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Polizeibeamte tragen am Potsdamer Platz einen Aktivisten des Klimaschutz-Bündnisses Extinction Rebellion weg.

Extinction Rebellion

Proteste von Extinction Rebellion: Polizei räumt Potsdamer Platz

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Radikale Klimaaktivisten rufen zu zivilem Ungehorsam auf - Extinction Rebellion plant in kommenden zwei Wochen weltweit Aktionen.

  • Klima-Aktivisten von Extinction Rebellion starten Protestwochen
  • Demonstrationen in rund 60 Städten rund um den Globus


Update, 8.10.2019, 10.30 Uhr: Als wenn Boris Johnson zurzeit nicht andere Sorgen hätte. Jetzt hat sich der Brexit-geplagte Premier zu den Demonstrationen der Klima-Aktivisten von Extinction Rebellion geäußert. Und wie! Sie sollten mit ihren „nach Hanf riechenden Biwaks“ die Hauptstadt verlassen, sagte der Regierungschef am Montagabend bei der Vorstellung einer Biografie der früheren Premierministerin Margaret Thatcher.
Sicherheitsleute hätten ihn vor „unkooperativen Krustentieren“ gewarnt, die die Straßen vermüllten.

Schon Margaret Thatcher habe die Treibhausgase ernstgenommen - lange vor der 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, betonte Johnson. 

Unterdessen hat die britische Polizei Hunderte Klima-Aktivisten in London festgenommen. Bis zum späten Montagabend waren etwa 280 Demonstranten festgesetzt worden, die Straßen und Brücken blockiert hatten. Offizielle Angaben von Scotland Yard, wie viele Demonstranten sich in der britischen Hauptstadt aufhalten, gibt es nicht. 

Berliner Polizei setzt Räumung von Straßenblockade am Potsdamer Platz fort

Update, 8.10.2019, 09.45 Uhr: In Berlin hat die Polizei die Räumung einer Straßenblockade von Klimaaktivisten des Bündnisses Extinction Rebellion am zentralen Potsdamer Platz fortgesetzt. Die Teilnehmer würden aufgefordert, die Fahrbahnen zu verlassen, berichteten die Beamten auf Twitter. „Vereinzelt“ würden dabei Demonstranten auch weggetragen. 

Laut Extinction Rebellion besetzten mehrere hundert Demonstranten die Nacht über den Potsdamer Platz und den großen Verkehrskreisel an der Siegessäule im Tiergarten. An der Siegessäule hielten sich demnach 600 Teilnehmer auf. Am Potsdamer Platz bestand die Blockade den Aktivisten zufolge inzwischen nur noch aus Menschen, die sich mit speziellen Mechanismen etwa an einen Lastwagen und eine Kutsche gekettet hatten. Demnach waren Feuerwehrleute damit beschäftigt, diese Vorrichtungen zu lösen.

Aktivisten von „Extinction Rebellion“ besetzen die Zufahrten zum Großen Stern an der Siegessäule. 

Rund 300 Demonstranten, die in der Nacht in Schlafsäcken und Zelten auf dem Potsdamer Platz ausgeharrt hatten, hätten die Fahrbahn dagegen inzwischen verlassen, berichtete das Bündnis. Am Potsdamer Platz laufe zudem eine Mahnwache. Die Stimmung dort sei „friedlich“. 

Derweil haben Demonstranten ihre Blockade in der Pariser Innenstadt fortgesetzt. Wie der Nachrichtensender BFMTV berichtete, besetzten mehrere Hundert Aktivisten weiter einen zentralen Platz in der Nähe der Seine und eine Brücke. Von besonderen Vorfällen in der Nacht war keine Rede. In Australien protestierten unter anderem in Brisbane und Melbourne mehrere Hundert Menschen.

Extinction Rebellion: Carola Rackete spricht in Berlin

Update, 7.10.2019, 15.05 Uhr: Mit Straßenblockaden hat das Klimaaktionsbündnis Extinction Rebellion in Berlin seine Protestaktionen für mehr Klimaschutz gestartet. Ab dem frühen Morgen blockierten hunderte Aktivisten den Verkehrsknotenpunkt um die Siegessäule. Sie wollen dort nach eigenen Angaben bleiben, „bis die Bundesregierung den Klimanotstand ausruft“, sagte ein Sprecher des Bündnisses. 

Auf einer von den Aktivisten selbstgebauten Arche aus Holz hielt dort die in der Flüchtlingsrettung engagierte Kapitänin Carola Rackete eine Rede. „Die Zerstörung unserer Ökosysteme stellt für uns Menschen eine existenzielle Krise dar“, sagte sie. Die Demonstranten wollten den Verkehrsknotenpunkt mindestens die ganze Woche besetzen. Die Polizei machte noch keine Angaben dazu, wann sie die unangemeldete Blockade auflösen werde.

Aktivisten von „Extinction Rebellion“ blockieren die Horseferry Road in London.

Update, 7.10.2019, 12.00 Uhr: Nur Stunden nach Beginn des Klimaprotests der Gruppe Extinction Rebellion hat es in London am Montag bereits mehr als 20 Festnahmen gegeben. Darunter war auch eine 81-jährige, ehemalige Sozialarbeiterin aus Oxford. 

Extinction Rebellion startet Protestaktionen

Erstmeldung, 7.10.2019: Mit weltweiten Protestaktionen will das Klima-Aktionsbündnis Extinction Rebellion von heute an den Druck auf die Regierungen erhöhen, mehr gegen den Klimawandel zu tun. In den kommenden zwei Wochen plant die Gruppe Aktionen des zivilen Ungehorsams in rund 60 Städten rund um den Globus. Schwerpunkte sind Europa, Nordamerika und Australien, Proteste sind aber auch in Argentinien, Südafrika und Indien vorgesehen.

Extinction Rebellion war im vergangenen Jahr in Großbritannien gegründet worden. Das Aktionsbündnis hofft, allein in London 20.000 bis 30.000 Menschen für Blockaden rund um das Parlament und Regierungsgebäude zu mobilisieren. Auch in Berlin sind Aktionen geplant. Am Wochenende errichteten die Aktivisten dort in einer Grünanlage vor dem Kanzleramt bereits ein Zeltlager.

Was ist Extinction Rebellion? 

Das Bündnis will den Druck auf die Regierungen erhöhen, mehr gegen den Klimawandel zu tun. Die Gruppierung wurde im vergangenen Jahr in Großbritannien gegründet. Sie brachte bereits in London mit Blockaden stellenweise den Verkehr zum Erliegen. In Deutschland gibt es nach Angaben der Gruppe rund hundert Ortsgruppen, von denen zahlreiche erst im Aufbau und noch nicht aktiv sind. Weltweit gibt es demnach 485 Gruppen in 72 Ländern.

Was fordert Extinction Rebellion? 

Die Aktivisten in Deutschland rufen die Bundesregierung dazu auf, „die existenzielle Bedrohung der ökologischen Krise“ offenzulegen und den Klimanotstand auszurufen. Daneben sollten auch Medien und andere gesellschaftliche Institutionen kommunizieren, wie dringend ein Umsteuern in der Klimapolitik sei. Konkret fordert Extinction Rebellion, den von Menschen verursachten Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2025 radikal zu senken. Außerdem sprechen die Aktivisten sich dafür aus, Bürger bei Entscheidungen zum Klimaschutz stärker einzubeziehen.

Mit welchen Methoden protestieren die Aktivisten von Extinction Rebellion? 

Vor allem ist die Gruppe für Aktionen zivilen Ungehorsams bekannt. Im Berufsverkehr am Montagmorgen blockierten beispielsweise tausend Aktivisten den Berliner Verkehrsknotenpunkt an der Siegessäule. „Wir sind bereit, uns verhaften zu lassen und ins Gefängnis zu gehen“, erklärt die Gruppe auf ihrer Internetseite.

Extinction Rebellion: Was ist in den beiden Aktionswochen geplant? 

In Deutschland konzentrieren sich die Proteste auf Berlin. Rund um den Globus plant die Gruppe Proteste in rund 60 Städten. Schwerpunkte sind Europa, Nordamerika und Australien. Proteste sind aber auch in Argentinien, Südafrika und Indien vorgesehen. Das Aktionsbündnis hofft, allein in London 20.000 bis 30.000 Menschen für Blockaden rund um das Parlament und Regierungsgebäude zu mobilisieren.

Was unterscheidet Extinction Rebellion von Fridays for Future? 

Inhaltlich stehen die Gruppen einander nah und verweisen auch immer wieder aufeinander. So wollte auch die bekannteste deutsche Fridays-For-Future-Aktivistin Luisa Neubauer am Montag bei einer Veranstaltung von Extinction Rebellion eine Rede halten. Fridays For Future ist jedoch weniger für zivilen Ungehorsam und mehr für angemeldete Demonstrationen bekannt. Bislang konnte die Bewegung zudem in Deutschland weitaus mehr Menschen mobilisieren als Extinction Rebellion - zuletzt kamen im September mehr als eine Million bundesweit zu Demonstrationen. Die Fridays-For-Future-Aktivisten treten weniger radikal auf und sprechen dadurch mehr Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Familien mit Kindern an.

Was sagen Kritiker von Extinction Rebellion? 

Zu Beginn der Aktionswochen kam Kritik aus der Politik, etwa von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU). „Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr, das geht nicht“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Solche Aktivisten seien „dann auch kein Gesprächspartner“. Auch der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold kritisierte das Vorgehen von Extinction Rebellion, die mit Drohnen in London den Flugverkehr behindern wollten. „In keiner Demokratie darf man Veränderung durch Protest erzwingen - bei Drohnen am Flughafen gehen Proteste zu weit“, sagte er dem Blatt. (mit dpa/afp)

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