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Nicola Beer soll als FDP-Spitzenkandidatin das Europawahl-Ergebnis von 2014 verdreifachen.

FDP

Ein Erfolg für Nicola Beer

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Die FDP wählt die Hessin zur Europa-Spitzenkandidatin - trotz ihrer umstrittenen Orbán-Äußerungen.

Es ist ein stinknormales Ergebnis. Ein Ergebnis, als habe es in den letzten Tagen keinerlei Aufregung gegeben. Und darauf kommt es für die FDP an. „Mit dieser Motivation werden wir das Ding rocken“, ruft Nicola Beer dem Parteitag am Sonntag in Berlin zu. In diesem Moment ist sie gerade mit knapp 86 Prozent zur Europa-Spitzenkandidatin der FDP gewählt worden. Das ist etwa so viel Zustimmung, wie Alexander Graf Lambsdorff vor fünf Jahren bekam. Und es sind sieben Prozentpunkte mehr als Beer im Jahr 2017 bei ihrer Wiederwahl als Generalsekretärin bekam.

Das ist ein Erfolg für Beer. Denn zuletzt hatte ein „Spiegel“-Artikel für Aufregung gesorgt, in dem ihr fehlender Abstand zum ungarischen Regierungschef Viktor Orbán vorgeworfen wurde. Also ausgerechnet zu dem Mann, der sich wenig um die Meinungsfreiheit im eigenen Land schert. Beer weist den Vorwurf zurück. Auf dem Europa-Parteitag findet sie klare Worte: „Ich habe keinerlei Sympathien für Herrn Orbán. Ich habe keinerlei Sympathien für seine Idee von einer illiberalen Demokratie.“

Ein Gast, auf den sie auf diesem FDP-Parteitag stolz sind, ist die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die 50-jährige Dänin – von FDP-Chef Christian Lindner kürzlich als „der liberale Superstar Europas“ umschwärmt – ist die Hoffnung der liberalen Parteien in Europa. Mancher setzt darauf, dass die liberale Alde-Fraktion mit Hilfe der Liste des französischen Präsidenten Emmanuel Macron die Macht der großen Koalition in Brüssel brechen könnte. Die Frau, die sich als Wettbewerbskommissarin mit Konzernen wie Google und Facebook angelegt hat, legt in Berlin einen selbstbewussten Auftritt hin. „Es ist Zeit, dass Europa an sich selbst glaubt“, ruft sie den Delegierten zu.

Aber passen die liberalen Parteien in Europa überhaupt zusammen? Niemand in der FDP bestreitet, dass Macron in wichtigen Punkten stark von den Ideen der Freien Demokraten abweicht – etwa bei seinen Vorstellungen zu einer EU-Finanzpolitik. Aber, so lautet die Formel, solche Unterschiede gebe es auch in anderen Parteienfamilien Europas.

Das Gewicht der FDP in der Alde-Fraktion in Brüssel wird natürlich nicht zuletzt von ihrem Wahlergebnis in Deutschland abhängen. „Wir haben uns beim letzten Mal – weil wir so sind – sehr bescheiden aufgestellt“, so hat es FDP-Chef Lindner am Vorabend des Parteitags vor Mitgliedern in Anspielung auf das Wahlergebnis von 3,4 Prozent im Jahr 2014 gesagt. Jetzt wolle die FDP ihr Ergebnis verdreifachen, gab Lindner vor. Das sei angesichts von Umfragen, in denen die FDP bereits jetzt bei neun Prozent liege, gar nicht so ehrgeizig. Er habe aber nicht gleich vervierfachen sagen wollen.

Der Parteitag hat Beer demonstrativ den Rücken gestärkt. Ein gutes Ergebnis zu holen – das ist jetzt ihre Aufgabe.

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