Jemen

Erster Schritt in Richtung Frieden

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Die jemenitische Hafenstadt Hodeida soll entmilitarisiert werden.

Als im Konferenzsaal Applaus aufbrandete, war klar, der diplomatische Poker des UN-Vermittlers war geglückt. Stunden vor Abschluss der ersten Jemen-Runde im Schloss Johannesbergs bei Stockholm hatte sich Martin Griffiths überraschend seinen Chef an die Seite geholt, UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der den Kriegsparteien noch einmal ins Gewissen redete. Der massive internationale Druck wirkte. In letzter Minute einigen sich die Kriegsgegner am Donnerstag auf den derzeit wichtigsten Punkt, die Schonung und Entmilitarisierung der Hafenstadt Hodeida, der zentralen Lebensader des Landes. „Das wird die Lebensbedingungen für Millionen Jemeniten verbessern“, erklärte Guterres.

70 bis 80 Prozent aller Lebensmittel, Hilfsgüter und Kraftstoffe werden an den Docks am Roten Meer gelöscht, die bisher unter der Kontrolle der Houthis standen. Bereits in den nächsten Tagen sollen die angreifenden Regierungstruppen ihren Belagerungsring aufgeben, die geplante Offensive abblasen und sich zurückziehen. In der gesamten Provinz Hodeida gilt ab sofort ein Waffenstillstand. Im Gegenzug stimmten auch die schiitischen Rebellen zu, ihre Bewaffneten abzuziehen.

Mit der vereinbarten Rettung des Hafens scheint die befürchtete Hungerkatastrophe für die 28 Millionen Jemeniten zunächst einmal abgewendet. Bereits jetzt sind 50 Prozent der Menschen an der Südspitze der Arabischen Halbinsel unterernährt oder dem Hungertod nahe. Die UN-Hilfsorganisationen brauchen mindestens vier Milliarden Dollar, um für 2019 das Schlimmste abzuwenden.

Dagegen wurde die Öffnung des seit drei Jahren blockierten Internationalen Flughafens von Sanaa auf die nächste Verhandlungsrunde vertagt, die wahrscheinlich Ende Januar stattfindet. Ohne langes Tauziehen ging der Austausch von Kriegsgefangenen und Häftlingen über die Bühne. Auf der Liste der Regierungsseite stehen 8500 Namen nicht nur von Soldaten, auch von Lehrern, Stammesführern, Imamen sowie Frauen und Kindern, die bei den Rebellen hinter Gittern sitzen. Die Houthis wollen 7500 Leute freibekommen. Außerdem soll die Währung wieder stabilisiert werden.

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