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KZ Stutthof bei Danzig.

KZ Stutthof

Ex-KZ-Wächter nicht verhandlungsfähig

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Stutthof-Prozess wird wohl eingestellt werden.

Seit November 2018 muss sich der 95-jährige Johann R. wegen der Beihilfe zum Mord in Hunderten Fällen vor dem Landgericht Münster verantworten. Er gehörte 1942 bis 1944 zur Wachmannschaft des KZ Stutthof bei Danzig. Ein Gutachter hält ihn nicht mehr für verhandlungsfähig. Die Richter müssen nun über die Einstellung des Verfahrens entscheiden.

Das Verfahren gegen den früheren SS-Wachsoldaten im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig, den 95-jährigen Johann R. aus dem Landkreis Borken, wird voraussichtlich im März endgültig eingestellt. Prozessbeginn war November 2018. R. muss sich vor der Jugendkammer verantworten, weil er zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt war.

Die Kammer hatte die Hauptverhandlung im Dezember 2018 mit Blick auf die vorübergehende Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten ausgesetzt und ein medizinisches Sachverständigengutachten angefordert. Das liegt nun vor. Darin nimmt der Sachverständige, der den Angeklagten dreimal untersucht und zahlreiche Krankenunterlagen ausgewertet hat, ausführlich zu der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten Stellung, so Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus. Nach Auffassung des Mediziners liegen derzeit keine Voraussetzungen für eine weitere Verhandlung vor. Durch seine schwere Herzerkrankung und fortschreitenden körperlichen und kognitiven Einschränkungen sei R. nicht mehr in der Lage, einem Strafprozess in angemessenem Maße zu folgen. Die Herzschädigung sei nicht reversibel, „so dass die Verhandlungsunfähigkeit des 95-jährigen Angeklagten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dauerhaft fortbestehen“ werde. Die Kammer beabsichtigt nun eine Verfahrenseinstellung wegen eines Verfahrenshindernisses, so Vahlhaus. Er rechnet mit der endgültigen Entscheidung für Mitte März 2019.

Johann R. gehörte zur 3. Kompanie des SS-Totenkopfsturmbanns, die die Wachmannschaft des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig stellte. Überlebende schilderten grauenvolle Dinge, die dort mit Gefangenen gemacht wurden. Häftlingen wurde Benzin oder Phenol ins Herz gespritzt, die Menschen wurden vergast oder ertränkt oder von Hunden totgebissen.

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