Kalter Krieg

Explosives Risiko

  • schließen

USA erwägen Abzug von Atombomben aus der Türkei.

Sie sind Überbleibsel des Kalten Krieges: Rund 50 US-amerikanische Atombomben des Typs B61 werden in unterirdischen Bunkern auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Südosttürkei verwahrt. Ende der 1960er Jahre wurden sie dort im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe eingelagert. Im Fall eines Angriffs des Warschauer Paktes sollten die Bomben von Kampfflugzeugen der USA und der Nato-Partner als taktische Atomwaffen gegen Ziele im Hinterland des Gegners eingesetzt werden.

Das Atomwaffenlager in der Türkei ist das größte von allen – und wird politisch zunehmend zum Problem, weil sich der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan von den Nato-Partnern ab- und Russland zuwendet. 2017 bestellte Erdogan in Moskau russische Luftabwehrraketen des Typs S-400, deren Installation in diesem Sommer begann. Die USA drohen der Türkei deshalb mit Sanktionen. Während der Raketenstreit ungelöst ist, erwägt die Türkei nun auch die Beschaffung russischer Kampfflugzeuge.

Nah am Kriegsschauplatz

Auch Erdogans Militäroffensiven gegen die Kurden im Nordirak ist umstritten. Sie könnte die Region in unabsehbare Konflikte stürzen. Atomwaffen so nah an einem Kriegsschauplatz zu lagern, ist riskant. Deshalb fordert jetzt der frühere US-General Chuck Wald, die Bomben aus der Türkei abzuziehen: „Angesichts des wachsenden Anti-Amerikanismus in der Türkei und Erdogans Annäherung an Russland müssen wir diese Waffen dringend verlegen“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg am Wochenende den Ex-General.

Seit längerem diskutieren Militärs, wie sicher die US-Atombomben in der Türkei noch sind. Wie die „New York Times“ berichtete, haben Experten des US-Außen- und des Energieministeriums Mitte Oktober über Pläne beratschlagt, die Atombomben aus Incirlik abzuziehen. Das Treffen war eine Reaktion auf Präsident Donald Trumps Entscheidung, die US-Truppen aus Nordsyrien abzuziehen. Er gab damit Erdogan freie Hand für seine Militäroffensive gegen die syrischen Kurden.

Die Türkei hat ihren Vormarsch zwar vorerst gestoppt. Aber entschärft ist der Konflikt nicht. Incirlik liegt nur 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Sollte sich die türkische Invasion in Nordsyrien zu einem Flächenbrand ausweiten, könnte wohl niemand für die Sicherheit der Atombomben in Incirlik garantieren.

Auch gibt es die Befürchtung, Erdogan könnte bei einem Bruch der Beziehungen zu den USA versuchen, sich der Bomben zu bemächtigen. Der türkische Staatschef macht keinen Hehl daraus, dass er Atomwaffen will: „Einige Länder haben Raketen mit nuklearen Sprengköpfen, aber uns sagen sie, wir dürfen keine haben“, beklagte er im September auf einem Wirtschaftsforum im zentralanatolischen Sivas und bekräftigte: „Das kann ich nicht akzeptieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion