Susanne Hennig-Wellsow.
+
Susanne Hennig-Wellsow.

Susanne Hennig-Wellsow

Erfurter Blumenwerferin

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
    schließen

Die Chefin der Linksfraktion im thüringischen Landtag,Susanne Hennig-Wellsow, hat gezeigt, was sie von Kemmerichs Wahl hält – absolut nichts. Ein Porträt.

Bis zum Mittwoch kannten sie in Deutschland nur wenige – selbst innerhalb der politisch interessierten Kreise. Das änderte sich mit der Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten Thüringens. Da nämlich schritt die Vorsitzende der Linksfraktion im Thüringer Landtag, Susanne Hennig-Wellsow, mit einem frischen Blumenstrauß auf den frisch gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich zu. Doch statt dem FDP-Politiker das Gebinde in die Hand zu drücken, warf Hennig-Wellsow es ihm vor die Füße. Aus ihrem Umfeld verlautet: „Man kann einem Tabubruch“ – der Wahl Kemmerichs mit AfD-Stimmen – „nur mit einem Tabubruch begegnen.“

Blumen vor die Füße: Susanne Hennig-Wellsow „gratuliert“ Thomas Kemmerich.

Kein Zweifel: Dieses Bild wird in die politische Ikonografie der Bundesrepublik Deutschland eingehen – so wie Beate Klarsfelds Ohrfeige für den damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandts Kniefall in Warschau oder Joschka Fischers Turnschuh-Vereidigung als Umweltminister in Hessen. Das ist durchaus eine Überraschung.

Nicht nur wegen der Geste und ihres Anlasses selbst, sondern auch, weil sich Hennig-Wellsow sonst eher im Hintergrund hält. Zwar gehört die in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Linke dem Thüringer Landtag seit 2004 an. Seit 2013 ist sie Partei- und seit 2014 auch Fraktionschefin. Damit nicht genug: Der Mann der 42-jährigen ehemaligen Eisschnellläuferin ist Geschäftsführer der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung in Thüringen. Ein Paar also, das im Land eine durchaus zentrale Rolle spielt. Beide haben einen fünfjährigen Sohn.

Allerdings hat sich Hennig-Wellsow überwiegend darauf beschränkt, dem linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der am Mittwoch sichtlich geschockt war, den Rücken frei zu halten. Er gab den überparteilichen Landesvater, sie wärmte die Seele der Partei. Das tat die meist cool wirkende und gern Fußball spielende Frau so relativ geräuschlos, dass es außerhalb Thüringens kaum auffiel.

Bis Mittwoch. Bis Susanne Hennig-Wellsow auf Thomas Kemmerich zuging und ihm die Blumen vor die Füße warf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare