+
Muss am Wahlabend bangen: Thomas Kemmerich (Mitte).

FDP

FDP am Existenzminimum

  • schließen

Im Ringen um den Einzug in den Thüringer Landtag ging es für die FDP mit Spitzenkandidat Thomas Kemmerich um jede einzelne Stimme.

Es brandet Jubel auf im Hans-Dietrich-Genscher-Haus in Berlin, als das ZDF um 18 Uhr in der ersten Prognose die FDP klar im Landtag sieht. Wenige Sekunden später wird es schlagartig still, als die Zahlen der ARD folgen, die schmerzlich knapper sind. Parteichef Christian Lindner wird bald darauf sagen: FDP, das sei eben nichts für Leute mit schwachen Nerven. Und: „Bei einer gestiegenen Wahlbeteiligung haben wir unser Ergebnis deutlich ausgebaut.“ Das sei „ein toller Erfolg“. Applaus. Alle in der FDP wollen jetzt einen Erfolg, auch wenn er noch nicht sicher ist.

Lange vor Sonntagabend, 18 Uhr, war klar: Für die FDP würde es bei dieser Wahl einmal mehr um die eine große Frage gehen, ob sie den Einzug in den Landtag schafft oder nicht. In zwei anderen ostdeutschen Bundesländern, Brandenburg und Sachsen, war die Partei Anfang September an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Auch das Ergebnis von gerade mal 5,4 bei der Europawahl im Mai war ernüchternd. Lindner musste jetzt also auf einen Erfolg in Thüringen hoffen.

Denn seine einstige Allmacht in der FDP bröckelt mal mindestens seit einigen Monaten. Der lange gefeierte Superstar, der die Partei in der außerparlamentarischen Opposition am Leben gehalten hatte, führte sie zurück in den Bundestag – und bekam dafür viel Dankbarkeit und Loyalität. Bis unter seiner Führung die Jamaika-Verhandlungen nach der Bundestagswahl scheiterten. Seitdem sind Erfolge rar.

In Thüringen kämpfte der 54 Jahre alte Unternehmer Thomas Kemmerich um Aufmerksamkeit für sein FDP-Trüpplein – und das durchaus originell. „Endlich eine Glatze, die in Geschichte aufgepasst hat“: Mit diesem Slogan ließ sich der kahle Besitzer einer Friseurkette plakatieren. Oder, genauer gesagt: mit seinem Hinterkopf. Und er legte ein Programm vor, zugeschnitten auf die ostdeutschen Länder. Das schien weit genug weg von Lindner und Jamaika.

„Wenn die FDP ins Parlament kommt, haben Rot-Rot-Grün und Ramelow definitiv keine Mehrheit mehr“, hatte Kemmerich vor der Wahl gesagt. Es war dieselbe Botschaft, die auch Christian Lindner bei Auftritten in Thüringen immer wieder herausgestellt hatte: Eine Stimme für die FDP sei wichtiger als eine für die CDU. Die FDP, die eigentlich nie mehr ein Anhängsel von irgendwem sein wollte, hat in Thüringen unter der Regie Lindners so stark taktisch um Wähler geworben wie lange nicht mehr.

Am Wahlabend wird Kemmerich gefragt, ob die FDP im Fall ihres Einzugs ins Parlament ob der schwierigen Mehrheitsverhältnisse auch für eine Regierung mit der Linken bereitstünde. Er schließt das – wie auch Lindner – aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion