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Europol-Warnung: Europa droht weiterhin Gefahr durch Terrorismus

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Von: Constantin Hoppe

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Die Terrorismusgefahr in Europa ist nach einem Europol-Bericht nach wie vor groß. Die Gefahr geht nicht nur von Dschihadisten aus.

Den Haag – Radikale Gruppen aus fast allen religiösen oder politischen Richtungen missbrauchen nach Beobachtung von Fachleuten von Europol die Corona-Pandemie als Rechtfertigung für Extremismus und Propaganda. Das geht aus dem EU-Terrorismus-Bericht 2022 hervor, den Europol am Mittwoch in seinem Hauptquartier in Den Haag vorlegte.

Die größte Gefahr geht dabei nach Angaben des europäischen Polizeiamts nach wie vor von Einzeltäter:innen mit dschihadistischen oder rechtsextremistischen Hintergrund aus. Gefahren drohen Europa jedoch auch von Gegner:innen der Corona-Maßnahmen und Auswirkungen des Ukraine-Krieges, so die Fachleute.

Europol: Terroristische Anschläge haben 2021 in Europa stark abgenommen

Im Jahr 2021 registrierten die Ermittler:innen 15 Anschläge mit terroristischem Hintergrund, darunter auch gescheiterte und vereitelte Versuche. Deutlich weniger als noch im Jahr 2020, mit 57 Anschlägen. 388 Verdächtige wurden festgenommen, zwei Drittel wegen mutmaßlicher islamistischer Attacken in Österreich, Frankreich und Spanien. 2020 waren es 449 Festnahmen, 2019 sogar 723, ist dem Bericht zu entnehmen.

Terror in Paris 2015
Rettungskräfte versorgen im November 2015 die Opfer nach den Terror-Anschlägen in Paris. 130 Menschen wurden damals getötet. © Jacques Brinon/AP/dpa

Doch Grund zur Sorge besteht für Europol mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie. Während der Pandemie konnten sich Einzelgänger:innen noch leichter radikalisieren oder sogar für terroristische Taten rekrutiert werden. „Durch soziale Isolation und mehr Zeit online, verstärkten sich die Risiken von gewalttätiger, extremistischer Propaganda und terroristischen Inhalten gerade bei jungen Leuten und Minderjährigen“, heißt es in dem Bericht.

Terrorgefahr: Europol blickt auf extremistische Gegner der Corona-Maßnahmen und Ukraine-Heimkehrer

Viele Gruppen hätten die Pandemie zudem für ihre Propaganda genutzt: Verschwörungstheorien über den Ursprung von Covid-19, Falschinformation über Impfungen und die Unterstellung von Massen-Überwachungen durch die Behörden, nennt der Bericht als Beispiele.

Zu spüren ist das auch in den Zahlen des Berichts: In mehreren EU-Staaten wurden Gewalttaten von extremistischen Corona-Gegnern registriert. Das reichte von offenen Bedrohungen bis zu Gewalt gegen Politiker, Regierungsvertreter, Polizisten, Mitarbeiter des Gesundheitssystems oder Test- und Impfzentren.

Risiken sehen die Fachleute jedoch auch durch die Entwicklungen des Ukraine-Krieges: Es hätten sich bereits Extremisten aus den EU-Staaten den Kämpfern auf beiden Seiten angeschlossen. Von heimkehrenden Kämpfern könnte eine Gefahr ausgehen, erklärt Europol. Beispiele dafür gibt es aus den letzten Konflikten im Nahen Osten. Nach dem Bericht ist auch online mit einer Zunahme von extremistisch-gewalttätigen Reaktionen zu rechnen. (con/dpa)

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