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Vor der Gewalt im Land fliehen viele Menschen, zum Beispiel in die benachbarte Republik Kongo.
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Vor der Gewalt im Land fliehen viele Menschen, zum Beispiel in die benachbarte Republik Kongo.

Konflikte

Es droht der Kampf um Bangui

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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In der Zentralafrikanischen Republik verschärft eine Rebellenallianz die gewaltsamen Konflikte.

Wenige Wochen nachdem Faustin-Archange Touadéra die Wahlen in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gewonnen hat, droht er nun sein Land zu verlieren. Kämpfer der aus sechs Rebellentruppen gebildeten „Koalition der Patrioten für Wandel“ (CPC) haben in den vergangenen Tagen die Hauptstadt Bangui umzingelt: Am Donnerstag verhängte Präsident Touadéra den Ausnahmezustand. Der amorphen Rebellenallianz steht ein nicht minder zusammengewürfeltes Lager an Verteidigern der Regierung gegenüber: 12 000 Blauhelmsoldat:innen der UN-Mission Minusca, ruandische Soldat:innen, französische Sicherheitskräfte und russische Söldner der berüchtigten Wagner-Gruppe. UN-Missionschef Mankeur Ndiaye fordert vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dringend zusätzliche Truppen. „Das Land befindet sich in großer Gefahr“, warnt der Senegalese: „Sämtliche friedensbildenden Anstrengungen der vergangenen Jahre drohen zunichte gemacht zu werden.“

Mitte Januar hatten die Rebellen bereits einen ersten Angriff auf Bangui gewagt, waren jedoch zurückgeschlagen worden. Schon in den kommenden Tagen könnten die Rebellen einen neuen Angriff wagen, heißt es in Bangui. Dort erkennt die Opposition die Wiederwahl Touadéras bei dem Urnengang von Ende Dezember nicht an: Einerseits weil der vor sieben Jahren mit einem Coup aus dem Land gejagte Ex-Präsident François Bozizé vom Höchsten Gericht als Kandidat bei den Wahlen ausgeschlossen worden war. Andererseits weil sich bei der Abstimmung nur ein Drittel aller Wahlberechtigten beteiligen konnte. In fast der Hälfte des Landes fand der Urnengang nicht statt. Nach Angaben der Wahlkommission gewann Touadéra die Abstimmung mit 53 Prozent der Stimmen. Den Einspruch der Opposition gegen die vermeintlich manipulierte Abstimmung wies das Höchste Gericht inzwischen zurück.

Geopolitische Folgen

Die Zentralafrikanische Republik steckt schon seit mehr als einem Jahrzehnt in der Krise. Im März 2013 nahm die Rebellengruppe der sich benachteiligt fühlenden Muslime des Landes, Séléka, die Hauptstadt Bangui ein und entmachtete Bozizé. Nachdem der Präsident das Land verlassen hatte, schlossen sich christliche Milizen zur „Anti-Balaka“-Allianz zusammen und führten zahlreiche Anschläge gegen Séléka, aber auch gegen die zivile muslimische Bevölkerung aus. Frankreich schickte damals eine 400-köpfige Eingreiftruppe, die gemeinsam mit den später entsandten Blauhelmen für einen prekären Frieden sorgte. Ende 2015 gewann Touadéra die ersten Wahlen nach dem Coup. Seiner Regierung gelang es allerdings nicht, ihre Autorität auf das ganze Land auszudehnen.

Touadéra soll in Moskau um militärische Hilfe ersucht haben: Neben russischen Militärberatern, die die aufgeriebenen Regierungstruppen ausbilden sollten, kamen auch Söldner der Wagner-Gruppe ins Land. Außerdem sandte Ruanda noch mehrere Hundert Soldat:innen: Sie sollten die an der Minusca-Mission beteiligten ruandischen Blauhelme beschützen, hieß es in Kigali. Der Regierungsallianz gelang es vor den Wahlen, den Vormarsch einzelner Rebellentruppen auf Bangui zu stoppen. Doch nach der Vereinigung der verschiedenen Gruppen zur CPC konnten diese wieder an Boden gewinnen. Der CPC gehören sowohl Nachfolgeorganisationen der muslimischen Séléka wie christliche Anti-Balaka-Kämpfer an. Der sich anbahnende Entscheidungskampf um Bangui wird auch geopolitische Auswirkungen haben. Hinter den Kulissen wetteifert die ehemalige Kolonialmacht Frankreich mit Russland um Einfluss in dem Staat, der außer über seine strategisch wichtige Lage auch über erhebliche Bodenschatzvorkommen verfügt.

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