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Teheraner Regime

Exil-Iraner hoffen auf Trump

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In Paris sehnen Zehntausende Gegner der Teheraner Regierung den Sturz der Machthaber herbei.

Die Lage ist noch immer ernst für die im Exil lebenden Iraner. Aber sie ist alles andere als hoffnungslos. Der Nationale Widerstandsrat des Iran, der die Exilgemeinde einmal jährlich unweit von Paris zusammentrommelt und sie auf den Sturz des Teheraner Regimes einschwören lässt, hat Grund zur Genugtuung. Dario findet gar, „dass der Tag gekommen ist, um zu feiern“.

Für ausgelassene Fußballfans könnte man den 25-jährigen Iraner und seine aus Thüringen angereisten Kumpels halten. Sie scherzen, lachen, singen, trommeln, schwenken das iranische Löwenbanner. „Wir sind nicht mehr allein“, erläutert Dario den Grund der Ausgelassenheit. Die Worte des Mannes gelten weniger den Zehntausenden von Landsleuten, die sich in einem nicht enden wollenden Menschenstrom dem Messegelände Villepinte entgegenschieben, als den neuen Verbündeten des iranischen Widerstandsrates.

Vor ein paar Jahren noch stand der politische Arm der Volksmudschaheddin auf der schwarzen Liste mutmaßlicher Terrororganisationen. Nun ist die mit Abstand schlagkräftigste iranische Oppositionsbewegung nicht nur salonfähig geworden. Sie weiß sich auch noch im Bunde mit dem US-Präsidenten Donald Trump, dem saudischen Königshaus und anderen Golfmonarchien, die das Mullah-Regime international isolieren, schwächen und stürzen wollen. Und was Dario am meisten freut: Die Alliierten zeigen beim Pariser Jahrestreffen Flagge.

Widerstandsrat fordert mehr Hilfe von der EU

Newt Gingrich betritt die Bühne der Messehalle fünf. Der Trump-Vertraute, der auch schon als US-Vizepräsident im Gespräch war, preist den Widerstandsrat als weltlich ausgerichtete Bewegung, die sich der Freiheit verpflichtete fühle. Der ehemalige Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses verkündet: „Die Befreiung des Iran steht auf der Agenda der US-Regierung.“ Danach tritt der saudische Prinz Turki bin Faisal Al Saud ans Mikrofon. Mit undurchdringlicher Miene schildert der 72-Jährige die Gräueltaten der Teheraner Theokraten, berichtet von Massakern an iranischen Oppositionellen.

Dass die Opposition in seinem Land auch kein leichtes Los hat, spart der langjährige Geheimdienstchef des Königreichs aus. Dass der Iran, ganz gleich, wer in Teheran regiert, als Rivale um die Vorherrschaft in der Region in Riad wenig Sympathien genießt, sagt der Prinz auch nicht.

Maryam Rajavi, seit 1993 Vorsitzende des Widerstandsrates, sieht sich bereits kurz vor dem Ziel. Der Sturz der Mullahs und des Präsidenten Hassan Rohani sei „zum Greifen nah“, versichert die Iranerin. Sie verweist auf wachsende wirtschaftliche Nöte der Machthaber, die in Syrien an der Seite Russlands einen kostspieligen Krieg finanzieren würden, während das eigene Volk darbe. Rajavis Gefolgsmann Javad Dabiran hofft auf weiteren Beistand. Die EU fehle noch im Bunde, sagt der Iraner, der zur deutschen Vertretung des Widerstandsrates zählt. Auch sie solle die Teheraner Führung ächten, anstatt Gespräche und Geschäfte zu suchen.

Fragt sich noch, wie weit die Beistandserklärungen aus Washington letztlich tragen, wie verlässlich die bisher mehr spontanen Eingebungen als schlüssigen Strategien folgende Außenpolitik des US-Präsidenten ist.

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