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Erfolgreiche Zurückhaltung

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Briten werden in Irak weniger angefeindet als US-Soldaten

Von Reinhart Häcker (London)

"Haltet euch von den Humvees fern", lautet die erste Regel für die Soldaten der 19. britischen Brigade, die das Wüstengebiet nördlich der Anderthalb-Millionen-Stadt Basra im Süden Iraks absichern müssen. "Humvees" sind jene gepanzerten und nach allen Richtungen mit Schnellfeuerwaffen gespickten Militärfahrzeuge, mit denen die Amerikaner von ihren Besatzungszonen im Norden aus diese Wüste kontrollieren; und in den martialisch anmutenden "Humvees" haben sie bei Attentaten durch Minen und selbst gebastelte Bomben, durch Raketen und Schießereien die höchsten Verluste seit dem offiziellen Ende des Krieges vor drei Monaten gehabt. Die Briten hingegen fahren in Landrovern, solange es geht. Die tuckern beinahe friedlich durch Basra und werden nur in gefährdeten Zonen durch gepanzerte Fahrzeuge ersetzt.

Dies mag ein Grund sein, wenngleich bei weitem nicht der einzige, warum die Briten nicht wie die Amerikaner fast täglich zu Opfern von Anschlägen werden. Die Amerikaner treten deutlich als Siegermacht auf. Die Briten, die für die Eroberung Basras und der umliegenden Ölfelder in der Küstenzone und im Süden des Landes zuständig waren, geben sich wesentlich vorsichtiger. Sie belagerten die Stadt tagelang, schon, um Brände zu vermeiden. Sie erlaubten der irakischen Armee, in Zivilkleider zu schlüpfen und sich davonzumachen, ehe sie beinahe friedlich einrückten. Seither versuchen die Briten, jeden Anstrich der Aggressivität und der Fremdherrschaft zu vermeiden. Das britische Offizierskorps gehört der Oberschicht eines Landes an, das durch seine einst unzähligen Kolonien über einen großen Erfahrungsgrundstock verfügt und das dieses Wissen auch an Unteroffiziere und Soldaten weitergibt. Es waren Briten, die nach dem Ersten Weltkrieg 1919 die durchaus fragwürdige Grenzziehung in Irak zu verantworten hatten, und es waren britische Offiziere, die bis weit in die 50er Jahre beim Aufbau der irakischen Armee "halfen". Mit diesem Grundwissen waren sie ganz gut ausgestattet, als es um ihre Beteiligung an den beiden Kriegen gegen Saddam Hussein ging.

So ist die britische Armee zurzeit mehr damit beschäftigt, zerborstene Wasser- und Abwasserleitungen zu reparieren als im besetzten Feindesland zu patrouillieren. Wenn es geht, tragen die Soldaten statt Helmen die roten oder grünen Baretts ihrer Regimenter.

Natürlich kommt den Briten zugute, dass sie es im Süden fast ausschließlich mit Schiiten zu tun haben, die den Sturz der Sunniten-Herrschaft Saddam Husseins mit großer Mehrheit begrüßen und sich bisher von Attentaten und Terroranschlägen ferngehalten haben: Sie standen unter Fremdherrschaft, schon ehe die Alliierten einrückten. Doch wie lange dieser Faktor der Siegermacht zugute kommt, ist eine offene Frage.

Vor gut zwei Wochen hat es die ersten beiden Anschläge mit selbst gebastelten Bomben unweit Basras gegeben. Sie haben keinen Schaden angerichtet. Aber seither ist den Briten recht unwohl zumute.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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