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Europäisches Karussell mit Weitblick

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Von: Peter Rutkowski

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Polen wartet auf die deutschen Panzer

Unheroisch ist das ganz bestimmt, aber vielleicht gerade deshalb umso sinnvoller. Das Prinzip des Ringtauschs. Das, was immer häufiger der deutschen Regierung vorgeworfen wird – ihr Zögern bezüglich Russland mit Blick auf mögliche gute Geschäfte mit selbigem – kann beim Ringtausch westlicher gegen östliche Waffen mit der Ukraine von strategischem Weitblick zeugen.

Zuerst, damals, vor 153 Tagen nun, da kam die Idee auf, alte Ostblockbestände in Nato-Arsenalen den um Waffen bettelnden Ukrainern zu überlassen. Sie extra ausbilden bräuchte man ja nicht. Je deutlicher wurde, dass der Kreml in seiner „Spezialoperation“ in der Ukraine nur eine erste Etappe einer ganzen imperialen Kampagne nach Westen hin sah, umso zögerlicher wurden vor allem die östlichen Frontstaaten – Baltikum, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Bulgarien... – ihre Waffenkammern komplett leerzuräumen. Die in vielen dieser Länder sowieso mittelfristig projektierte Modernisierung sollte dann eben früher kommen. Nach dem Prinzip: Wir geben Kiew unser Ostblock-Gerät, und Ihr, der Westen, gebt uns modernes Material. Gesagt, aber noch nicht getan.

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sagte am Dienstag in der Tschechischen Republik, die Verhandlungen über die Tauschaktion zwischen Berlin und Prag stünden kurz vor dem Abschluss. Polen drängt derzeit noch mehr auf deutsche „Leopard“ für ihre veralteten T-72, die in die Ukraine sollen. Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bremst auf dem Portal „Zeit Online“: Nächstes Jahr erst könne man 20 Panzer übergeben, später würden dann weitere folgen. Das bedeutet für die osteuropäischen Partner banges Warten bei steigender Gefahr einer russischen Aggression. Widersteht aber die Ukraine – und danach sieht es derzeit aus –, sind dort russische Kräfte gebunden. Am Ende könnte eine besser gerüstete Ukraine da stehen. Und hinter ihr könnte eine Phalanx von EU- und Nato-Mitgliedern mit einheitlicher Bewaffnung und integrierter Logistik stehen. Dann müsste der Kreml sich eine völlig neue Strategie ausdenken. mit afp/dpa

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