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Das FCAS soll ab 2040 einsatzfähig sein und kann nicht nur Kampfflieger, sondern auch Drohnen und Satelliten steuern.

Le Bourget

Europäischer Standpunkt für europäische Waffen

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Bei der Luftfahrtschau in Le Bourget demonstrieren Franzosen und Deutsche Einigkeit.

Wenn ein Thema Chefsache ist, kommt der Chef auch persönlich. So ließ es sich Präsident Emmanuel Macron am Montag nicht nehmen, zum Start der weltgrößten Luftfahrtmesse im Pariser Vorort Le Bourget mit auf der Bühne zu stehen, als das Modell eines neuen europäischen Kampfflugzeugs enthüllt wurde – in praller Sonne und untermalt von kräftigen Rhythmen. Dem Spektakel entsprechend sagte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, dies sei ein „großer Tag für die europäische Verteidigungsunion“.

Gemeinsam mit ihren Amtskolleginnen aus Frankreich und Spanien, Florence Parly und Margarita Robles, unterzeichnete sie ein Rahmenabkommen, um das milliardenschwere Rüstungsvorhaben eines Luftkampfsystems der Zukunft zu organisieren. Dieses „Future Combat Air System“ (FCAS) soll ab 2040 die französischen Rafale-Jets und die deutschen Eurofighter ablösen. Federführend bei der Herstellung sind die beiden konkurrierenden Flugzeughersteller Airbus und Dassault Aviation. Ein erster Prototyp ist für 2026 avisiert.

Es handelt sich nicht nur um ein technologisches Großprojekt, sondern vor allem auch um ein politisches, gilt es doch als konkretes Bekenntnis zur verstärkten deutsch-französischen Achse. Lanciert hatten es Bundeskanzlerin Angela Merkel und Macron im Juli 2017 beim deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrat; seither ging Macron noch weiter mit der Forderung nach einer europäischen Armee. Ziele waren, Europas Autonomie in Sicherheits- und Verteidigungsfragen zu verstärken und da auch weniger von den USA abzuhängen. Geplant sei „ein europäisches Flugzeug für die Europäer, unabhängig von amerikanischen Technologien“, sagte Éric Trappier, Chef der Dassault Aviation. Auch um weitere europäische Partner war geworben worden, auch um diese von einem Kauf des US-Jägers F-35 abzubringen. Nun ist Spanien offiziell mit im Boot. Während Frankreich beim Bau des FCAS die Führungsrolle innehat, soll Deutschland die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfpanzers vorantreiben.

Bei dem Luftkampfsystem wird es sich um ein fortgeschrittenes Kommunikationsnetz für die Verbindung des Flugzeugs, der begleitenden Drohnen, Satelliten und Bodenstationen handeln. Die Kosten dafür schätzen Experten auf acht Milliarden Euro, für Beschaffung und Betrieb 100 Milliarden. Bis Ende 2020 soll eine Konzeptstudie für 65 Millionen Euro stehen. Vor zwei Wochen gab der Haushaltsausschuss des Bundestags dafür den deutschen Anteil von 32,5 Millionen frei.

Die deutsch-französische Einigung wurde vor dem Hintergrund des diplomatischen Streits erzielt, der in den vergangenen Monaten über den Verkauf von gemeinsam entwickelten Rüstungsgütern entbrannt ist. Die deutsche Entscheidung, seit dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi Lieferungen nach Saudi-Arabien zu blockieren, irritiert die Franzosen. Aus ihrer Botschaft in Berlin wurde geunkt, Deutschland sei „unberechenbar“. In Frankreich wurde über moralische Bedenken kaum diskutiert. Im Aachener Vertrag, den Macron und Merkel im Januar unterzeichneten, ist nun von einem „gemeinsamen Ansatz für Rüstungsexporte“ die Rede; von der Leyen warb jetzt in Le Bourget für einen „gemeinsamen europäischen Standpunkt“.

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