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Extinction Rebellion: Rebellion gegen das Aussterben startet

Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion

Rebellion gegen das Aussterben startet

Die Aktivistengruppe Extinction Rebellion will den Verkehr in Berlin eine Woche lang stören. Sie haben prominente Unterstützung.

Die Aktivistengruppe Extinction Rebellion hat am frühen Montagmorgen in Berlin ihre Protestaktion für mehr Klimaschutz gestartet. Dutzende Anhänger liefen vom Regierungsviertel zur Siegessäule im Ortsteil Tiergarten, wie die Polizei der Deutschen Presse-Agentur sagte. Dann hätten die Aktivisten kurz vor Beginn des Berufsverkehrs den Großen Stern - einen Verkehrsknotenpunkt in der Hauptstadt - besetzt. Bislang sei alles friedlich. 

Zur Zahl der Aktivisten machte die Polizei zunächst keine Angaben, die Aktivisten selbst sprachen von rund 600. Auf einem von den Aktivisten veröffentlichten Video war zu sehen, wie Dutzende Menschen auf der Fahrbahn liefen und sich setzten. Auch Einsatzfahrzeuge der Polizei waren zu sehen. Zuvor hatte die Gruppe via soziale Medien dazu aufgerufen, sich schnell auf den Weg zu machen. 

Forderung: Klimanotstand ausrufen

Mit Blockaden und anderen Protestaktionen will die Umweltschutzbewegung von Montag an nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Großstädten in aller Welt auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. Aktionen soll es unter anderem in London, Paris, Madrid, Amsterdam, New York, Buenos Aires sowie in den australischen Städten Sydney, Melbourne und Perth geben. Die Aktionen sollen mindestens eine Woche lang andauern. 

„Extinction Rebellion“: Aufstand gegen das Artensterben

Sie proben den „Aufstand gegen das Aussterben“: Die Bewegung „Extinction Rebellion“ startet am 7. Oktober 2019 in mehreren Großstädten weltweit mit Aktionen für eine wirkungsvolle Klimapolitik. In Deutschland liegt der Fokus auf Berlin.
Sie proben den „Aufstand gegen das Aussterben“: Die Bewegung „Extinction Rebellion“ startet am 7. Oktober 2019 in mehreren Großstädten weltweit mit Aktionen für eine wirkungsvolle Klimapolitik. In Deutschland liegt der Fokus auf Berlin. © epd
Bereits ab dem frühen Morgen haben Aktivisten den Verkehrsknotenpunkt rund um die Siegessäule blockiert.
Bereits ab dem frühen Morgen haben Aktivisten den Verkehrsknotenpunkt rund um die Siegessäule blockiert. © Carsten Koall/dpa
Die Aktivisten in Deutschland rufen die Bundesregierung dazu auf, „die existenzielle Bedrohung der ökologischen Krise“ offenzulegen und den Klimanotstand auszurufen.
Sie rufen die Bundesregierung dazu auf, „die existenzielle Bedrohung der ökologischen Krise“ offenzulegen und den Klimanotstand auszurufen. © Paul Zinken/dpa
Medien und andere gesellschaftliche Institutionen sollen kommunizieren, wie dringend ein Umsteuern in der Klimapolitik sei.
Medien und andere gesellschaftliche Institutionen sollen kommunizieren, wie dringend ein Umsteuern in der Klimapolitik sei. © Christophe Gateau/dpa
In den kommenden Tagen sind in Berlin weitere Blockaden geplant.
Am Potsdamer Platz demonstrieren zwischenzeitlich 2500 Anhänger von Extinction Rebellion, wie die Polizei mitteilte. © Wolfgang Kumm/dpa
Dabei bekommen sie Unterstützung von Carola Rackete. Die frühere Sea-Watch-Kapitänin fordert von der Bundesregierung, mehr für den Klimaschutz zu tun. Dazu gehöre auch, den Klimanotstand auszurufen.
Unterstützung bekommt die Bewegung von Carola Rackete. Die frühere Sea-Watch-Kapitänin fordert in einer Rede an der Siegessäule von der Bundesregierung, mehr für den Klimaschutz zu tun. © rtr
Bereits seit dem Wochenende haben hunderte Aktivistinnen und Aktivisten aus ganz Deutschland neben dem Bundeskanzleramt ein Klimacamp aufgeschlagen.
Bereits seit dem Wochenende haben hunderte Aktivistinnen und Aktivisten aus ganz Deutschland neben dem Bundeskanzleramt ein Klimacamp aufgeschlagen. © Annette Riedl/dpa
In den kommenden Tagen sind in Berlin weitere Blockaden geplant.
In den kommenden Tagen sind in Berlin weitere Blockaden geplant. © afp
Mittlerweile ist XR in zahlreichen Ländern weltweit aktiv. In Deutschland gibt es rund 100 Ortsgruppen, viele davon erst im Aufbau und noch nicht aktiv.
Mittlerweile ist XR in zahlreichen Ländern weltweit aktiv. In Deutschland gibt es rund 100 Ortsgruppen, viele davon erst im Aufbau und noch nicht aktiv. © Christophe Gateau/dpa
Extinction Rebellion - Berlin
Während es in Berlin nach Polizeiangaben zunächst friedlich zuging, gibt es weltweit bei Aktionen des Bündnisses mehrere Festnahmen. © Paul Zinken/dpa
„Extinction Rebellion“ (XR) machte erstmals 2018 in Großbritannien auf sich aufmerksam. Aktivisten der Bewegung brachten bereits in der Vergangenheit mit Blockaden den Verkehr in London stellenweise zum Erliegen. Im April 2019 kam es in London zu tagelangen Straßen- und Brückenblockaden in der Innenstadt.
„Extinction Rebellion“ (XR) machte erstmals 2018 in Großbritannien auf sich aufmerksam. Aktivisten der Bewegung brachten bereits in der Vergangenheit mit Blockaden den Verkehr in London stellenweise zum Erliegen. Im April 2019 kam es in London zu tagelangen Straßen- und Brückenblockaden in der Innenstadt. © rtr
Auch am 7. Oktober gehen in London zahlreiche Menschen für die Bewegung auf die Straße. Die Aktivisten gehen davon aus, dass die Proteste dieses Mal in London noch deutlich größer sein werden als im Frühjahr.
Auch am 7. Oktober gehen in London zahlreiche Menschen für die Bewegung auf die Straße. Die Aktivisten gehen davon aus, dass die Proteste dieses Mal  noch deutlich größer sein werden als im Frühjahr. © rtr
Vor allem die Straßen im Regierungsviertel und vor dem Parlament sind betroffen. Aktivistinnen machen Yoga auf der Straße oder protestierten mit Schildern, auf denen etwa geschrieben stand: „Der Planet ändert sich - warum nicht wir?“
Vor allem die Straßen im Regierungsviertel und vor dem Parlament in London sind betroffen. Aktivistinnen machen Yoga auf der Straße oder protestierten mit Schildern, auf denen etwa geschrieben steht: „Der Planet ändert sich - warum nicht wir?“ © rtr
In London nimmt die Polizei zahlreiche Demonstranten fest ...
Auch Großeltern, die in Sorge um ihre Enkel sind, beteiligen sich in London an den Formen zivilen Ungehorsams.  © rtr
Am ersten Tag des Klimaprotests werden bis zum Nachmittag  in London mindestens 135 Menschen festgenommen.
Am ersten Tag des Klimaprotests werden bis zum Nachmittag  in London mindestens 135 Menschen festgenommen. © rtr
Auf der richtigen Seite der Geschichte wähnt sich diese Demonstrantin vor dem Parlamentsgebäude in London.
Auf der richtigen Seite der Geschichte wähnt sich diese Demonstrantin vor dem Parlamentsgebäude in London. © afp
Auch die britische Schauspielerin Juliet Stevenson beteiligt sich an der Blockade auf der Westminster Bridge in London.
An der Blockade auf der Westminster Bridge in London beteiligt sich auch die britische Schauspielerin Juliet Stevenson. © afp
Umweltprotest in London
Vor dem britischen Finanzministerium rücken Mitglieder der Bewegung in einem ausgemusterten Feuerwehrauto an und versprühen 1800 Liter künstliches Blut. © Aaron Chown/PA Wire/dpa
Das Gebäude der brasilianischen Botschaft ist ein Ziel des Protests: Aufgesprühten Slogans prangern die Abholzung der Regenwälder an.
Das Gebäude der brasilianischen Botschaft in London  ist ebenfalls ein Ziel des Protests: Aufgesprühte Slogans prangern die Abholzung der Regenwälder an. © rtr
Im australischen Sydney löst die Polizei eine Sitzblockade hunderter Aktivisten auf.
Im australischen Sydney löst die Polizei eine Sitzblockade hunderter Aktivisten auf. © afp
Auch in Kapstadt gehen Menschen für Klimaschutz auf die Straße.
Auch in Kapstadt gehen Menschen für Klimaschutz auf die Straße. © afp
Rollender Protest im südaustralischen Adelaide.
Rollender Protest im südaustralischen Adelaide. © Kelly Barnes/dpa
Aktionen gibt es auch in New York, Paris, Buenos Aires und Madrid (Bild).
Aktionen gibt es auch in New York, Paris, Buenos Aires und Madrid (Bild). © Europa Press/Europa Press/dpa
Auch in Wien beteiligen sich Demonstranten am ersten Protesttag.
Auch in Wien wird fürs Klima demonstriert. © Helmut Fohringer/APA/dpa
Extinction Rebellion - Wien
In der österreichischen Hauptstadt gibt es Festnahmen. © Helmut Fohringer/dpa
„Die Hoffnung stirbt. Die Aktion beginnt„ steht auf diesem Transparent, aufgehängt in einem Baum in Paris.
„Die Hoffnung stirbt. Die Aktion beginnt„ steht auf diesem Transparent, aufgehängt in einem Baum in Paris. © afp

Wie genau sie dabei vorgeht, soll erst wenige Minuten vor Beginn der größtenteils unangemeldeten Aktionen bekannt gegeben werden. Extinction Rebellion (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien. Nach eigenen Angaben gibt es die Gruppe seit November vorigen Jahres auch in Deutschland. Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen. 

Alle politischen Entscheidungen, die der Bewältigung der Klimakrise entgegenstünden, müssten revidiert werden. Schon bis 2025 müssten die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen auf netto null senken, verlangt die Gruppe. Zu den Blockaden erklärt die Gruppe: „Wir stören den alltäglichen Betriebsablauf, der unsere Lebensgrundlagen zerstört. Wir setzen den Protest so lange fort, bis die Regierungen angemessen reagieren.“ 

Carola Rakete unterstützt Extinction Rebellion

Eva Escosa-Jung von Extinction Rebellion sagte zu der ersten Aktion in Berlin: „Heute beginnt die weltweite Rebellion gegen das Aussterben. Wir stören, weil wir keinen anderen Weg sehen, um den umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen, der das Klima rettet.“ Die Klimapolitik der Regierung habe versagt. "Wälder brennen, die Meeresspiegel steigen, die Ozeane übersäuern und weltweit sterben Wildtiere massenhaft aus - der Menschheit droht eine lebensbedrohende Katastrophe." Extinction Rebellion wende keine Gewalt, sondern Kreativität an. 

Am Mittag (12:05 Uhr) werde die als Seenotretterin von Flüchtlingen bekannt gewordene Carola Rackete an der Siegessäule eine Rede halten. In Berlin wollen die Aktivisten am Montag zudem mit einem Marsch gegen das Artensterben aufmerksam machen. Am Mittag soll es dann auch am Potsdamer Platz eine zentrale Veranstaltung geben, von der aus weitere Aktionen ausgehen sollten. 

Kommentar: Extinction Rebellion - so nötig wie radikal

Zur gleichen Zeit soll an einem zunächst nicht bekannt gegebenen Ort im Regierungsviertel eine pinke Arche aufgestellt werden, die an das Artensterben erinnern soll. U- und S-Bahnverkehr sollten verschont bleiben. Ob sich Extinction Rebellion auf die Straße konzentriert oder auch die Berliner Flughäfen ins Visier nimmt, wollten die Organisatoren nicht verraten. 

Fridays for Future bewegen sich im Rahmen der Legalität

Anders als andere Bewegungen wie Greta Thunbergs Fridays for Future, sind die Aktivisten von Extinction Rebellion nach eigenen Angaben bereit, Gesetze zu brechen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Legale Demonstrationen und parlamentarische Prozesse hätten in den vergangenen 30 Jahren nicht zu den nötigen Veränderungen im Klimaschutz geführt, sagten die Veranstalter am Freitag. 

Dabei betonten sie allerdings stets, dass sämtliche Aktionen friedlich ablaufen sollten. Dafür sollten unter anderem Mediatoren sorgen, die Konflikte zwischen den Aktivisten und anderen - etwa Polizisten oder aufgehaltenen Autofahrern - während der Aktionen vermeiden sollten. Die Regierungspartei SPD reagierte aufgeschlossen auf die Ankündigungen. 

„Ich verstehe die Ungeduld von vielen“, sagte die Interims-Parteivorsitzende Malu Dreyer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Ich begrüße frühzeitige Aktionen jeglicher Art, die die Dringlichkeit der Aufgabe deutlich machen.“ Zugleich mahnte sie: „Natürlich gilt für alle, dass es gewaltfrei bleiben muss.“ 

Christian Lindner fordert Distanzierung

Die FDP hingegen warnte vor antidemokratischen Zügen der Bewegung. „Über die extremen Forderungen zum Klimaschutz hinaus stellen Aktivisten der Gruppierung offen die Demokratie in Frage“, sagte Parteichef Christian Lindner der Deutschen Presse-Agentur. „Klimaaktivisten und Grüne sollten sich von den antidemokratischen und teils totalitären Äußerungen aus dieser Gruppierung distanzieren.“ 

Klimaschutz sei keine Entschuldigung für Gewalt, die bei Blockaden ihren Ausgangspunkt nehme, sagte der Liberale. Auch der Grünen-Politiker Boris Palmer kritisierte Extinction Rebellion. 

„Es gibt gute Gründe, endlich entschiedenes Handeln für den Klimaschutz zu fordern. Wer aber Demokratie und Rechtsstaat dafür über Bord wirft, wird ziemlich sicher auch den Kampf gegen den Klimawandel verlieren. Protest ja, Rebellion nein“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister der „Bild“-Zeitung (Montag). 

Das Verhalten während der Aktionen war auch Thema in einem sogenannten Klimacamp, das die Aktivisten bereits am Samstag im Berliner Regierungsviertel aufgeschlagen hatten. In Workshops und Diskussionsveranstaltungen bereitete Extinction Rebellion die Teilnehmer auf Demonstrationen und andere Protestformen vor. 

Bis zu 3000 Menschen kamen am Sonntag in das Camp zwischen Reichstag und Kanzleramt. Für die Proteste ab Montag in Berlin erwarteten die Veranstalter „Tausende Menschen“ aus Deutschland, Polen, Dänemark und Schweden. (dpa)

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