Flucht

Ertrunken vor der türkischen Küste

  • vonGerd Höhler
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Bootsunglücke in der Ägäis mit vielen Toten.

Sie suchten ein besseres Leben und fanden den Tod: Bei zwei Bootsunglücken im östlichen Mittelmeer sind am Wochenende mindestens 23 Migranten ertrunken, darunter mehrere Kinder. Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen: Viele Menschen werden noch vermisst.

Vor der türkischen Ägäisküste ertranken am Samstagabend mindestens zwölf Menschen, als ihr Boot unterging. Unter den Opfern sind acht Kinder. Männer eines Patrouillenboots der türkischen Küstenwache seien durch Schreie auf das Unglück aufmerksam geworden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Acht Menschen konnten lebend aus dem Meer gerettet werden. Die Migranten, über deren Nationalität es zunächst keine Informationen gab, waren vermutlich von Cesme unterwegs zur nur wenige Kilometer entfernt gelegenen griechischen Insel Chios.

Erst am Samstagmorgen war in Westgriechenland vor der Paxi-Inselgruppe ein Boot mit Migranten untergegangen. 20 Männer und eine Frau holten die Retter mit drei Hubschraubern lebend aus dem Meer. Für zwölf Insassen des Boots kam jede Hilfe zu spät. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Am Sonntag setzten die griechische Küstenwache und die Luftwaffe mit zahlreichen Patrouillenbooten und Hubschraubern die Suche nach möglichen Überlebenden fort. Etwa 20 Menschen wurden noch vermisst. Welcher Nationalität die Migranten sind, woher sie kamen und wohin sie wollten, war zunächst unklar.

Hoher Anteil von Kindern

Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex ging die Zahl der Migranten, die 2019 bei illegalen Grenzübertritten an EU-Außengrenzen aufgegriffen wurden, auf den niedrigsten Stand seit 2013 zurück. Auf der westlichen und der zentralen Mittelmeer-Route betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 58 beziehungsweise 41 Prozent. Im östlichen Mittelmeer, zwischen der Türkei und Griechenland, stiegen die Zahlen aber gegenüber 2018 um fast 50 Prozent auf 82 000 an, wobei der Anteil der Frauen und Kinder überproportional zunahm. Größte Gruppe sind die Afghanen, deren Zahl sich gegenüber 2018 sogar verdreifacht hat.

Die Situation in den Insellagern, wo die Neuankömmlinge registriert werden und auf ihre Asylbescheide warten, wird immer katastrophaler. Vergangene Woche lebten dort fast 42 000 Menschen in Unterkünften, die nur für 8800 ausgelegt sind.

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