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Verwaiste Innenstädte - Ist es bald wieder soweit?
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Verwaiste Innenstädte - Ist es bald wieder so weit?

Herdenimunität nicht erreichbar

Experte schließt Corona-Lockdown nicht mehr aus

Die Corona-Lage in Deutschland droht sich im Herbst wieder zuzuspitzen. Das exponentielle Wachstum sei voll im Gange, sagt ein Experte.

Saarbrücken - Die aktuellen Corona-Lage lässt den Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr pessimistisch in die Zukunft blicken. Er sieht keine Chance für das Erreichen einer Herdenimmunität in Deutschland. „Ich glaube nicht, dass sie erreichbar ist.“ Dafür gebe es unter anderem viel zu wenig Impfungen und Impfbereitschaft, sagte der Experte für Corona-Prognosen der dpa in Saarbrücken. 85 Prozent der hier lebenden Menschen müssten für eine Herdenimmunität und somit eine erfolgreiche Eindämmung der Pandemie geimpft oder genesen - also immun - sein.

Lehr sieht stattdessen eine neue Welle auf Deutschland zurollen. „Das exponentielle Wachstum ist voll im Gange. Und die Zahlen werden jetzt weiter steigen“, sagte er nach seinen Berechnungen. Gehe das Wachstum so weiter, wie aktuell, sei Ende September eine Inzidenz von 150 zu erwarten. „Wir würden also bis dahin ein Verzehnfachung der Inzidenz sehen. Das muss man schon als neue Welle bezeichnen“, sagt Lehr, der zusammen mit anderen Forschern ein Covid-19-Simulationsprojekt betreibt.

Coronavirus: Zahl der Impfungen geht massiv zurück

Eine Abbremsung bringen könnten sicherlich Impfungen, aber die Zahl der Impfungen gehe momentan „wirklich massiv zurück“, sagte er. Vor allem die der Erstimpfungen. In Deutschland ist rund die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft.

Ganz wichtig werde nun der niederschwellige Zugang zu Impfangeboten sein: „Der Berg muss auch mal zum Propheten kommen.“ Zudem müsse man auch „in Gruppen reingehen“, die noch nicht geimpft worden seien - wie die 12- bis 15-Jährigen. Zwischen 60 und 70 Prozent aller neuen Infektionen betreffen laut Lehr die 15- bis 35-Jährigen. Die ansteckendere Delta-Variante mache insgesamt fast 90 Prozent der Fälle aus. Lehr sagte, er sehe bei steigender Inzidenz eine „relativ große Gefahr, dass sich Durchbruchvarianten entwickeln könnten“.

Coronavirus: Nicht sämtliche Maßnahmen lockern

Aber: Selbst wenn das Impftempo jetzt wieder Fahrt aufnähme, würde das wegen des zeitlichen Verzugs - also bis die Impfungen voll wirkten - derzeit nicht stark weiterhelfen. „Deshalb sollten wir vor allem zusehen, dass wir nicht sämtliche Maßnahmen lockern“, sagte der Experte. Man sollte Grundregeln und die Maskenpflicht beibehalten - und auf keinen Fall wie in Großbritannien alle Maßnahmen über Bord werden. „Die Krankenhausbelegungen sind dort bereits dramatisch gestiegen. Es wird da noch drastisch werden.“

Auch in Deutschland rechnet Lehr mit einem erneuten Anstieg der Krankenhausbelegungen mit Covid-Patienten. „Wir sehen das schon in manchen Bundesländern.“ Sicherlich gebe es eine Verschiebung zu Patienten, „die nicht ganz so schnell sterben». Aber es bleibe dabei, dass sie wahrscheinlich einen schweren Verlauf haben werden. Und: Es werde auch unter den jüngeren Patienten mehr Todesopfer geben.

Bundestagswahl beeinflusst Corona-Politik

Es gehe nicht darum, Panik zu verbreiten, betonte der Professor. „Es geht uns darum, aufzurütteln und aufzuklären.“ Denn es liege in der Verantwortung eines jeden Einzelnen. „Das ist ja keine Sintflut, die über uns kommt und an der wir nichts ändern können. Wir haben selber in der Hand, was passiert. Deswegen müssen wir schauen, dass wir diesen Sommer nicht wieder verschlafen wie den letzten Sommer.“

Er sei für das Festhalten an der Sieben-Tage-Inzidenz als Wert für die Bewertung der Corona-Lage. Sie zeige das Infektionsgeschehen und die Viruslast in der Bevölkerung. Der Faktor der Hospitalisierung trete zeitverzögert zu den Fällen auf.

Lehr sagte, er habe bisher geglaubt, dass Deutschland ohne Lockdown durch die vierte Welle komme. „Ich bin mir inzwischen nicht sicher, ob wir nicht irgendwelche Maßnahmen brauchen.“ Es hänge auch sehr viel von der Politik ab. „Es ist Bundestagswahl im September. Ich glaube, die Bundestagswahl wird mit unschönen Inzidenzen in Kombination kommen.“

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