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Selfie vom Europakonvent der SPD - ob das Teil der digitalen Strategie für die SPD ist? Andrea Nahles, Manuela Schwesig und Malu Dreyer.

Porträt

Experte für digitalen Wahlkampf

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Der Niedersachse Michael Rüter leitet die SPD-Kampagne.

Nein, sein Geburtsjahr macht Michael Rüter nicht zu einem „Digital Native“. Im gänzlich analogen Jahr 1963 hat er das Licht der Welt erblickt. Aber Rüter, der als technischer Leiter die Kampagne der SPD für die Europawahl am 26. Mai verantwortet, hat verstanden, dass die Welt sich weiterdreht. Und er ist überzeugt, dass Parteien an ihrer Kommunikation im Netz arbeiten müssen, um junge Wähler zu erreichen.

So überzeugt, dass er der SPD nun den ersten digitalen Europawahlkampf verpasst, der diesem Namen gerecht werden soll. Um den Faktor 80 hat der 55-Jährige das Budget für die sozialen Medien erhöht. Standen bei der letzten Europawahl knapp 20.000 Euro für Facebook, Twitter, Instagram und Co. zur Verfügung, sind es dieses Mal 1,6 Millionen.

Da das Gesamtbudget mit rund elf Millionen Euro stabil bleibt, musste Rüter in den Etats umschichten. In der klassischen Kampagne gab es spürbare Einschnitte. Nicht jeder ist darüber glücklich, aber der Wahlkampfchef hält den Schritt für unverzichtbar, um eine junge und europaaffine Wählerklientel zu erreichen. „Perspektivwähler“ nennt Rüter sie.

Michael Rüter blickt auf eine lange SPD-Karriere zurück. Seit 2018 leitet er die Europakampagne.

Auf deren Bedürfnisse ist auch die Bildsprache der Kampagne zugeschnitten. Einfache Botschaften, Schnappschussperspektiven, warme Farben. Ein Kind am Wasser und das Schlagwort „Klimaschutz“, junge Leute vor dem Pariser Eiffelturm und das Schlagwort „Miteinander“. Dazu der Claim der Kampagne in Form eines Hashtags: #EuropaistdieAntwort.

Die SPD setzt auf eine positive Ansprache. Der Wahlkampf soll gute Laune machen. „Wir haben aus den Fehlern der Bundestagswahl gelernt“, sagt Rüter. Ob diese Form der Kampagne auch bei alteingesessenen SPD-Sympathisanten – Rüter nennt sie „Klassikwähler“ – verfängt, muss sich erst zeigen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat der Chefstratege auch klassische Wahlkampfgeschenke wie Kugelschreiber, Luftballons, Feuerzeuge und Gummibärchen im Katalog.

Frühzeitig sind die Materialien bestellbar, damit die Genossen in den Ortsvereinen auch genügend Zeit haben, mit ihnen auf Stimmenfang zu gehen. Besonders beliebt in diesem Jahr: kleine süße Minzbonbons mit der Schachtelaufschrift „I love Europe“.

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