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Flüchtlinge auf Lesbos

EU-Grenze zur Türkei

Nach Erdogans Grenzöffnung: Bewohner auf Lesbos hindern geflüchtete Menschen daran, an Land zu gehen

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Erdogan hat die Grenzen geöffnet. Auf Lesbos lassen Bewohner Geflüchtete nicht an Land gehen. Griechenland fühlt sich von der EU alleine gelassen.

  • Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Grenzen geöffnet
  • Griechenland fühlt sich von der EU alleine gelassen.
  • Zusammenstöße an der Grenze und auf den griechischen Inseln
  • Ankara - Nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan angekündigt hat, die Grenzen zu öffnen, sind zehntausende geflüchtete Menschen aus Syrien* auf dem Weg in die Europäische Union (EU). Laut einem Bericht der griechischen Zeitung „Kathimerini“ kamen mehr als 400 Geflüchtete auf den Inseln Lesbos, Chios und Samos an. 

    Demnach weigerte sich die Türkei, von der griechischen Küstenwache gestoppten Boote zu übernehmen und in die Türkei zurückzubringen. Tausende Menschen warteten an der türkischen Mittelmeerküste darauf, an Land zu gehen, berichtete die Zeitung „Kathimerini“ weiter.

    Griechenland: Bewohner von Lesbos hindern Geflüchtete daran, an Land zu gehen

    In einem Video, dass in sozialen Netzwerk kursiert, hindern Bewohner der Insel Lesbos Geflüchtete daran, mit ihrem Boot anzulegen. In dem Video ist zu sehen, wie Menschen in einem Schlauchboot darauf warten, an Land gehen zu können. Die Einwohner der Insel fordern die Geflüchteten dazu auf, zu „verschwinden“. Es gebe keinen Platz mehr auf der Insel. „Wir werden hier wie eine Wand stehen bleiben, keiner wird aus dem Boot kommen“, sagen die Einwohner. Außerdem ist zu sehen, wie die Polizei den Hafen verlässt und die geflüchteten Menschen alleine im Boot zurücklässt. 

    Erik Marquardt (Grüne), Mitglied im Europaparlament berichtet auf Twitter, dass NGOs und Journalisten dort von Anwohnern bedroht werden. Auch er selbst sei bedroht worden. In einem Interview mit der „taz“ erklärt Marquardt: „Ich schäme mich für Europa“. Auf die Frage, wie die Situation in dem Camp Moria auf Lesbos sei, antwortet Marquardt, dass die hygienischen Zustände katastrophal sind. „Europa duldet ein Camp, dass weit unter europäischen Standards liegt“. 

    Zuvor hatten rund 2000 geflüchtete Menschen in der Hauptstadt Lesbos gegen die Situation in den Camps, Gesetze der griechischen Regierung und Abschiebungen in die Türkei oder ihre Herkunftsländer demonstriert. Die Polizei griff die Demonstranten daraufhin mit Pfefferspray und Tränengas an. 

    Lesbos und Chios: Polizei setzt Pfefferspray, Tränengas und Schlagstöcke gegen Bewohner und Geflüchtete ein

    Außerdem kam es auf Lesbos und Chios auch wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Einwohnern und der Polizei. Einwohner waren in einen Generalstreik getreten, um gegen den Bau neuer Camps für geflüchtete Menschen zu protestieren. Auch hier setzte die Polizei Pfefferspray, Tränengas und Schlagstöcke ein, diesmal gegen die Einwohner der Inseln.

    Griechenland fühlt sich von der EU alleine gelassen 

    Seit Jahren versuchen geflüchtete Menschen, über die See nach Griechenland einzureisen. Bereits jetzt leben 42.000 Geflüchtete in Camps auf Lesbos. Diese können aber eigentlich nur 8000 Menschen aufnehmen.  

    Griechenland fühlt sich deshalb von der EU alleine gelassen. „Wir müssen einen europäischen Asyl- und Migrationspakt entwickeln, wie ihn die Kommission versprochen hat, und im Umgang mit diesem Problem benötigen wir mehr Lastenteilung“, sagte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis im Dezember 2019. Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, hatte deshalb eine neue Initiative gefordert. 

    Wegen der Grenzöffnung durch die Türkei schickte die EU rund 400 Mitarbeiter auf die griechischen Inseln, um Griechenland zu unterstützen. Eine Frontex-Sprecherin teilte mit, dass man zusätzliche Beamte und Ausrüstung veranlasst habe. Die griechische Regierung erklärte, dass in den vergangenen 24 Stunden fast 10.000 geflüchtete Menschen an der Einreise gehindert wurden. 

    Von Moritz Serif 

    Seit Freitag hindert die Türkei Geflüchtete nicht mehr daran, die Grenzen der EU zu überqueren. Im Konflikt mit Syrien schießt die Türkei zwei Kampfjets ab.

    Auf dergriechischen Insel Lesbos zeigt sich das Versagen Europas derzeit wie unter dem Brennglas.

    Auch Rechtsradikale reisen nach Lesbos und in das Grenzgebiet von Türkei und Griechenland.

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