Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Ein bisschen antiquiert finde ich das schon“, sagt eine Studentin – aber grundsätzlich wird der Militärdrill akzeptiert.
+
„Ein bisschen antiquiert finde ich das schon“, sagt eine Studentin – aber grundsätzlich wird der Militärdrill akzeptiert.

China

Erst marschieren, dann studieren

  • VonBernhard Bartsch
    schließen

Chinas Studenten lernen den Patriotismus mit Marsch- und Kriegsübungen an den Universitäten.

Gerade Reihen, junge Männer und Frauen in grünen Uniformen, auf den Mützen das Emblem der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Blick nach vorn. „Maaarschieren“, schreit der Offizier durchs Megafon und der Trupp setzt sich in Bewegung. Die Schritte sind zackig, die Halbschuhe knallen rhythmisch auf den Boden. „Im Takt bleiben“, brüllt der Offizier. „Wir sind hier nicht in der Shoppingmall.“

Die Hundertschaften, die an diesem Vormittag auf dem Sportplatz der Xiangtan Universität in der südchinesischen Provinz Hunan marschieren, bestehen aus jungen Studenten. Wie an allen chinesischen Hochschulen gehört Militärdienst hier zum Pflichtprogramm.

Studium beginnt mit Drill

Während Studenten in westlichen Ländern ihr Uni-Leben mit Partys einläuten, beginnt das chinesische Studium mit wochenlangen Drillübungen, Ausdauertraining und Kriegssimulationen. „Das macht uns bereit, um gegen die Japaner zu kämpfen“, scherzt der 18-jährige Ren Fei – ein Witz mit ernstem Hintergrund.

Obwohl die Studenten nicht damit rechnen müssen, eines Tages für einen Krieg mobilisiert zu werden, sollen sie doch durch die Manöverspiele Respekt vor der Volksbefreiungsarmee entwickeln. „Unsere Soldaten sind darauf vorbereitet, unsere Heimat zu schützen“, sagt der Wirtschaftsstudent Ren. „Das ganze Volk steht hinter ihnen.“

Der militärische Grunddienst an den Universitäten ist ein Erbe der Mao-Zeit. Studenten müsse „Patriotismus, Kollektivismus und revolutionärer Heroismus“ vermittelt werden, beschreibt das Bildungsministerium den Sinn der Übung. Außerdem bräuchten gerade die jungen Eliten ein „besseres Verständnis und Bewusstsein für die nationale Verteidigung und nationale Sicherheit“.

In den vergangenen Jahren wurden die Militärübungen an vielen Universitäten sogar wieder ausgeweitet. Staatsmedien berichteten kritisch über Hochschulen, an denen die Kriegsspiele nicht ernst genommen werden.

Besorgniserregendes Signal

Chinas Nachbarn sehen ein besorgniserregendes Signal darin, dass der parteigelenkte Patriotismus militaristische Züge bekommt. Die öffentliche Meinung könnte eine entscheidende Rolle spielen, falls es an einem der vielen Krisenherde tatsächlich zu Kämpfen kommen könnte.

Mit Japan streitet China um eine Inselgruppe, auch im südchinesischen Meer gibt es Inselkonflikte. Der Grenzverlauf mit Indien ist umstritten. Und Taiwan muss mit einer Invasion rechnen, sollte die Insel ihre De-facto-Unabhängigkeit zu offensiv einfordern. Die Eroberung der Vorherrschaft in der Taiwan-Straße ist erklärtes Ziel der Volksbefreiungsarmee.

Seit zwei Jahrzehnten wächst Chinas Verteidigungshaushalt. Zwar geben die USA noch immer viereinhalbmal so viel für ihre Streitkräfte aus, doch wenn der Trend anhält, könnte China in einigen Jahrzehnten die teuerste Armee der Welt haben. Fast monatlich präsentieren Staatsmedien stolz die jüngsten Entwicklungen der Rüstungsindustrie: Mit neuen U-Booten, Flugzeugträgern, Kampfjets, Tarnkappenbombern und Anti-Schiffsraketen will Peking Amerikas Dominanz in der Region brechen.

Den Studenten in Xiangtan gefällt das. „Ich möchte, dass China militärisch stark genug wird, um die USA zu besiegen“, sagt Yang Jianming. Dass er dafür mehrere Wochen marschieren soll, macht ihm nichts aus. „Die Übungen bringen uns gutes Verhalten und Kameradschaft bei“, meint er.

„Wenn einer etwas falsch macht, werden alle dafür bestraft – das stärkt das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft.“ Seine Kommilitonin Lin Jing ist skeptischer. „Ein bisschen antiquiert finde ich das alles schon“, sagt die Sprachstudentin. „Ich singe zwar gerne Lieder über die Armee, aber warum ich marschieren soll, verstehe ich nicht so recht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare