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Militärcoup

Putsch im Sudan: Ein Land in Scherben

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Das Militär erklärt die Übergangsregierung für abgesetzt. Es fallen Schüsse auf Demonstrierende.

Sudan - Einen Überraschungsschlag kann man Sudans Generälen nicht vorwerfen. Sie haben ihren gestrigen Putsch seit Wochen vorbereitet und sogar angekündigt: Sie karrten Anfang vergangener Woche Hunderte von Anhängern in die Hauptstadt Khartum, die dort lauthals einen Militärcoup forderten. Bereits zuvor hatte eine regionale Miliz den wichtigsten Hafen des Landes in Port Sudan blockiert: Auch dahinter sollen Berichten aus dem Land zufolge die Militärs gestanden haben. Sie wollten auf diese Weise die wirtschaftliche Not in dem Übergangsstaat zu einem Höhepunkt bringen – um dann mit ihrem Putsch das sich anbahnende „Chaos“ verhindern zu können.

Am Montagmorgen (25.10.2021) war es schließlich so weit. Soldaten setzten den zivilen Regierungschef Abdallah Hamdok sowie mehrere seiner Minister fest, Streitkräftechef Abdel Fattah al-Burhan rief das Ausnahmerecht aus, das Internet wurde lahmgelegt, Soldaten strömten aus ihren Kasernen und eröffneten das Feuer auf Zigtausende von Demonstrant:innen, die sich zur Verteidigung der abgesetzten Zivilregierung auf die Straßen Khartums begeben hatten. Die Zahl von verhafteten, verletzten oder möglicherweise getöteten Demonstrant:innen steht noch nicht fest: Zu befürchten ist allerdings, dass der Schlag der Militärs in einem Blutbad enden wird.

Menschen protestieren gegen die Putschisten.

Putsch im Sudan: Militär will nicht weichen

Wie der Coup auch immer ausgehen wird: Fest steht, dass die Vereinbarung in Scherben liegt, die die aufständische Zivilbevölkerung vor gut zwei Jahren mit den Militärs über eine Übergangsregierung getroffen hatte. Dem nach monatelangen Demonstrationen und dem Sturz des Militärdiktators Omar al-Bashir zustande gekommenen Deal zufolge sollte das Land bis zu den in vier Jahren geplanten Wahlen gemeinsam von einem „Souveränen Rat“ und einer zivilen Regierung geführt werden: Dem Rat gehörte eine gleiche Zahl von Militärs und Zivilisten an – sein Vorsitz sollte in diesem November vom Streitkräftechef al-Burhan an einen Zivilisten übergehen. Der Zeitpunkt für den Putsch ist wohl auch dieser bevorstehenden Reformetappe zu verdanken. Premierminister Hamdok warnte noch am Freitag vor der „schlimmsten und gefährlichsten Krise“ der Übergangszeit: Machtlos musste er nun mit ansehen, wie ihm das Steuer aus der Hand gerissen wurde.

Schon seit dem Höhepunkt der Revolution im April 2019 war klar, dass sich die Armee keineswegs hinter das Volk gestellt hatte – auch wenn die Generäle ihren vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagten Chef aus opportunen Gründen schließlich fallenließen. Al-Bashir sitzt seitdem in Khartum hinter Gittern: Ob er tatsächlich, wie von der Zivilregierung geplant, nach Den Haag ausgeliefert wird, gilt jetzt als eher unwahrscheinlich. Selbst nach dem Abgang al-Bashirs richteten die paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF) unter ihrem berüchtigten Befehlshaber Mohamed Hamdan Dagolo noch ein Blutbad an: Für die Ermordung von 78 friedlichen Demonstranten im Juni 2019 wurde bislang niemand zur Verantwortung gezogen. (Johannes Dieterich)

Rubriklistenbild: © afp

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