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Ermittlungsverfahren gegen Mahler eingeleitet

Rechtsanwalt seit gewaltsamer Entführung von Baader verschwunden / Fahndung nach Homann

Von unserem Korrespondenten Günther Werz

Überraschend ist gegen den 33jährigen Westberliner Rechtsanwalt Horst Mahler im Zusammenhang mit der gewaltsamen Befreiung des Frankfurter Kaufhausbrandstifters Andreas Baader ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Wie der Berliner Justizsenator Hans Günter Hoppe dazu erklärte, sei dieses Verfahren durch Hinweise in Gang gekommen, die erst seit Mittwoch vorlägen. Wie berichtet, ist der 33jährige Anwalt seit dem Tage der Baader-Befreiung nicht mehr zu erreichen. Seine Ehefrau hatte bereits einen Tag nach der Befreiungsaktion auf Anfrage der 'Frankfurter Rundschau' erklärt: 'Ich habe meinen Mann nicht mehr gesehen.' Seit Tagen werden Telefonate in der Privatwohnung des Rechtsanwalts nicht mehr beantwortet. Auch in der Praxis, im 'Sozialistischen Anwaltskollektiv', kennt man den Aufenthaltsort nicht. Rechtsanwalt Eschen, ein Kollege von Mahler im 'Anwaltskollektiv' sagte dazu: 'Wir wissen nur, daß Herr Mahler in Urlaub ist.'

Einzelheiten über das neue Ermittlungsverfahren gegen den Rechtsanwalt wurden vom Senat, von der Staatsanwaltschaft und der Polizei nicht mitgeteilt. Es soll sich um das zehnte schwebende Verfahren handeln, das gegen Mahler läuft. Auch von dem Westberliner Kunstmaler Peter Homann, der in die Großfahndung nach den Befreiern mit einbezogen wurde, fehlt noch jede Spur. Gegen ihn war am Donnerstagabend Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Verbindung mit Gefangenenbefreiung erlassen worden. Homann wohnte zuletzt bei der ebenfalls spurlos verschwundenen Ulrike Meinhof.

Nach wie vor erfolglos ist bisher die Großfahndung nach Baader, Ulrike Meinhof und ihren Helfern.

Bei einer neuen Durchsuchung der Redaktion der Untergrundzeitung '883' sowie ihrer Druckerei wurden sämtliche Matrizen der jüngsten Ausgabe beschlagnahmt, in der zu einer Kampfdemonstration gegen die am heutigen Samstag in West-Berlin stattfindende 'Alliiertenparade' aufgerufen worden war. Ein Sprecher dieser Zeitschrift erhob scharfe Vorwürfe gegen die Polizeiaktion. Nach seiner Darstellung fuhren gegen 2.30 Uhr zwei Mannschaftswagen der Polizei vor. Die Beamten stürmten durch ein Lokal zur Treppe, die in die Redaktions- und Wohnräume führt. Die Beamten hätten keinerlei Beschlagnahme- oder Durchsuchungsbeschlüsse vorgezeigt, sondern lediglich erklärt, sie handelten auf höhere Weisung.

FR vom 23. Mai 1970

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