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Ein Bild aus den guten alten Tagen, als die Welt von Wulff und Gläsecker (l.) noch in Ordnung schien.
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Ein Bild aus den guten alten Tagen, als die Welt von Wulff und Gläsecker (l.) noch in Ordnung schien.

Wulff-Skandal

Von Fall zu Fall - die Vorwürfe gegen Wulff

  • Daniela Vates
    VonDaniela Vates
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Die Affäre Wulff hat sich in vielen kleinen Schritten abgespielt, und schon oft schien es, als stünde der Präsident kurz vor dem Rücktritt. Ein Überblick über die Vorwürfe und die Ausflüche Wulffs.

Die Affäre Wulff hat sich in vielen kleinen Schritten abgespielt, und schon oft schien es, als stünde der Präsident kurz vor dem Rücktritt. Ein Überblick über die Vorwürfe und die Ausflüche Wulffs.

Immer wieder kamen neue Vorwürfe zum Vorschein, die sich zu einem Bild von einem Präsidenten zusammenfügten, der Privates und Berufliches nicht recht zu trennen vermochte. Auch im Umgang mit den Vorwürfen erwies sich Christian Wulff (CDU) als wenig professionell – seine Antworten oder sein Schweigen gaben nicht selten Anlass für weitere Nachfragen.

13. Dezember 2011: An diesem Tag beginnt die Affäre für die Öffentlichkeit. Die Bild-Zeitung berichtet, Wulff habe in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident für den Kauf seines Privathauses vom Unternehmer Egon Geerkens einen Privatkredit von 500.000 Euro bekommen. Brisant ist dies unter anderem deswegen, weil Wulff 2010 vor dem niedersächsischen Landtag geschäftliche Beziehungen zu Geerkens verneint hat.

Wulff erklärt sich zwei Tage später, bedauert die Erklärung vor dem Landtag, betont aber, der Kredit sei von Geerkens Frau Edith gekommen. Geerkens gibt allerdings an, in die Verhandlungen über den Kredit eingebunden gewesen zu sein.

Kurz nach der Kreditnahme hatte Wulff den bereits pensionierten Geerkens auf eine seiner Ministerpräsidenten-Reisen mitgenommen. Geerkens trug die Reisekosten nach eigenen Angaben selber, allerdings sind die Plätze auf solchen Reisen in der Regel begrenzt. Umstritten sind auch die besonders günstigen Konditionen, die Wulff bei der BW-Bank bekommen hat, wo er den Privatkredit in einen normalen Kredit umwandelte.

22. Dezember: Die Hoffnung der Koalition – und wohl auch Wulffs –, dass der Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner den Kredit vergessen macht, haben sich nicht erfüllt. Seit einer Woche macht die Causa Wulff Schlagzeilen, auch in der konservativen Presse.

Wulff entschließt sich zu einer Erklärung vor den Medien. Er sagt, er habe alles offengelegt, und bedauert, dass Irritationen entstanden seien. Am selben Tag entlässt er ohne Angaben von Gründen seinen langjährigen Vertrauten und Pressesprecher Olaf Glaeseker. Erst einen Monat später wird klar, warum: Die Staatsanwaltschaft macht eine Razzia in Glaesekers Büro. Sie ermittelt wegen Bestechlichkeit in Zusammenhang mit der Organisation des „Nord-Süd-Dialogs“, einer Veranstaltung des Partymanagers Manfred Schmidt.

Wulff bestreitet bislang, von den Verwicklungen gewusst zu haben. Aber auch sein Staatssekretär Lothar Hagebölling, der ihn von Hannover nach Berlin begleitet hat, wusste zumindest zum Teil von dem Engagement Glaesekers. Nachweisbar ist auf jeden Fall, dass die Landesregierung den Nord-Süd-Dialog organisatorisch unterstützt hat – was diese aber zunächst bestritt.

Lesen Sie, wie es in diesem Jahr weiterging.

4. Januar 2012: Nach einer relativ ruhigen Weihnachtspause wird ein neuer Vorwurf bekannt. Wulff soll mit einem Anruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann versucht haben, die Berichterstattung über seinen Kredit zu verhindern. Seinen Ärger hinterlässt er auf der Mailbox Diekmanns.

In der Koalition schüttelt man den Kopf über Wulffs mangelnde Professionalität. Wulff sieht sich gezwungen, ein Fernseh-Interview zu geben. Darin bezeichnet er den Anruf als schweren Fehler. Die Konditionen des Bank-Kredits bezeichnet er als allgemein üblich. Und er kündigt an, die Antworten auf alle ihm von Journalisten bislang schriftlich gestellten Fragen zu veröffentlichen, damit alle Vorgänge transparent würden.

Am nächsten Tag veröffentlicht sein Anwalt Gernot Lehr, der inzwischen eine Art Sprecherfunktion übernommen hat, eine kurze Erklärung. Bis alle Antworten veröffentlicht werden, dauert es noch weitere zehn Tage. Erst nachdem hochrangige CDU-Politiker sich öffentlich verstimmt zeigen, gibt Wulff nach. Der neue niedersächsische Ministerpräsident David McAllister, der Wulff im Amt nachgefolgt ist, hat sich zu diesem Zeitpunkt schon deutlich von seinem Vorgänger distanziert. Dabei bezieht er sich auch auf Wulffs Vorliebe für Urlaubsaufenthalte in den Villen angeblich befreundeter Unternehmer, für die er zum Teil nichts, zum Teil erst hinterher bezahlt hat.

8. Februar: Gerade als sich die Wogen wieder zu glätten scheinen, kommen neue Vorwürfe auf: Der Film-Unternehmer David Groenewold soll Wulff einen Luxus-Kurzurlaub auf Sylt bezahlt haben. Wulff gibt an, das Geld umgehend bar zurückerstattet zu haben. Zudem hat Groenewold Wulff offenbar eines seiner Firmenhandys überlassen und den Bundespräsidenten zum Oktoberfest eingeladen. Auch hier wird Wulff die große Nähe zu Unternehmern und zur Glamourwelt zum Verhängnis. Pikant ist die Sache mit Groenewold, weil die niedersächsische Staatsregierung dessen Firma Bürgschaften gewährt hat. Offene Unterstützung in der Union hat Wulff schon lange nicht mehr.

16. Februar 2012: Diverse Staatsanwaltschaften haben sich bereits mit dem Fall Wulff beschäftigt. In der Kreditnahme und bei mehreren anderen Vorwürfen sahen sie bislang keinen Grund für Ermittlungen.

Der Fall Groenewold ist auch den Juristen zu viel. Die Staatsanwaltschaft beantragt beim Bundestag, die Immunität Wulffs aufzuheben. Zum ersten Mal in der Geschichte steht ein Ermittlungsverfahren gegen einen Bundespräsidenten bevor.

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