+
Braun, das wie blau aussieht? Der Bundeskongress der „Jungen Alternative“. 

AfD-Jugend in Magdeburg

Das Extremismus-Verständnis der „Jungen Alternative“

  • schließen

Die AfD-Jugend trifft sich in Magdeburg, um wohl ihr Image zu polieren. Zur Not auch mit schlechter (unfreiwilliger?) Ironie. Ein Kommentar. 

In Magdeburg haben sich am Wochenende die Nachwuchsrechten der AfD („Junge Alternative“) zum bundesweiten Stelldichein versammelt. Bei ihren Geistesvätern und -müttern sind sie etwas in Ungnade gefallen; immerhin stehen sie in Niedersachsen, Bremen und Baden-Württemberg beim Verfassungsschutz unter Beobachtung, ein Vorgang, den die Herren und Damen um Alexander Gauland gerne von der Tagesordnung gestrichen hätten. 

Denn natürlich passt das nicht zum patriotisch-konservativen Anstrich, den sich die AfD wohl inklusive ihrer Jugendtruppe (JA) so gerne ans Revers heften würde, um damit potentielle Wähler*innen aus der sogenannten bürgerlichen Mitte zu ködern. Die AfD-Leute, die aussprechen, was die meisten in dieser Partei denken mögen, passen nicht ins Schafspelz-Konzept, weshalb die JA eine Satzungsänderung verabschiedet hat, was übersetzt wohl meinen könnte: Mitglieder, die zu öffentlich mit frei lebenden Neonazis inhaltlich kuscheln, dürfen schneller ausgeschlossen werden.

Björn Höcke nicht aus der AfD ausgeschlossen

Das hierfür verantwortliche Schiedsgericht – ein in Thüringen zuständiges Schiedsgericht trägt stets dafür Sorge, dass Björn Höcke nicht aus der AfD ausgeschlossen wird – soll an dieser Stelle abgeschafft werden. Das ist ein Schritt in die Richtung, die der AfD-Vorstand seit geraumer Zeit fährt: nach außen hin so lange weichspülen, bis es um die Nasenpartie schon leicht bläulich werden könnte. 

Doch immerhin wird die JA bundesweit als „Verdachtsfall“ eingestuft, weil dem Verfassungsschutz nun einmal Hinweise vorliegen, die „extremistische Bestrebungen“ vermuten lassen. Vielleicht bedarf es solcher Beschlüsse, wie sie die JA in Magdeburg angeblich vorgelegt hat, und die in den sozialen Netzwerken die Runde machen, um das rechte Braun ins romantische Blau zu überführen. 

An einer Stelle steht geschrieben, dass „die 2014 abgeschaffte Extremismusklausel … in ihrer ursprünglichen Fassung wieder einzuführen (ist). Linksradikale und autonome Gruppen, die der sogenannten ‚Antifa‘ zuzuordnen sind, müssen als terroristische Vereinigung anerkannt werden. Für aus linken Strukturen freigesetzte Individuen sind Resozialisierungsmaßnahmen anzubieten, die ihnen eine Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen.“ 

Ist es ein JA-Versuch der Ironie? 

Zumindest hat das ein JA-Hinterbänkler mit Zwinkersmilie auf Twitter gepostet, und tatsächlich klingt das eher nach „Postillon“ denn nach ernsthafter rechter Aufbauarbeit, die den eigenen Extremismus zu verschleiern sucht. 

Es bleiben hier also zwei Deutungsmöglichkeiten: Entweder meinen sie das ernst und sind ergo nicht nur ein Fall für den Verfassungsschutz, sondern leiden in ihrer nationalistischen Blase gleichzeitig unter Realitätsverlust. „Linke Strukturen“ werden hier nämlich mit Terrororganisationen in Verbindung gebracht, nur so sind die ‚Resozialisierungsmaßnahmen‘ zu erklären. Die hier formulierte Wahrnehmung gesellschaftlicher Sachverhalte erinnert an den Kriminalisierungsduktus von 1935. 

Oder meinen sie das ironisch? Spielen sich die „Jungen Alternativen“ selbst als Verfassungsschutz auf, von wegen ‚wir sind Extremisten, und was seid ihr?‘? Damit würden sie beweisen, nicht einmal Ironie zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare