonus zu haben. Dafür war die Zeit zu kurz, die landespolitischen Themen haben es im Ukraine-Krieg schwer, und wohl auch seine zurückhaltende Art steht ihm im Weg, obwohl er bei den Persönlichkeitswerten vor Kutschaty steht. Es wäre viel zu besprechen gewesen, zumal Wüsts Regierungspartner FDP schwächelt. Doch über Koalitionsoptionen schwiegen sich die Kandidaten aus. Sie wurden allerdings auch kaum gefragt. (Martin Benninghoff)

Auch interessant

Kommentare