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Nicht-Sozialdemokrat Böhmermann markiert den Kandidaten in seiner TV-Sendung.

Jan Böhmermann

Die SPD - ein Fall für Satire?

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Am Sonntag endet die Bewerbungsfrist um den Parteivorsitz der Sozialdemokraten – aber Jan Böhmermann wird das Rennen wohl nicht machen.

Ist es ein guter Gag – oder macht ein Satiriker es sich einfach nur zu leicht, wenn er sich Scherze auf Kosten der SPD erlaubt?

„Ich, Jan Böhmermann, möchte Vorsitzender der SPD werden.“ Mit diesem Satz hat der Entertainer in seiner ZDF-Show „Neo Magazin Royal“ seine Kandidatur für den Vorsitz der deutschen Sozialdemokratie verkündet. So was tut der Quote gut. Dass es Böhmermann – bislang noch nicht SPD-Mitglied – gelingen könnte, bis zum Ende der Meldefrist die formalen Voraussetzungen für die Kandidatur zu erfüllen, ist eher unwahrscheinlich.

Sonntag, 1. September, 18 Uhr, ist diesmal ein doppelt spannender Termin für die SPD. Dann laufen die ersten Zahlen zu den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen über die TV-Schirme. Und just in dem Moment läuft auch die Frist ab, in der sich Bewerber für den Chefsessel im Willy-Brandt-Haus gemeldet haben müssen – einschließlich des Nachweises, dass sie die beschlossenen Mindestvoraussetzungen für eine Kandidatur erfüllen. Denn jedes Kandidatenduo oder auch mögliche Einzelkandidaten brauchen die Unterstützung von mindestens fünf Unterbezirken oder von einem Bezirk oder von einem Landesverband der Partei.

Wer wird also auf der Bühne stehen, wenn sich die Bewerber am nächsten Mittwoch in Saarbrücken erstmals auf einer Regionalkonferenz den Mitgliedern präsentieren? Größte Aufmerksamkeit hat sicherlich das Duo aus Bundesfinanzminister Olaf Scholz und der brandenburgischen Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. Scholz hatte nach dem Rücktritt von Andrea Nahles eine eigene Kandidatur mit dem Argument ausgeschlossen, es fehle ihm neben dem Job als Vizekanzler die Zeit für den Parteivorsitz.

Als nach und nach andere SPD-Politiker aus der erste Reihe absagten – von der Vize-Vorsitzenden Manuela Schwesig bis zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil – änderte er seine Pläne.

Scholz steht wie kein anderer Bewerber für die große Koalition, die bei vielen in der Partei höchst unbeliebt ist. Auf dem linken Parteiflügel drohen mehrere Duos sich die Stimmen gegenseitig wegzunehmen, nachdem Juso-Chef Kevin Kühnert abgesagt hat. Auf einen besonders klaren Kurs gegen die große Koalition setzen der linke Fraktionsvize Karl Lauterbach im Verein mit der Bundestagsabgeordneten Nina Scheer.

Das gilt auch für die Parteilinke Hilde Mattheis und den Ökonomen Dierk Hirschel. Auch Gesine Schwan und SPD-Vize Ralf Stegner würden für einen deutlichen Linksruck in der SPD stehen. Die Nominierungsvoraussetzungen erfüllt bereits – wie alle vorgenannten – auch das Bewerberduo aus der früheren nordrhein-westfälischen Familienministerin Christina Kampmann und dem Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, sowie das Duo aus dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius und der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping. Pistorius und Köpping trauen viele in der Partei zu, eine sehr starke Konkurrenz für Olaf Scholz und Klara Geywitz werden zu können.

Vom 14. bis zum 25. Oktober sollen die SPD-Mitglieder abstimmen, wen sie an der Parteispitze sehen wollen – die beiden erstplatzierten Teams schaffen es in die Stichwahl. Der Parteitag im Dezember soll dann die Wahl der Mitglieder bestätigen.

Der Satire-Politiker und Europaabgeordnete Martin Sonneborn hat die Ankündigung seines Kollegen Jan Böhmermann gelobt, sich um den SPD-Vorsitz zu bewerben. „Böhmermanns Schritt begrüße ich, unter Olaf Scholz – angeblich Sozialdemokrat – hätte die SPD keine Chance mehr“, sagte Sonneborn auf Anfrage. Was die Erfolgsaussichten angeht, äußerte sich der Vorsitzende der satirischen „Die Partei“ und frühere „Titanic“-Chefredakteur allerdings skeptisch. „Ich habe auf Anfragen der Medien bezüglich einer Übernehme der SPD immer abgewunken“, sagte er. Für ihn sei die SPD „nicht reformierbar“.

#Neustart19

„Ich möchte einmal in aller Deutlichkeit sagen: Es geht um die SPD, nicht um mich!“ So startete Freitagmorgen der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann unter dem Twitter-Hashtag „neustart19“. seine Bewerbung um den Vorsitz der SPD. Neben seinem Konterfei, halb verdeckt von einer sorgenvollen Hand. Meint er es ernst? Manche Kommentare nehmen seine Vorsitzkandidatur bierernst, andere machen sich einen Spaß – und schlagen Heidi Klum als Co-Vorsitzende vor.

Fünf SPD-Unterbezirke braucht Böhmermann für eine Kandidatur. Angeblich hat er schon vier hinter sich – und offenbar auch die Jusos. Aber das Partei-Establishment rümpft seine kollektive Nase. Die für die Kandidatur notwendige Parteimitgliedschaft will man ihm verweigern. (rut)

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