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Chancengleichheit ist an der Uni noch nicht angekommen. Kinder aus Arbeiterfamilien kommen schwerer an die Uni.

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Als Erster der Familie an der Uni

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Kinder aus Arbeiterfamilien haben es in Deutschland schwerer an die Uni zu kommen. Deutsche Politiker, die als Erster aus ihrer Familie an der Uni waren, reden nun auf einer neuen Plattform über ihre Biografien. Das soll jungen Menschen Mut machen, es ihnen gleichzutun.

Was haben SPD-Chef Sigmar Gabriel, Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und die amerikanische First Lady Michelle Obama gemeinsam? Alle drei sind die ersten in ihrer Familie, die es an die Hochschule geschafft haben. Indem sie über ihre Biografien reden, wollen sie jungen Menschen Mut machen, es ihnen gleichzutun.

„I’m first“, ich bin der oder die erste, so heißt die Video-Kampagne, für die Michelle Obama in den USA über ihre Erfahrungen erzählt hat. Als Erstsemester habe sie sich mit der Wahl der Kurse überfordert gefühlt – oder auch nur damit, den Seminarraum zu finden. „Anfangs hatte ich Zweifel, ob ich so schlau bin wie die anderen“, sagt Obama. Dann habe sie gemerkt: Ihr hatte es einfach nur an Selbstbewusstsein gefehlt.

„Erste an der Uni“, das ist der Titel der Kampagne, die jetzt von der Initiative Arbeiterkind.de in Deutschland gestartet wurde. Und sie ist nötig. 77 von 100 Kindern studieren, wenn mindestens ein Elternteil Akademiker ist. Das gilt nur für 23 Prozent der Kinder, deren Eltern nicht studiert haben. Diese Daten werden in der Sozialerhebung des Studentenwerks von 2013 genannt, die nur im Abstand von mehreren Jahren stattfindet. Doch belegen zahlreiche Studien die enge Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland.

Die Video-Clips mit Gabriel, Wanka, dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann und Airbus-Chef Thomas Enders enthalten persönliche Momente. So berichtet Gabriel, wie er als Zehnjähriger „durch die Familienverhältnisse ein bisschen durch den Wind war“ – und „dass es sogar eine Lehrerin gab, die meinte, ich sei besser auf der Sonderschule aufgehoben“. Wanka erzählt, wie sie als Kind auf dem Bauernhof Lehrerin gespielt und die Nachbarskinder mit Süßigkeiten bestochen habe, damit diese die Rolle der Schüler übernahmen.

Katja Urbatsch, Gründerin von Arbeiterkind.de, sagt: „Wir brauchen Vorbilder für die, die zögern, ob sie an die Uni gehen sollen.“ Deshalb fordert sie auch andere Erstakademiker auf, ihre Geschichten zu erzählen und das Video der Kampagne zur Verfügung zu stellen. Und deshalb gingen auch 6000 ehrenamtliche Mitarbeiter bundesweit in den Schulen und böten Informationsveranstaltungen an, etwa über Stipendien und andere Fördermöglichkeiten. „Wenn man einen Bafög-Antrag ausfüllen möchte, dann braucht man ja fast schon einen akademischen Abschluss“, sagt Urbatsch.

Da allerdings könnten Gabriel und Wanka vielleicht für eine Vereinfachung sorgen. Oder sie helfen einfach beim Ausfüllen.

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