Rennen um CDU-Vorsitz

Erst mal zum Kaffeeklatsch bei AKK

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Mitgliederbefragung? Teamlösung? Bei der CDU-Chefsuche ist alles offen. Eine Umfrage sieht Röttgen als Parteichef vorn.

Die entscheidende Frage lässt Angela Merkel offen. Die CDU sucht einen neuen Parteivorsitzenden und einen Kanzlerkandidaten obendrein, und vor allem bei einem der Interessenten gibt es Zweifel, ob es lange gut gehen könnte mit ihm und der Kanzlerin. Merkel hat die nächste Politik-generation zu Gast im Kanzleramt, allerdings nicht die der CDU, sondern die neue finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin.

Gerade 34 Jahre alt ist die Sozialdemokratin, jünger als der jüngste CDU-Führungsanwärter Jens Spahn, fast halb so alt wie Merkel und der älteste CDU-Führungsanwärter Friedrich Merz. In Marins Alter ist Merkel in die Politik eingestiegen, als Regierungssprecherin. Jetzt ist sie eine der am längsten amtierenden Regierungschefinnen.

Wird das Amtsende doch ein wenig jäher kommen, wenn etwa Merz das Rennen macht in der CDU, mit dem sie vor allem die gegenseitige Abneigung zu verbinden scheint? In der Pressekonferenz mit Marin weicht Merkel aus. Sie habe immer gesagt, dass sie sich nicht einmischen werde in die Frage von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur, sagt sie. „Meine Erfahrung historischer Art ist, dass die Vorgänger sich aus so was heraushalten sollten. Das befolge ich.“

Aber einen Satz fügt sie noch hinzu. Sie spreche mit möglichen Kandidaten, sagt sie. Ob mit allen und worüber, lässt sie offen. Ob es Absprachen, Friedensangebote, Tipps, Drohungen gibt, kann man sich fragen, aber nicht mehr Merkel. Denn schon ist Marin an der Reihe und sagt, sie mache sich keine Sorgen, dass Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte gut meistern werde, trotz des Hin und Hers in der CDU.

Das besteht an diesem Tag vor allem aus Männern, die in die CDU-Zentrale eilen und auch wieder hinaus. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat zu Gesprächen über ihre eigene Nachfolge geladen. Merz war schon am Dienstag an der Reihe. Am Mittwochmorgen hat sich nun noch Norbert Röttgen dazwischengeschoben, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der zeitgleich zu Merz’ Kaffeetermin überraschend seine Kandidatur verkündet hatte. Er hat das Kandidatenfindungsverfahren kritisiert und die CDU aufgefordert, wieder politisch zu werden, statt immer über Personal zu sprechen und sich Problemthemen zu verweigern. Er hat damit Kramp-Karrenbauer Versagen attestiert, seinen Konkurrenten und Merkel sowieso. Vergnügt betritt er dann das Konrad-Adenauer-Haus. Er verstehe sich ja gut mit Kramp-Karrenbauer, sagt er. Und als er nach einer Stunde wieder geht, ist er immer noch vergnügt.

Er sei optimistisch, dass der Parteivorsitz in einer Mitgliederbefragung entschieden werde, sagt er. Das Interessante daran ist auch, dass es in der CDU heißt, dass die Parteibasis wohl am ehesten Merz zugeneigt sei – die Wähler allerdings seien deutlich weniger entschlossen. Röttgen dagegen liegt in einer Umfrage des Civey-Instituts für den „Focus“ bei den Bürgern vorne.

Ohnehin reden manche ausnahmsweise mal lieber nicht, zumindest nicht über die CDU. Gesundheitsminister Spahn fährt über die Tiefgarage ins Haus, er hat zuvor gerade noch das Gesetz zur Grundrente vorgestellt, das das Kabinett nach monatelangem Gezerre am Morgen beschlossen hat. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet steht für den Nachmittag in Kramp-Karrenbauers Terminkalender. Er sagt beim Eintreffen, er werbe weiter für eine Teamlösung.

Ausgeschlossen werden kann dabei bislang wohl vor allem eines: Dass die vier Nordrhein-Westfalen sich den Parteivorsitz der CDU teilen.

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