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Jetzt stellt sich jetzt die Frage, welche Verbindungen Stephan E. zu „Combat 18“ hatte.

Mordfall Walter Lübcke

Welche Verbindungen hatte der mutmaßliche Mörder Stephan E.?

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Stephan E. ist verdächtig, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen zu haben. Ein Blick auf den mutmaßlichen Mörder Stephan E. und seine Kontakte zu militanten rechtsextremen Gruppierungen.

Es ist nur ein altes, leicht unscharfes Foto, aber es dürfte in der Diskussion um Stephan E. noch eine gewichtige Rolle spielen. Das Bild, das die unabhängige Rechercheplattform „Exif Recherche“ veröffentlicht hat, zeigt den 45-jährigen Neonazi, der verdächtigt wird, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) erschossen zu haben, im Jahr 2002 in Kassel.

Mit 12 weiteren Neonazis hat E. sich bedrohlich vor einem Gebäude postiert, er trägt einen Stuhl in den Händen. Drei seiner Kameraden sind mit langen Stöcken bewaffnet. Hintergrund der Aufnahme ist laut „Exif Recherche“ eine Antifa-Demonstration vor einem rechten Szeneladen, den die Neonazitruppe gegen ihre Gegner abschirmen wollte.

Relevant ist das Foto vor allem deshalb, weil bis heute nicht klar ist, wie nah E. Anfang der 2000er Jahre am harten, militanten Kern der Kasseler Neonaziszene war – und welche Kontakte er in den Jahren seit 2010 hatte, in denen er offenbar vom Radar der Sicherheitsbehörden verschwand. Es ist bekannt, dass E. seit den 90ern in der rechten Szene aktiv war und unter anderem wegen versuchten Totschlags, Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vorbestraft ist.

Hat Stephan E. Kontakte zu „Combat 18“?

Aber es ist noch offen, wie eng E.s Kontakte zu militanten Gruppierungen wie dem in Deutschland verbotenen Nazinetzwerk „Blood and Honour“ waren, deren Mitglieder etwa die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) unterstützten – oder zum bewaffneten Arm von „Blood and Honour“, „Combat 18“.

Das alte Foto ist aufschlussreich, weil es zeigt, dass E. zentrale Köpfe dieser militanten Szene in Kassel zumindest gekannt haben muss. Neben ihm stehen gewaltbereite Neonazikader wie Mike S. und Markus E., vor allem aber Stanley R. Der nordhessische Neonazi R. wurde immer wieder mit „Combat 18“ in Verbindung gebracht. Im September 2017 nahm er an einer Schießübung deutscher Neonazis in Tschechien teil. 

Recherchen der Frankfurter Rundschau belegen außerdem, dass R. mit einer seit etwa 2013 existierenden Organisation namens „Combat 18 Deutschland“ zu tun hat – mutmaßlich ein Versuch, eine neue militante Neonazistruktur zu bilden.

Für Martina Renner, die für die Linkspartei im Innenausschuss des Bundestags sitzt, stellt sich jetzt die Frage, welche Verbindungen Stephan E. zu „Combat 18“ hatte – um 2002, aber auch in den vergangenen Jahren. 

„Offen ist, ob er an Aktivitäten oder Treffen von ,Combat 18‘ teilgenommen hat“, sagte Renner der FR. „Dazu braucht es jetzt Informationen.“ Diese Frage sei vor allem relevant, weil es weitere Tatbeteiligte bei der Ermordung von Lübcke geben könnte. Es müsse auch untersucht werden, ob E. bei der Schießübung von „Combat 18“ 2017 in Tschechien dabei gewesen sei, sagte Renner.

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