+
Anhänger und Parteimitglieder der Linken auf der Wahlparty nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse zur Landtagswahl in Sachsen. 

Brandenburg und Sachsen

Ergebnisse der Landtagswahlen versetzen Linke unter Schock

  • schließen

Die Partei verliert ihren Nimbus als die Protestpartei im Osten.

Bei der Linken herrscht nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen nacktes Entsetzen. Die Partei, die einst als Ost-Partei par excellence galt, hat stark verloren und dümpelt hier wie dort nun nur noch um die zehn Prozent herum. In Sachsen ist die neue Protestpartei namens AfD fast dreimal so stark.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, schrieb in Twitter: „Meine Partei hat an diesem Sonntag ein beispielloses Desaster erlebt, obwohl viele engagiert gekämpft haben.“ Sie müsse nun „strategische, programmatische und weitere Grundfragen stellen und beantworten“.

Der Spitzenkandidat der sächsischen Linken, Rico Gebhardt, sagte im MDR: „Es ist eine Katastrophe, die wir da eingefahren haben. Das Ergebnis kann uns in keinster Weise zufrieden stellen.“ Brandenburgs Sozialministerin Susanna Karawanskij sprach von einem „bitteres Ergebnis“. Klar sei, „dass es auf jeden Fall ein Weiter so nicht gibt“, sagte sie im Sender rbb.

Die Linke war in den vergangenen Jahren gegenüber der AfD immer stärker ins Hintertreffen geraten. Außerdem waren die Partei- und die Fraktionsführung in Berlin permanent in persönliche und strategische Auseinandersetzungen verstrickt, allen voran über die Flüchtlingspolitik. So wurde immer weniger klar, wofür die Partei eigentlich steht.

Zuletzt verzichtete Fraktionschefin Sahra Wagenknecht auf eine Kandidatur; die Neuwahl des Fraktionsvorstandes wurde aus Angst vor abermaligen Konflikten auf die Zeit nach der Landtagswahl in Thüringen am 27. Oktober verschoben. 2020 steht die Neuwahl des Parteivorstandes an. Die Satzung sieht vor, dass die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger nach acht Jahren nicht mehr kandidieren sollten. Wer ihnen nachfolgen könnte, ist völlig unklar.

Kipping sagte am Sonntag in ihrer Heimatstadt Dresden: „Solche Zahlen schmerzen, das ist ganz klar.“ Im Osten habe sich 30 Jahre lang etwas „in besonderer Art und Weise“ ausgetobt, was den Rechten den Boden bereitet habe, das sei der Marktradikalismus. Dieser erziehe Menschen dazu, den Ellenbogen einzusetzen. „Und von dieser Saat profitiert jetzt leider die AfD.“

Ein kleiner Lichtblick aus linker Perspektive: Die Umfragen für die Linke im von Parteifreund Bodo Ramelow regierten Thüringen sind passabel. Denkbar ist, dass die rot-rot-grüne Koalition dort nach dem Wahltag weiter regieren kann. Wenn nicht, dürfte sich die Krise der Partei noch verschärfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion