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Protest auf der See

Eskalation im Ärmelkanal: 50 französische Fischkutter blockieren Hafen - London sendet Marine

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Französische Fischer sperren den Hafen der britischen Insel Jersey, London reagiert mit Marinebooten. Anlass ist die schleppende Vergabe britischer Fischereilizenzen.

Saint Helier - Napoleons Kontinentalsperre von 1806 ist zwar noch weit. Doch vor allem auf französischer Seite herrscht wilde Entschlossenheit, aufs Ganze zu gehen. Am Donnerstag blockierte das Fischereikomitee der Normandie mit fünfzig Kuttern die Zufahrt zum wichtigsten Hafen der englischen Kroninsel Jersey.

In London hatte Premierminister Boris Johnson den unerhörten Vorgang antizipiert, indem er zwei Patrouillenboote der Marine Richtung Kanalinseln entsandte. Die HMS Tamar und die HMS Severn sollen die britischen Interessen schützen.

Konflikt am Ärmelkanal: Frankreich droht den Strom abzustellen

Anlass für die Eskalation ist die schleppende Vergabe britischer Fischereilizenzen in den Gewässern um Jersey. Das Brexit-Abkommen sieht eine klare Regelung vor: Die französischen Fischerinnen und Fischer dürfen in einer Übergangsphase bis 2026 weiterhin ihre Netze in den fischreichen und eher ruhigen britischen Gewässern auswerfen; danach werden die Fangrechte um 25 Prozent reduziert. Die französische Seite wirft Jersey nun vor, sie verzögerten auf perfide Art die Lizenzvergabe. Von 344 Gesuchen seien erst 41 bewilligt worden.

Französische Fischer protestieren auf ihrem Kutter vor dem Hafen Saint Helier gegen schleppende Vergabe von Fischereilizenzen.

Fakt ist, es müssen nur Fischerboote zugelassen werden, die seit 2012 in den Gewässern aktiv sind. Und das ist für die Fischenden nicht immer leicht zu belegen. Anfang dieser Woche behauptete die Regierung Jerseys in einer Mitteilung, dass sie die Fischereilizenzen exakt nach dem Wortlaut des Brexit-Abkommens von Dezember 2020 vergäbe.

Insel Jersey: Gehört nicht zu Großbritannien, sondern zur Krondomäne

Die französische Meeresministerin Annick Girardin macht dagegen politische Ursachen für den Zoff aus: „Großbritannien hat seine Souveränität zurückerlangt und will das die Welt auch wissen lassen.“ Die Brexit-Befürworterinnen und Befürworter hätten die Vorteile für die eigene Fischfangflotte jahrelang übertrieben; jetzt müssten die französischen Fischenden dafür büßen.

Und das sei „unzulässig“, fügte Girardin vor der Nationalversammlung in Paris an. Sie drohte offen damit, dass Frankreich unter anderem den Strom der größten Kanalinsel Jersey kappen könnte, um seine Fischerrechte durchzusetzen. Die nur gut 20 Kilometer von der Normandie entfernten Kanalinseln erhalten die Elektrizität über drei Unterwasserkabel aus Frankreich. Jersey, Guernsey und ein paar kleinere Inseln gehören nicht zu Großbritannien, sondern zur Krondomäne, genießen aber den Schutz der britischen Außen- und Verteidigungspolitik.

Streit um Muschelbänke: Boris Johnson reagiert mit Entsendung von Marinebooten

Johnson konnte die Ankündigung einer Hafenblockade deshalb nicht hinnehmen und reagierte mit der Entsendung zweier Marineboote. Eine solche Sperre wäre „völlig ungerechtfertigt“, erklärte er. Zugleich rief er zu einem „Abbau der Spannungen“ auf. Der britische Außenminister Ian Gorst erklärte, es wäre „völlig unverhältnismäßig, den Strom zu kappen, bloß weil Jersey ein paar zusätzliche Details liefern sollte“.

Französische Fischerboote blockieren die Hafenausfahrt der Insel Jersey.

Nur um „Details“ geht es allerdings mitnichten. Im Sommer 2018 waren Fischerboote beider Länder in der Bucht der Seine-Mündung erstmals aneinandergeraten. Muschelsucher:innen aus England rammten dabei mehrere französische Fischkutter. Mit dem rabiaten Vorgehen wollten sie sich den Zugang zu den französischen Muschelbänken für die Zeit nach dem Brexit sichern.

Konflikt am Ärmelkanal: Von Solidarität keine Spur

Dass der EU-Austritt Großbritanniens für Spannungen unter den Kanalfischerinnen und -fischern sorgen würde, vermag insofern nicht zu überraschen. Der neuste Zusammenstoß zeigt aber darüber hinaus, dass sich beide Seiten nicht mehr an eine innereuropäische Kooperation oder gar Solidarität gebunden fühlen. Und das führt sehr rasch zu neuem Streit zwischen den Nationalstaaten. (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © SAMEER AL-DOUMY

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