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Weltklimakonferenz COP26

Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow: „Es ist nie zu spät“

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Zur Weltklimakonferenz COP26 Glasgow berät die internationale Gemeinschaft über Klimarettung – ausgerechnet der Gastgeber ist dabei aber kein Vorbild.

Glasgow ‒ Kühler Herbstwind und heftige Regenschauer empfingen Tausende von Delegierten, Aktivisten und Politikerinnen im schottischen Glasgow zur Weltklimakonferenz COP 26 am Sonntag (31.10.2021). In den kommenden zwei Wochen sollen dort Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel gefunden werden.

Weltklimakonferenz in Glasgow: Was ist COP 26? Wer gibt in Glasgow den Ton an?

Zur 26. UN-Klimaschutzkonferenz kommen Vertreter all jener 165 Staaten, die zu den Unterzeichnern der UN-Klimaschutzkonvention zählen, sowie anderer Organisationen zusammen. Die englische Abkürzung COP steht für „Konferenz der Vertragsparteien“; die Konvention geht auf den Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro zurück. Insgesamt werden mehr als 30 000 Delegierte, Aktive aus dem Umweltschutz und Presseangehörige erwartet.

Als konkretes Ziel der Konferenz haben die UN die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ausgegeben. Diese Marke steht auch im Kommuniqué des am Sonntag beendeten Gipfels der G20-Nationen in Rom: Gemeinsam müsse man bereits in dieser Dekade „aussagekräftige und wirksame“ Maßnahmen zur Schadstoffeinschränkung ergreifen. Die G20-Gruppe umschließt die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer; gemeinsam sind sie für rund 90 Prozent der Weltwirtschaft verantwortlich.

Die Vielfalt der Protestgrupppen bei der Konferenz ist groß: Hier demonstriert „Ocean Rebellion“ gegen die Grundnetzschlepperei.

Zum Sitzungsauftakt in Glasgow übergab am Sonntag die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt den jährlich wechselnden Vorsitz an den Briten Alok Sharma. Der neue COP-Präsident gehört als Staatsminister dem britischen Kabinett an, wo er zuvor die Ressorts Entwicklungshilfe und anschließend Wirtschaft betreute. Seine Aufgabe beschreibt der 54-Jährige „nicht als Klimakämpfer, sondern als Oberhirte: Ich höre Leuten zu und versuche, einen Konsens zu erreichen“.

Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow: Wer kommt, wer bleibt weg?

Wie viele Aktivisten und Aktivistinnen ist auch die Schwedin Greta Thunberg schon da. Die versierte Klimakämpferin ließ am Wochenende keinen Protestmarsch und kein Medienmikrofon aus, um für mehr als das „übliche Blabla“ der Politikerinnen zu werben. Letztere, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, treffen am heutigen Montag sowie am Dienstag beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs zusammen. Angemeldet haben sich 120 Vertreter:innen von Staaten weltweit; hingegen handelte sich Sharma von den Präsidenten Chinas und Russlands, Xi Jinping and Wladimir Putin, Absagen ein. Beide beriefen sich auf die anhaltende Corona-Pandemie. Dass damit die Chefs zweier bedeutender Umweltverschmutzer – China allein ist für 30 Prozent der klima-schädlichen Abgase verantwortlich – fehlen, gilt vielen Beobachtern als schlechtes Omen.

Wie sind die Erwartungen an die Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow?

Es mangelt nicht an apokalyptischen Warnungen. Der jüngste Bericht der UN-Umweltagentur Unep bezeichnet die vergangenen fünf Jahre als die heißeste Periode seit Beginn zuverlässiger Aufzeichnungen 1850. Aus Sicht von COP-Präsident Sharma leuchten „sämtliche Klimaalarmlampen“. Der britische Thronfolger Prinz Charles, der in Vertretung der erkrankten Queen die Staats- und Regierungschefs empfängt, befürchtet eine Katastrophe: „Den Stress, der durch die Wetterextreme erzeugt wird, kann die Natur nicht überleben“, befürchtet der 72-Jährige, der sich seit vielen Jahrzehnten für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzt.

Bezogen auf das erklärte Ziel der Konferenz beschwört Sharma „die letzte und größte Hoffnung“, die Erderwärmung seit vorindustrieller Zeit auf 1,5 Grad zu begrenzen: „Aber das wird sehr schwer.“

Dem Unep-Bericht zufolge sehen die derzeitigen nationalen Pläne (abgekürzt NDCs), auf die sich UN-Mitgliedsstaaten verpflichten, gerade mal einen Rückgang klimaschädlicher Emissionen um 7,5 Prozent bis 2030 vor. Das hätte eine Erwärmung von geschätzten 2,7 Grad zur Folge. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, halten die UN-Experten eine Reduzierung in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent für notwendig. UN-Generalsekretär António Guterres sieht ein „ernstes Risiko“, dass die Glasgower Konferenz nicht genug bewirken werde: „Wir schlittern weiterhin in die Klimakatastrophe.“ Als wolle sie dem vorherrschenden Pessimismus etwas Positives entgegensetzen, überraschte hingegen Klimaaktivistin Thunberg in der BBC mit einer vergleichsweise zahmen Botschaft. Wenn es der globalen Gemeinschaft nicht gelinge, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse man sich eben auf das Ziel 1,6 oder 1,7 Grad konzentrieren: „Es ist nie zu spät, soviel zu tun, wie wir eben können.“

Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow: Tut der Gastgeber genug?

Rhetorisch ist Premier Boris Johnson wieder einmal spitze: „Es ist eine Minute vor Mitternacht, wir müssen jetzt handeln“, will der Konservative seinen Besuchern ins Stammbuch schreiben. Im vergangenen Monat legte die britische Regierung einen Plan vor, wie die gesetzlich festgelegte Verpflichtung der Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden kann. Umweltschützer und die Opposition bleiben skeptisch, zumal Finanzminister Rishi Sunak in der vergangenen Woche einen echten Rückschritt verkündete: Demnächst soll die Besteuerung von Inlandsflügen deutlich verringert werden. Londons Glaubwürdigkeit nimmt auch deshalb Schaden, weil die ganz überwiegend von Dienstleistungen geprägte Volkswirtschaft die energieintensive Herstellung von Konsumgütern weitgehend ins Ausland, nicht zuletzt nach China, verlagert hat.

Immerhin haben seit der letzten bedeutenden Klimakonferenz in Paris 2015 jene Staaten, die für rund 85 Prozent der Weltwirtschaft verantwortlich zeichnen, Klimaneutralität bis spätestens 2060 in Aussicht gestellt. Dazu dürfte britisches Lobbying einen Beitrag geleistet haben. (Sebastian Burger)

Rubriklistenbild: © Andy Buchanan/afp

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