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Zwei Mädchen am Tor einer improvisierten Moschee im Ledine-Viertel von Belgrad.

Zuwanderung

Europa bleibt attraktiv für Muslime

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Selbst wenn kein einziger weiterer muslimischer Flüchtling mehr käme, würde die Zahl der Muslime in Europa steigen, zeigt eine Studie. Sie belegt auch, wie stark die Konflikte im Mittleren Osten nach Europa hineinwirken.

In Europa leben mehr und mehr Muslime, vor allem in Mittel- und Westeuropa. Das gilt auch für Staaten wie Deutschland, Österreich und Italien, die sich lange Zeit nicht als Einwanderungsländer begriffen. Die Ressentiments gegen Muslime wachsen ebenfalls in vielen Ländern, nicht zuletzt sie haben Rechtspopulisten zum Erfolg verholfen. Wie aber wird sich die muslimische Bevölkerung in Europa entwickeln?

Dieser Frage ging das renommierte Pew-Forschungsinstitut in Washington in einer Studie nach, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht wird und der Frankfurter Rundschau vorliegt. Pew entwickelt darin drei Szenarien für das Jahr 2050 und prognostiziert, dass die Zahl der Muslime in Europa auf jeden Fall steigen wird, selbst wenn ab sofort kein einziger weiterer muslimischer Migrant oder Flüchtling mehr käme.

25,8 Millionen Muslime lebten 2016 in Europa

Grundlage für die Szenarien waren Daten aus den einzelnen europäischen Ländern und europäischen Institutionen wie Eurostat, die Mitte 2016 vorlagen. Auch die Schweiz und Norwegen wurden berücksichtigt, obwohl sie nicht zur EU gehören. 2016, also nach der Ankunft vieler Flüchtlinge, lebten in Europa knapp 25,8 Millionen Muslime – das entspricht einem Anteil von 4,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die meisten Muslime in Mittel- und Westeuropa leben in Frankreich (8,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung), gefolgt von Schweden (8,1), Belgien (7,6), den Niederlanden (7,1), Großbritannien (6,3) und Deutschland (6,1). Auffallend ist, wie niedrig der Anteil von Muslimen in den osteuropäischen und baltischen Staaten ist – mit Ausnahme von Bulgarien, wo schon immer viele Muslime lebten.

Als muslimische Migranten werden in der Studie alle Muslime definiert, die in die jeweiligen Länder kommen, also reguläre Zuwanderer, aber auch Flüchtlinge. Selbst bei dem – sehr unwahrscheinlichen – Szenario, das davon ausgeht, dass Europa seine Grenzen abriegelt und dauerhaft gar keine Muslime mehr kommen, wächst die muslimische Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf insgesamt 7,4 Prozent. „Der Grund dafür ist, dass Muslime jünger sind und im Durchschnitt mehr Kinder bekommen als andere Europäer“, so die Autoren. Allerdings weisen sie darauf hin, dass präzise Berechnungen unmöglich sind, weil Zuwanderung stark von den wirtschaftlichen Bedingungen in den Herkunftsländern und der Einwanderungs- und Asylpolitik in Europa abhängt. Auch Empfehlungen an die Politik gibt Pew bewusst nicht.

Im zweiten Modell nehmen die Autoren an, dass keine Flüchtlinge mehr, aber andere Migranten nach Europa kommen. Für dieses mittlere Szenario prognostizieren sie einen Anstieg der muslimischen Bevölkerung auf 11,2 Prozent. In Szenario drei würden so viele Menschen nach Europa flüchten wie in den Jahren 2014 bis 2016 und auch andere Migranten einreisen, dann stiege der Anteil der muslimischen Bevölkerung auf 14 Prozent. Für Deutschland hieße das, dass im Jahr 2050 17,5 Millionen Muslime hier leben würden – das wären 19,7 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Im mittleren Szenario wären es 8,4 Millionen, im niedrigsten knapp sechs Millionen. Da die nichtmuslimische Bevölkerung in allen europäischen Ländern zurückgehen werde, so die Autoren, würde die Lücke durch die muslimischen Zuwanderer teilweise ausgeglichen werden.

Die Studie belegt auch, wie stark die Konflikte und Kriege im Mittleren Osten nach Europa hineinwirken. In den Jahren 2014 bis 2016 flüchteten fast dreimal so viele Menschen nach Europa wie in den knapp vier Jahren zuvor, die meisten kamen aus Syrien, Afghanistan und Irak – dies spiegelt sich auch in den deutschen Asylbewerberzahlen wider, und der Großteil von ihnen sind Muslime.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass gerade Deutschland attraktiv war für muslimische Flüchtlinge. „Deutschland hat die größte Bevölkerung und Wirtschaft in Europa, es liegt im Zentrum des Kontinents und hat eine Politik, die positiv gegenüber Asylbewerbern ist“, heißt es in der Studie. Erwähnt wird auch, dass Deutschland grundsätzlich auch viele Menschen aus anderen EU-Staaten anzieht.

Die meisten Zuwanderer in absoluten Zahlen hatte in den vergangenen sechs Jahren Großbritannien zu verzeichnen. Das Königreich ist wie Frankreich für Flüchtlinge nicht sehr attraktiv, wohl aber für andere Migranten muslimischen Glaubens – beide waren einst koloniale Großmächte. Die meisten Flüchtlinge nahmen Deutschland und Schweden auf.

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