Der Fall

Papst Benedikt XVI. hatte am Wochenende die Exkommunikation von vier katholischen Geistlichen der Pius- Bruderschaft aufgehoben und damit Empörung

Papst Benedikt XVI. hatte am Wochenende die Exkommunikation von vier katholischen Geistlichen der Pius-Bruderschaft aufgehoben und damit Empörung hervorgerufen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (abgekürzt FSSPX, von lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X.), hatte der französische Erzbischof Marcel Lefebvre 1970 gegründet. Seit 1994 wird sie von dem von ihm geweihten Bischof Bernard Fellay geleitet. Der Bruderschaft gehören nach eigenen Angaben derzeit 493 Priester an.

Benannt ist die Gemeinschaft nach Papst Pius X. (1835-1914). Der Italiener war von 1903 bis 1914 Papst und wurde von Pius XII. 1954 heilig gesprochen. Pius X. gilt als"konservativer Reformpapst".

Die traditionalistische Gemeinschaft lehnt die Ökumene, die Religionsfreiheit, die Kollegialität der Bischöfe und die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Die römisch-katholische Kirche erkennt die Bruderschaft seit 1975 nicht mehr offiziell an. Sie fürchtet, dass deren abweichende Ansichten langfristig zu einem Schisma (Kirchenspaltung) führen könnten.

Der Besuch von Gottesdiensten, die von Priestern der FSSPX zelebriert werden, ist Katholiken aber erlaubt - solange sie nicht in der Priesterbruderschaft "die einzig wahre Kirche sehen und dies im äußeren Bereich sichtbar machen". Dann würden sie automatisch als exkommuniziert gelten.

Die vier Priester, die der Papst jetzt wieder in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufnahm, waren exkommuniziert worden, weil sie sich widerrechtlich von Lefebvre zu Bischöfen hatten weihen lassen. Papst Johannes Paul II. bezeichnete die illegitimen Bischofsweihen im Ungehorsam gegenüber dem Papst als schismatischen Akt und forderte alle Katholiken auf,die FSSPX nicht weiter zu unterstützen.

Die Weihe der vier Geistlichen allerdings ist als göttlicher Akt dennoch gültig, ebenso wie Priesterweihen, die innerhalb der Gemeinschaft vorgenommen werden. Allerdings fehlt den Priestern ebenso wie den Bischöfen die Inkardination, das Rechtsverhältnis zu einer Institution der katholischen Kirche. Sie gelten daher als suspendiert. Kirchenrechtlich umstritten ist, ob Trauungen durch Pius-Priester gültig sind.

Richard Williamson, einer der vier vom Papst rehabilitierten lefebvrianischen Bischöfe, hatte im Interview mit einem schwedischen Fernsehsender die Existenz von Gaskammern während des Nationalsozialismus

bestritten und die Zahl der getöteten Juden mit 200 000 bis 300 000

statt rund sechs Millionen angegeben.

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