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Der Justizausschuss des US-Senats unterstützt - mit den Stimmen der Republikaner - die Berufung Brett Kavanaughs zum Richter.

Missbrauchsvorwürfe

FBI ermittelt gegen Brett Kavanaugh

US-Präsident Donald Trump ordnet eine FBI-Untersuchung zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Brett Kavanaugh an. Der Justizausschuss hatte ihn dazu aufgefordert.

Die Abstimmung im US-Senat über den umstrittenen Richterkandidaten Brett Kavanaugh wird verschoben. Präsident Donald Trump reagierte am Abend auf eine Aufforderung des Justizausschusses des US-Senats und ordnete Ermittlungen der Bundespolizei FBI zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen den Juristen an. Das gab das Weiße Haus bekannt. Die Prüfung solle begrenzt im Umfang sein und müsse in weniger als einer Woche erledigt sein. Der Justizausschuss hatte Kavanaughs Nominierung kurz zuvor zugestimmt, die Entscheidung über eine Ernennung des Richters liegt aber beim Senatsplenum.

Trotz schwerer Missbrauchsvorwürfe gegen Brett Kavanaugh hat der Justizausschuss des US-Senats am Freitag – durch die Stimmen der Republikaner - mit knapper Mehrheit dafür gestimmt, dem Senat eine Berufung Kavanaughs an das höchste US-Gericht zu empfehlen. Der komplette Senat muss endgültig über die Personalie entscheiden. Der republikanische Senator Jeff Flake, der die Mehrheit mit seiner Stimme rettete, plädierte aber dafür, die Anschuldigungen gegen Kavanaugh vor der Abstimmung im Senat durch das FBI untersuchen zu lassen. Kavanaugh ist Vorwürfen ausgesetzt, er habe als junger Mann mehrfach Frauen sexuell belästigt.

Im Justizausschuss des US-Senats sitzen elf Republikaner und zehn Demokraten. Die demokratischen Senatoren stimmten dort geschlossen gegen Kavanaugh. Die Republikaner wiederum stellten sich alle hinter den Richter. Auch Flake, der zuvor als möglicher Abweichler in den Reihen der Republikaner gegolten hatte, schloss sich der Linie seiner Parteikollegen an. Kurz vor der Abstimmung erklärte er aber überraschend, er werbe sehr dafür, die finale Abstimmung im Senat so lange abzuwarten, bis das FBI den Fall untersucht habe. Dies solle nicht länger als eine Woche dauern.

Demokraten verließen aus Protest  Kavanaugh-Sitzung

Zwei Demonstrantinnen – offenbar selbst Missbrauchsopfer – hatten Flake am Freitagmorgen im Senatsgebäude auf eindringliche Weise kritisiert, nachdem er ein Ja zu Kavanaughs Kandidatur angekündigt hatte. Sein Plädoyer für eine zusätzliche Untersuchung der Vorwürfe begründete er nun damit, dass man den Anschuldigungen konsequent nachgehen müsse. Ob es nun zu einer solchen Untersuchung kommt, liegt in der Hand der republikanischen Führung im Senat.

Die demokratischen Senatoren hatten bis zuletzt versucht, eine Abstimmung zu Kavanaugh im Justizausschuss am Freitag zu verhindern. Sie forderten, angesichts der schweren Vorwürfe gegen Kavanaugh zunächst weitere Zeugen anzuhören, scheiterten damit aber und kritisierten das Vorgehen der Republikaner scharf. Mehrere demokratische Senatoren verließen aus Protest zeitweise die laufende Ausschusssitzung und besuchten stattdessen eine Demonstration von mehreren hundert Kavanaugh-Gegnern vor dem Senatsgebäude.

Ist Kandidat Kavanaugh im gesamten Senat mehrheitsfähig?

Nun richten sich die Augen darauf, ob auch im gesamten Senat eine knappe Mehrheit für Kavanaugh zustande kommt oder ob einzelne Abweichler bei der Republikanern noch dafür sorgen könnten, dass Kavanaughs Ernennung scheitert. Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump haben im Senat nur eine hauchdünne Mehrheit. Einzelne republikanische Senatoren haben zu erkennen gegeben, dass ihnen die Missbrauchsvorwürfe zu denken geben, ob Kavanaugh der richtige Kandidat für einen der einflussreichsten Richterposten des Landes ist. Als mögliche Abweichler in den Reihen der Republikaner gelten die Senatorinnen Susan Collins und Lisa Murkowski.

Sollten die oppositionellen Demokraten im gesamten Senat geschlossen gegen eine Ernennung Kavanaughs stimmen – was als wahrscheinlich gilt - würden zwei Nein-Stimmen der Republikaner reichen, um die Ernennung Kavanaughs zu verhindern. Allerdings ist unklar, ob bei der Abstimmung möglicherweise auch noch einzelne demokratische Senatoren aus der Parteilinie ausscheren und für Kavanaugh stimmen könnten. Das Votum dürfte in jedem Fall sehr knapp ausfallen.

Trump hatte Kavanaugh im Juli als Richter für den Supreme Court vorgeschlagen. Kurz vor der Senats-Entscheidung über die Personalie waren die Vorwürfe gegen den Richter publik geworden. Mehrere Frauen beschuldigen ihn sexueller Übergriffe Anfang 80er Jahre.

Kavanaugh geht demokratische Senatoren aggressiv an

Am Donnerstag hatte der Justizausschuss des Senats sowohl Kavanaugh zu den Anschuldigungen angehört als auch die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford, die ihm eine versuchte Vergewaltigung vor mehr als 30 Jahren vorwirft. Ford hatte bei der hochemotionalen Anhörung ihre Anschuldigungen bekräftigt und Kavanaugh damit weiter unter Druck gesetzt. Sie sei sich zu „100 Prozent“ sicher, dass es damals Kavanaugh gewesen sei, der sie Anfang der 80er Jahr am Rande einer Schülerparty attackiert habe, sagte sie dort.

Der Richter hatte sich bei der Anhörung mit einem aufgebrachten Auftritt gegen die Anschuldigungen gewehrt. „Dieser Nominierungsprozess ist zu einer nationalen Schande verkommen, schimpfte Kavanaugh und warf den oppositionellen Demokraten vor, eine politische Kampagne gegen ihn zu fahren. Zum Teil ging er demokratische Senatoren aggressiv an und weichte mehrfach deren bohrenden Nachfragen aus – etwa zu einer möglichen FBI-Untersuchung.

Die Personalie ist Gegenstand einer erbitterten parteipolitischen Auseinandersetzung. Die Demokraten haben große Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und hatten mit aller Macht versucht, Kavanaughs Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern und Kavanaugh verhindert werden könnte.

Die Besetzung des Supreme-Court-Postens ist in den USA ein großes Politikum. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte dem obersten Gericht der USA auf viele Jahre ein konservatives Übergewicht geben. Die Richter dort werden auf Lebenszeit ernannt. (dpa/afp/rtr)

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