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Manch einer freundet sich mit dem Gedanken an, dieses Jahr nicht ins Ausland zu reisen. 

Tourismus

Erst mal kein normaler Urlaub

Außenminister Maas dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zum gewohnten Tourismus.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat am Montagmittag mit seinen Kollegen aus beliebten Urlaubsländern der Deutschen darüber beraten, wie die Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie nach und nach gelockert werden können. Zu der Videokonferenz waren Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Slowenien, Zypern und Bulgarien eingeladen. Nach den Gesprächen sagte Maas: „Die Wiederherstellung der Reisefreiheit soll schrittweise erfolgen. Grundlage ist das Tourismuspaket der Europäischen Union.“

Die europäischen Minister hoffen, dass ab 15. Juni keine Reisewarnungen mehr gelten, sondern nur noch Reisehinweise. „Wir wollen Schritt für Schritt in die Normalisierung.“ Die Reisehinweise würden die Grundlage dafür bieten. Maas sagte einschränkend: „Der Urlaub in diesem Jahr wird auf jeden Fall wenig mit dem Urlaub zu tun haben, den wir aus dem letzten Jahr noch kennen.“

Die Regierung des Corona-Hotspots Spanien dämpfte am Montag Hoffnungen auf eine baldige Grenzöffnung für Touristen. „Ich hoffe, dass wir die touristischen Aktivitäten Ende Juni wieder aufnehmen können“, sagte am Montag Verkehrsminister José Luis Ábalos. „Wir können nicht die Einreise von Ausländern erlauben, während wir die spanische Bevölkerung noch einer Ausgehsperre unterziehen“, sagte er. Die Hoffnungen waren gewachsen, nachdem ein anderer Corona-Brennpunkt, Italien, die Grenzöffnung für Touristen ab dem 3. Juni angekündigt hatte.

Viele Länder seien auf Tourismus angewiesen, sagte Maas, vor allem auf Urlauber aus Deutschland. Man wolle jedoch ein Wettbieten um Touristen verhindern. An erster Stelle stünden gesundheitliche Fragen. „Oberstes Gebot ist die Gesundheit für Gäste und Gastgeber“, so Maas. „Die Deutschen sind Reiseweltmeister, und deshalb stehen wir hier auch in besonderer Verantwortung.“

Die Minister wollen in zwei Wochen erneut beraten, wie und wo erste Lockerungen im Tourismus erfolgen können. Das hänge auch vom Infektionsgeschehen in den Destinationen ab. „Wir wollen mit größter Vorsicht vorgehen.“ Es werde deshalb in Europa auch unterschiedlich vorgegangen.

Für touristische Reisen außerhalb Europas oder Einreisen von außerhalb Europas wollte der Bundesaußenminister keine Prognosen abgeben. Er wies darauf hin, dass für Lateinamerika der Corona-Peak erst in den Sommermonaten erwartet werde.

Die CSU schlägt angesichts der Corona-Krise in diesem Jahr eine finanzielle Förderung von Urlaub in Deutschland vor. Mit finanziellen Anreizen in den Sommermonaten könnte man „ein Stück Entlastung für die Branche, aber auch Freude für die Menschen bringen“, sagte CSU-Chef Markus Söder am Montag vor einer Videoschalte des CSU-Vorstands in München.

Denkbar seien entweder Urlaubsgutscheine oder eine steuerliche Absetzbarkeit – er sei da relativ offen. Söder plädierte aber für eine Förderung „vor allem für diejenigen, die nicht so viel Geld haben und sich so etwas nicht so leisten können“. Und viele Menschen könnten sich nur wenig leisten.

Auch Söder zeigte sich skeptisch, was Urlaubsmöglichkeiten in europäischen Nachbarländern angeht; er grenzte sich dabei aber noch mal vom Außenminister ab. „Ich glaube nicht wie Heiko Maas, dass es so leicht ist, dass wir heute schon Pläne vorgeben können, dass wir in einem Monat schon wieder in Italien oder in Spanien sind oder in Frankreich“, sagte Söder. „Keines dieser Länder hat im Moment das entsprechend angekündigt. Insofern sollten wir nicht vorpreschen.“ Man bewege sich weiter auf sehr dünnem Eis. (mit dpa/afp)

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