Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kriegsverbrechen

Ratko Mladic: Gericht bestätigt lebenslange Haft gegen „Schlächter von Srebrenica“

  • VonThomas Roser
    schließen

Das UN-Tribunal in Den Haag bestätigt das Urteil gegen den berüchtigten „Schlächter von Srebrenica“. Ratko Mladic bleibt lebenslang in Haft.

Update, 16.21 Uhr: Im Berufungsverfahren des wegen Völkermordes verurteilten früheren bosnisch-serbischen Armeechefs Ratko Mladic hat das UN-Tribunal in Den Haag in letzter Instanz das Urteil gegen den serbischen EX-General bestätigt. Mladic war 2017 wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica sowie weiterer Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der als „Schlächter von Bosnien“ bekannt gewordene Mladic legte Berufung ein und forderte einen Freispruch.

Update vom Dienstag, 08.06.2021, 15.30 Uhr: In Kürze urteilt das UN-Tribunal in der Berufung über den serbischen Ex-General Ratko Mladic. In erster Instanz war Mladic unter anderem für den Völkermord in Srebrenica 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mladic gilt wegen schlimmster Verbrechen mit zehntausenden Toten im Jugoslawien-Krieg als „Schlächter des Balkan“.

Ratko Mladic: „Schlächter von Srebrenica“ droht die Höchststrafe

Erstmeldung vom Montag, 07.06.2021: Den Haag - Massenmorde und unfassbare Verbrechen pflasterten seinen blutigen Weg. Über ein Vierteljahrhundert nach Ende des Bosnienkriegs (1992 bis 1995) wird der betagte Ex-General Ratko Mladic am heutigen Dienstag (08.06.2021) noch einmal im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stehen: Der Höchststrafe einer lebenslangen Haft wird der 78-jährige Ex-Kommandant der bosnisch-serbischen Streitkräfte (VRS) kaum entrinnen können.

Mit einer halbstündigen Verzögerung wird die Urteilsverkündung im Berufungsverfahren aus dem mit Panzerglas gesicherten Sitzungssaal im früheren UN-Tribunal in Den Haag übertragen. Ob der ihm zur Last gelegte Völkermord an mehr als 8000 bei systematischen Massenerschießungen hingerichteten Bosniaken in Srebrenica oder die blutige Belagerung von Sarajevo: Gewissensbisse hatte der jahrelang flüchtige und erst 2011 verhaftete Kriegsscherge während seines jahrelangen Prozesses nie offenbart.

Ex-General Ratko Mladic vor dem UN-Tribunal in Den Haag.

Ratko Mladic: Nationalistische Anhängern verehren ihn

Er habe nur seine „Pflicht getan“ und sein Land verteidigt, rechtfertigte Mladic während seines Prozesses die von seinen Truppen begangenen Untaten. Seine verspätete und überfällige Verurteilung dürfte das zerrissene Bosnien kaum versöhnen. Während die Angehörigen seiner Opfer dem erwarteten Schuldspruch des „Schlächters von Srebrenica“ ungeduldig entgegenfiebern, wird Mladic von nationalistischen Anhängern in Bosnien und Serbien noch stets als Held verehrt – und verherrlicht.

Es war Serbiens heutiger Staatschef Aleksandar Vucic, der 2007 in Belgrad persönlich ein dem ermordeten Reformpremier Zoran Djindjic gewidmetes Straßennamenschild mit der Aufschrift „Boulevard Ratko Mladic“ überklebte. Inzwischen versichert er, die Kriegsopfer anderer Nationen zu respektieren. Nach der Verurteilung seines einstigen Idols in erster Instanz rief Vucic 2017 seine Landsleute dazu auf, „in die Zukunft zu blicken“ und „nicht in den Tränen der Vergangenheit zu ersticken“.

Massaker von Srebrenica
OrtSrebrenica
Datum11. Juli 1995 bis 22. Juli 1995
OpferMehr als 8000 Bosniaken
UN-KlassifizierungGenozid

Jahrelang entzog sich der Kriegsverbrecher Ratko Mladic der Justiz

Lange hatte Serbien dem vom UN-Tribunal noch vor Ende des Bosnienkriegs 1995 angeklagten Kriegsverbrecher offenen Schutz gewährt. Bis 2002 konnte sich Mladic in Belgrad relativ frei bewegen. Danach entzog sich der abgetauchte Justizflüchtling mit Hilfe der Sicherheitsdienste und eines verschwiegenen Helfernetzwerks jahrelang erfolgreich seinen Häschern.

Erst 2011 wurde er im Dorf Lazarevo im Haus seines Vetters verhaftet: Seine von heftigen Protesten begleitete Auslieferung öffnete Serbien den lange blockierten Weg zu Betrittsverhandlungen mit der EU. Bei seinen Auftritten vor dem EU-Tribunal machte der einst so selbstbewusst und herrisch auftretende Ex-General einen oft fahrigen und patzigen Eindruck. Vergeblich mühten sich seine Verteidiger und seine Familie in den vergangenen Jahren, mit der Begründung auf seinen schlechten Gesundheitszustand seine vorläufige Freilassung aus der Untersuchungshaft zu erwirken.

Ratko Mladic ist einer der größten Massenmörder seit dem Zweiten Weltkrieg

Unbekannt ist noch, in welchem Gefängnis und Land Mladic nach seiner erwarteten Verurteilung seine Strafe verbüßen und den Rest seines Lebens fristen soll. Doch egal, wie schnell er in die Vergessenheit der Weltöffentlichkeit gerät, ein Platz in den Geschichtsbüchern ist Mladic gewiss – als einer der größten Massenmörder in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. (Thomas Roser)

Rubriklistenbild: © PETER DEJONG/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare